Afrikanische Hörnermasken aus Kamerun, Kongo und Angola.

Afrikanische Hörnermasken aus Kongo und Kamerun.
Afrikanische Hörnermasken aus Kongo und Kamerun.

Afrikanische Hörnermasken

von Dr. KARUTZ, Lübeck.

Maske, Sankuru-Fluss, Kongo, Afrika, Hörnermaske
Fig. 1. Maske vom Sankuru-Fluss, Kongo.

Fig. 1. Maske vom Sankuru-Fluss, Kongo.

Ein 53 cm. hohes, 26 cm. breites, aus Holz geschnitztes Gesicht, das durch einen hinten befestigten Faserstoff zum ganzen Kopf vervollständigt wird. Die Ohren sind zu hoch gesetzt und entspringen am oberen Rande der Schläfengegend, von der Stirn gehen zwei, an der Spitze mit Federbüscheln verzierte Hörner aus, etwas nach aussen gerichtet und nach hinten gebogen. Der obere Teil der Stirn und die unteren Augenlider sind schwarzbraun, die übrige Gesichtsfläche samt den Hörnern, ist in weissen, gelben und schwarzen Streifen und Dreiecken bemalt. Die Augen brauen-Bogen sind durch eine Reihe blauer Perlen hervorgehoben, der rhomboide Mund ist von ebensolchen eingefasst, von der Glabella zieht über Nasenrücken und Mund bis zum Kinn ein Streifen mit je einer Reihe blauer Perlen, Kaurimuscheln und weisser Perlen. Unter dem Kinn ein Behang von roten und naturfarbenen Faserbüscheln.

Fig. 2. Maske vom Kuango, Kongo-Staat, beim Beschneidungsfest gebraucht.
Fig. 2. Maske vom Kuango, Kongo-Staat, beim Beschneidungsfest gebraucht.

Fig. 2. Maske vom Kuango, Kongo-Staat, beim Beschneidungsfest gebraucht.

Das von einem dicken Behang ungefärbter Fasern umrahmte, aus Holz geschnitzte, rot, weiss und schwarz bemalte Gesicht von 19,5 cM. Höhe und 10 cm. Breite ist von einem aus Fasern geflochtenen Helm bedeckt, der auf zylindrischem Sockel einen auffliegenden Vogel und an jeder Seite ein gleichfalls aus Faser geflochtenes Horn trägt, das fast horizontal gerichtet seitwärts abgeht und in starker Krümmung sich nach vorn wendet. Die Spitzen der Hörner sind durch einen Streifen Kattun mit einander verbunden.

Hörnermaske, Maske, Kongo, Afrika, Magier,
Fig. 3. Maske vom Kongo, „Les magiciens le mettent derrière la tête“.

Fig. 3. Maske vom Kongo, „Les magiciens le mettent derrière la tête“ (Die Magier haben es hinter ihre Köpfe gelegt).

Rot, weiss und schwarz, meist in Dreiecks- und Streifenanordnung, bemalte Gesichtsmaske aus Holz; eingerahmt von einem Behang von naturfarbenen Fasern. Vom Scheitel steigen divergierend zwei runde, spitz auslaufende Hörner auf, die rot bemalt sind und auf roten Grund ein schwarzes Ziermuster von zwei sich kreuzenden Doppel-Zickzack-reihen zeigen. Zwischen ihnen ein Büschel von Perlhuhn- und Papagei-(Schwanz-)federn.

Fig. 4. Maske aus Kamerun aus einem Stück geschnitten.
Fig. 4. Maske aus Kamerun aus einem Stück geschnitten

Fig. 4. Maske aus Kamerun

aus einem Stück geschnitten, mittelst einer Rohrschlinge tragbar, die durch zwei in der Mitte des hinteren freien Randes befindliche Durchbohrungen läuft und über den Kopf des Maskenträgers gestreift wird.

