Halskrausen zur Zeit des Barock im 17. Jh.

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Halskrausen und Mühlsteinkragen.

HALSKRAUSEN UND -KRAGEN DES XVII. JAHRHUNDERTS

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Nr. 1. Breiter, faltiger Überschlagkragen von Spitzen, über Brust, Schultern und Rücken herabfallend. Nach einem Bildnis von Rembrandt aus dem Jahre 1633 (Paris, Graf Edmund Pourtales).

Nr. 2. Breiter, mit Spitzen besetzter, vorn ausgeschnittener Überschlagkragen, unter dem das bis an den Hals ansteigende, oben ausgezackte Hemd sichtbar ist. Nach einem Bild von Rembrandt aus dem Jahre 1644 (London, A. Henderson).

Nr. 3. Gesteifter Mühlstein- oder Duttenkragen, auch Tellerkrause, Kröse, Fraise genannt, aus feinem Linnen, mit der Brennschere getollt. Die Duttenkragen kamen um die Mitte des 16. Jahrhunderts auf und wurden von sämtlichen europäischen Kulturvölkern (Männern und Frauen) getragen, anfangs in zunehmender, später in langsam abnehmender Breite, meist in zwei, oft auch in mehreren Reihen von Pfeifen oder Dutten übereinander, bis sich die sehr unbequeme Tracht in dem Grad verlor, als die Haare von den Männern immer länger getragen wurden, worauf auch die Frauen den Duttenkragen ablegten. Um 1630 war er fast ganz aus der Mode gekommen. Nur die älteren Männer und Frauen hielten daran bis in die Zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts hinein fest. In unserer Zeit lebt er noch in der Amtstracht von protestantischen Geistlichen in einzelnen Gegenden des nördlichen Deutschlands und in der Amtstracht der Hamburger Senatoren fort. Der Kragen wurde vorn oder hinten dicht am Hals geschlossen (vgl. Nr. 7). Übrigens wurde der Duttenkragen in späterer Zeit von den Niederländerinnen nur bei feierlichen Gelegenheiten und außer dem Hause getragen, da er bei häuslichen Verrichtungen hinderlich gewesen wäre. Es gibt Bildnisse von Niederländerinnen, auf denen unter dem Duttenkragen noch ein einfacher Überschlagkragen sichtbar ist. Nach einem Bildnis von Rembrandt um 1642 (Amsterdam, Reichsmuseum).

Nr. 4 zeigt die Form des Übergangs von dem steifen, getollten Mühlsteinkragen zu dem einfachen Überschlagkragen. Noch ist die Form der Rundkrause beibehalten; der Kragen ist aber bereits vom Halse zurückgeschlagen, das steife Gefältel ist aufgegeben, wenn auch noch mehrere Krausen übereinander gelegt sind. Nach einem Bild des Amsterdamer Malers Nicolaes Eliasz Pickenoy von 1627 (Amsterdam, Reichsmuseum).

Nr. 5. König Philipp IV. von Spanien nach einem Bildnis von Velazquez (Wien, Hofmuseum). Bald nach seiner Thronbesteigung, am 11. Januar 1623, erließ König Philipp IV. ein Edikt, durch das die tellerförmigen Spitzenkrausen verboten wurden. An ihre Stelle traten für die Manner die Golilla, ein glatter, schmaler, steif gestärkter oder durch Drähte steif gehaltener Kragen aus weißem Linnen, für die Frauen eine kleine, blaugestärkte Tüllkrause. Auf der Jagd und im Kriege wurden statt der Golilla über die Schultern fallende, urigesteifte Spitzenkragen getragen. Das Verbot der Tellerkrausen hängt mit dem Bestreben des Königs zusammen, durch größere Einfachheit der Tracht Ersparnisse zu erzielen. Nach dem Zeugnis eines zeitgenössischen Geschichtsschreibers hatten die Tellerkrausen, die aus Holland bezogen wurden, dem Lande jährlich mehrere Millionen gekostet.

Nr. 6. Leicht gesteifter, getollter Duttenkragen in drei Reihen übereinander. Nach einem Bildnis von Pieter Codde aus dem Jahre 1627 (Amsterdam, Reichsmuseum).

Nr. 7. Gesteifter und getollter Duttenkragen (vgl. Nr. 3). Nach einem Bildnis von Rembrandt aus dem Jahre 1632 (Paris, H. Pereire).

Nr. 8. Ausgezackter Tüllkragen mit mehreren Lagen übereinander; eine Abart der Tellerkrause. Nach Bildnis der Anna von Österreich, Königin von Frankreich, von Rubens um 1620 – 1625 (Paris, Louvre).

Sämtliche Abbildungen sind nach Photographien der betreffenden Gemälde gezeichnet.

Quelle: Geschichte des Kostüms von Adolf Rosenberg. Text von Prof. Dr. Eduard Heyck. Erschienen bei Ernst Wasmuth, Berlin 1905.

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