Das innere eines russischen Wohnhauses. Der Haustypus Izba.

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Russland. Inneres eines Wohnhauses.

Das innere eines russischen Wohnhauses. Der moskovitische Haustypus Izba (ein traditionelles russisches Holz-Landhaus, „die mit dem Backofen erwärmte Wohnstätte“.) Das Haus des Muschik (leibeigener Bauer).

RUSSLAND. INNERES EINES WOHNHAUSES.

Unsere Abbildung zeigt den Hauptraum der Izba, des russischen Bauernhauses. Während das Erdgeschoss. zu Viehställen eingerichtet ist, nehmen die Wohnräume, zu denen man auf einer Treppe von aussen hinaufsteigt, das obere Stockwerk ein. In der Swetlitza, dem Hauptraum, wird gegessen und geschlafen, gekocht und Brod gebacken. Hier befinden sich die Bilder der hl. Jungfrau oder eines andern Heiligen (ikona), des Zaren und der Zarin. Zwei oder drei Nebenräume, zu denen man aus dem Hauptraum gelangt, befinden sich ausser diesem noch in dem Stockwerk. Der eine, Seny genannt, dient zum Waschen und Ankleiden, die anderen zur Aufbewahrung der Haus- und Arbeitsgeräte.

Die hier dargestellte Izba repräsentiert den im nördlichen Russland üblichen, den echt moskovitischen Typus; je weiter man nach Süden und über Moskau und besonders über die Wolga hinauskommt, desto mehr verändert sich dieser Typus und nimmt einen mehr asiatischen Charakter an.

Das Haus des Muschik ist nicht das Werk eines russischen Zimmermanns, des Plotnik, der die Axt, sein einziges Werkzeug, mit grossem Geschick an der Stelle von Hammer, Säge, Zange, Hobel und Meissel zu gebrauchen weiss; der russische Bauer baut sich sein Wohnhaus selbst. „Man sieht auf dem Lande nicht viele Handwerker“, sagt Richter in den Russischen Miscellen, „jeder Bauer ist Zimmermann, Tischler, Stellmacher, Tuchmacher, Schneider, Schuster und Seiler; es genügt ihm, dass ihm jemand etwas vorgemacht hat, um es mit Erfolg nachmachen zu können. Wo andere in Verlegenheit sein würden, zieht er sich aus derselben ohne Ratschläge und Hilfe und wartet nicht erst auf die Hände anderer, um ans Werk zu gehen“.

Das Haus ist im Blockhausstil aus Tannenholz zusammengezimmert. Die Mauern sind aus ganzen, ihrer Rinde entledigten Baumstämmen zusammengefügt, die an den Ecken, wo sie sich treffen, übereinander hinausragen. Im Innern sind die Stämme mit Hilfe der Säge geebnet und geglättet. Die Fugen sind mit Werg ausgefüllt, um die Kälte abzuhalten. (Normand, l’Architectur à l’exposition de 1867. C. von Lützow, Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873. S. 73 f.)

In der Swetlitza befindet sich zunächst ein grosser Ofen aus Backsteinen und glasierten Kacheln. Er zerfällt in zwei Abteilungen, zum Brotbacken und Kochen. Oben ist der Ofen mit Sand bestreut für diejenigen, die im Winter darauf schlafen wollen. Wo man keine Betten hat, stellt man des Nachts zwei von den Bänken zusammen, welche an den Wänden ringsherum aufgestellt sind.

In der Ecke, in, welcher der Pope das Heiligenbild angebracht hat, steht auch der Tisch für die Mahlzeiten. Jeder Mahlzeit geht das Gebet voran, welches vom Familienoberhaupt gesprochen wird. Das Heiligenbild ist gewöhnlich das der schwarzen Jungfrau in halber Figur mit dem Jesuskind. Man sieht nur die Köpfe und Hände, alles übrige ist mit getriebenem Kupfer, welches versilbert oder vergoldet ist, und mit Glasperlen bedeckt. Diese Bilder sind meist nach byzantinischen Vorbildern gemacht. Über ihnen befindet sich eine weisse, mit roten Fäden gestickte Decke, die als Baldachin dient. Unter demselben befinden sich eine ewige Lampe und einige mit lebhaften Farben bemalte, geweihte Kerzen.

Das Bett, das auf unserer Abbildung keinen Platz finden konnte, steht in der dem Heiligenbild gegenüberliegenden Ecke. Es ist von Holz, und an den Ecken erheben sich vier Säulen, von denen Leinwandvorhänge herabhängen, die mit roten Fäden gestickt sind. Diese Stickereien tragen einen durchaus eigenartigen, nationalen Charakter. Die hölzernen Wände behalten ihre natürliche Farbe. Das Holz der Rottanne hat schon von Natur einen schönen Ton, der mit der Zeit noch kräftiger und tiefer wird. Bei den Verzierungen über den Fenstern am Balkon und dem Äusseren des Hauses sind rot und blau die vorherrschenden Farben. Seltener kommt grün, braun und weiss zur Anwendung.

(Nach einer Zeichnung des Architekten Paul Bénard aquarelliert von Stephan Baron.)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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