Sie stellt einen sehr roh ausgeführten Tierkopf dar, der in Seitenansicht die fast glatte Form eines Sattels zeigt, an dem ein bogenförmiger Ausschnitt den Mund bildet und den Unterkiefer von der, durch zwei rundliche Gruben und durch den Kamm der Sattelconvexität angedeuteten Schnauze trennt. Die Augen sind zwei einfache, länglich ovale, unregelmässige Löcher. Die Maske ist bemalt, und zwar der Grund schwarz mit roten und weissen Tupfen, Schnauze und Oberkiefer rot und von einem weissen Streifen eingefasst, der sich nach oben auf die Stirn verlängert; um das linke Auge ein roter ovaler Ring, um das rechte ein ebensolcher weisser, Unterkiefer und oberer Stirnrand weiss. Von der Mitte der Stirn gehen zwei unregelmässig kantige Hörner aus, die zuerst 5 cm. weit nach oben gerichtet sind, dann nach aussen und hinten, endlich nach unten umbiegen und spitz auslaufend sich mit der Schläfe vereinigen.

Eine Mitteilung über Sinn und Verwendung der Maske liegt nicht vor, doch gehört das Stück offenbar zu den von Franz Karl Hutter aus dem Hinterland Kameruns erwähnten Masken, von denen es bei ihm heisst 1): „Für religiöse Folgerungen wichtig ist die bei diesen Totentänzen betätigte Sitte, dass die Angehörigen häufig aus Holz geschnitzte Gesichtsmasken und ganze Tierköpfe, gleichfalls aus Holz, namentlich Büffelhäupter, grell bemalt, aufsetzen, bezw. sich vor das Gesicht halten.“

1) „Wanderungen und Forschungen im Hinterland von Kamerun“. S. 442. (1902)

Hörnermaske, Maske, Kongo, Loango-Küste, Afrika,
Hörnermaske von der Loango-Küste.

Fig. 5. Maske von der Loango-Küste.

Sie ist 42 cm. hoch, wovon 15 auf die Hörner entfallen, und besteht aus 2 Teilen, dem Kopf und dem mit ihm mittelst Bastschnüre und Durchbohrungen beweglich verbundenen Unterkiefer. Gesicht wie Hörner sind in der Hauptsache schwarz gefärbt, die Spitzen der letzteren und die Zähne weiss, je ein weisser Streifen umzieht auch den Kopf in Höhe des Hörner-Ansatzes und unterhalb der Stirn bis zu den Schläfen, sowie die innere Fläche des unteren Augenrandes. Lippen und unteres Augenlid sind rot, ein roter Streifen läuft unterhalb des unteren Randes der Augenöffnung, mit roter Farbe sind die Vertiefungen des schräg gestrichelten Wulstes oberhalb der Stirn, der die Haarfrisur vorstellt, ausgefüllt.

In den Einzelheiten ist die Ausführung der Arbeit an der Maske sehr roh. Die Stirn springt kräftig gewölbt vor, die Nase ist nur eben durch die mediane Kante angedeutet, in der die beiden Gesichtshälften zusammentreffen, fehlt also im Grunde ganz. Die Lippen sind wulstig aufgeworfen — die untere besonders hängt weit vorgeschoben herab — und lassen zwischen sich die beiden Reihen der durch Einschnitte und durch die weisse Farbe gut markierten Zähne sichtbar; die Ohren fehlen, das Gesicht schliesst an den Schläfen mit der durch einen rechteckigen kantigen, quergestrichelten Vorsprung dargestellten Stammesmarke ab. Die Augen sind besonders ungeschickt gebildet, indem Bulbus und unteres Augenlid oberhalb des Ausschnittes für das Auge des Maskenträgers liegen.

Dies scheint mir wenigstens die notwendige Auffassung, da, wenn der untere, scharf vorspringende Rand des Ausschnittes als unteres Lid aufgefasst wird , keine Erklärung für den olivenförmigen, weissgefärbten Wulst unterhalb der Stirn zu finden ist. Genau dieselbe Verschiebung zeigt die auf S. 152 des FREEMAN’schen Buches abgebildete Maske aus Ashanti, auch bei ihr liegt das Auge oberhalb des oberen Lides, zwischen letzterem und dem unteren Lid bleibt ein breiter, hier geschlossener Raum frei. Das Haar wird durch den schon erwähnten, mit rotgefärbten schrägen Einschnitten versehenen Ringwulst am oberen Rande der Stirn verdeutlicht, zu ihm muss man aber auch den kurzen senkrecht laufenden quergestrichelten Streifen zwischen den Ansätzen der Hörner rechnen.

Diese letzteren sind rund und glatt, steigen erst senkrecht nach oben, biegen dann nach hinten aussen, später nach unten um und laufen in nach vorn, innen und oben gerichtete Spitzen aus, die, wie bereits gesagt, wie aber für die spätere Betrachtung besonders wichtig ist, weiss gefärbt sind. Der Unterkiefer ist ziemlich breit, bis zur Kehlkopfgegend ausgearbeitet, die beiden aufsteigenden Äste sind durch eine Querstange, wie bei den „Lorr“ Neu-Pommerns (Neu-Britanniens), mit einander verbunden.

Der hintere Rand der Maske ist mit einer Reihe von Durchbohrungen versehen, in denen mittels Baststreifen ein 65 cm. langer Behang befestigt ist, der nach Art der Matten aus Palmblattstreifen geflochten, den Hinterkopf des Maskenträgers deckt; an ihm wiederum hängt ein geknüpfter Fransenbehang, der vom Kinn ab 48 cm. herabreicht, um Hals und obere Brust- und Rückenpartie zu verhüllen.

Über die Verwendung der Maske ist nichts mitgeteilt. Dass sie bei Tänzen gebraucht, dass dabei der Unterkiefer bewegt wurde, um der Maske Leben zu geben, dass diese Bewegung dadurch zustande kam, dass der Tänzer den erwähnten Querstab mit den Zähnen packte, ist klar. Welcher Art diese Tänze waren, muss jedoch dahingestellt bleiben, vielleicht waren es zwecks Krankheitsbeschwörungen ausgeführte.

Die in der Fig. 4 abgebildete Maske gehört zu den von Hutter (loc. cit.) erwähnten, bei Totentänzen gebrauchten Holzmasken und schliesst sich demnach in Form und Verwendung den Ekongolo-Masken an. Konnte ich früher in der Beurteilung der HUTTER’schen Beobachtungen nur einem Zitat bei Feobenius folgen, so finde ich auch in dem inzwischen erschienenen Buche des Ersteren nichts, was uns weiter bringen könnte. Es heisst dort (S. 442. loc. cit.): „Dia Gesichtsmasken mögen einfach versuchen, eine Darstellung des Verstorbenen zu sein, die Tierköpfe aber lassen an die rudimentärsten unbewussten Anfänge oder Überbleibsel eines Seelenwanderungsglaubens denken (?)“ Hutter spricht hier, wie man am Fragezeichen sieht, nur einen Gedanken vorsichtig aus, den er durch keine persönliche Erkundung, durch keine Tatsachen stützen kann, denn auch später, bei der Behandlung der religiösen Verhältnisse, bringt er nichts vor, was auf einen solchen Seelenwanderungsglauben deuten könnte, 2).

2) Freeman hält es bei seinen Masken für wahrscheinlich, dass sie eine Form der Tierverehrung seien, schliesst das aber nur aus der Tatsache, dass in einigen Fetisch-Häusern heilige Affen gehalten wurden. Ein Beweis ist da, wie man sieht, nicht.

Ich halte also vorläufig auch für diese Masken des Kameruner Hinterlandes von der Art der in Fig. 4 abgebildeten die Entstehung aus der Jagdtrophäe, aus den Trophäentänzen nach Beendigung glücklicher Jagden für die wahrscheinlichste 3) und verweise dazu auf S. 13 meiner Arbeit, wo ich darauf aufmerksam gemacht habe, dass sich die verschiedenen Formen dieses Typus auf den Antilopenkopf zurückführen lassen. Büffelköpfe sind sekundär, Antilopenköpfe primär, und Antilopen sind das Jagd-Wild des Graslandes.

3) Der von Freeman beschriebene Tanz scheint die Bewegungen der gejagten Antilope nachahmen zu wollen.

Quelle: Dr. Karutz, „Weitere afrikanische Hörnermasken.“ Internationales Archiv für Ethnographie, Vol. XVI. 1904. Illustrator: R. Raar, Lithograph R. Raar, Lithograph, Drucker: P.W.M. Falle.

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