Die Hebräer. Tracht der Hohepriester. Die Leviten. Ägyptische Typen.

Kostümgeschichte, Hebräer, Israeliten, Juden, Kleidung, Hohepriester
Hebräisches. Die Tracht der Priester. Ähnlichkeit der hebräischen und ägyptischen Priestertracht.

HEBRÄISCHES. DIE TRACHT DER PRIESTER. ÄHNLICHKEIT DER HEBRÄISCHEN UND ÄGYPTISCHEN PRIESTERTRACHT.

Die zahlreichen Analogien der rituellen Vorschriften des Moses mit altägyptischen Gebräuchen stehen fest. In der Priestertracht besonders sind sie, was Stoff und Farbe anbetrifft, unzweifelhaft.

Das Kostüm der Priester bestand aus vier-Stücken; der Hose, der Tunika, dem Gürtel und der hohen Haube. Die Hosen (mischnasaim) reichten bis zu den Hüften. Die Tunika (chethoneth) war anliegend, hatte Ärmel und ging bis zu den Füssen herab. Sie bestand aus einem Stück und hatte oben eine Öffnung , die auf den Schultern durch Schnüre geschlossen wurde.

Der Gürtel (abnet), farbig gestickt, wurde drei oder vier Finger breit zwei- oder dreimal um den Leib geschlungen; die Enden hingen vorn herab und wurden beim Opfer Über die linke Schulter geworfen. Die Mütze (migbaah) war ein Turban oder eine Art spitz zulaufender Kopfbedeckung.

Zu diesen Kleidungsstücken kam für den Hohepriester:

  1. Eine Übertunika (meil), violett, ärmellos und weiter als die chethoneth, mit Öffnungen für Kopf und Arme. Am Saume befanden sich Granatäpfel und goldene Schellen, deren Ton den Eintritt in das Heilige ankündigte.
  2. Der ephod, ein Leinengewebe, mit goldenen, purpurnen, violetten und carmoisinroten Fäden durchzogen. Er bestand aus einem Brust- und einem Rückenstück, die auf den Schultern durch Agraffen zusammengehalten wurden. An den Seiten geschnürt, war der ephod von einem Gürtel aus demselben Stoff umwunden.
  3. Der hoschen, eine Brustplatte aus demselben Gewebe; doppelt, viereckig, eine Palme lang und ebenso breit, wurde er durch Goldringe und violette Schnüre auf dem ephod befestigt. Er war mit zwölf in Gold eingelassenen und zu drei geordneten Edelsteinen geschmückt und hiess auch hoschen hammischpat, Schmuck der Gerechtigkeit.
  4. Der misnepheth, aus Leinenzeug wie der migbaah, aber von anderer Form und mit einer Goldplatte geschmückt, auf der sich die Inschrift: „Heilig dem Jehovah“ befand.

Am Versöhnungstage erschien der Hohepriester ganz in weisses Linnen gekleidet.
Die Füsse waren unbekleidet. Das Haar der Priester wurde alle 14 Tage verschnitten. Die Leviten schoren es am Tage ihrer Einweihung ganz ab.

ÄGYPTISCHE TYPEN.

Der Ephod des Hohenpriesters – Nr. 13 und 14.
Der ephod findet sein Vorbild in einer Art von leinenem Mieder mit Mustern in Goldstoff, wie sie beispielsweise der König Amasis nach Herodot in das Heiligtum der Athene von Lindos auf der Insel Rhodos stiftete.

Der Hoschen, Nr. 14.
Der höchste Richter der Ägypter trug um den Hals an einer goldenen Kette ein Symbol aus Edelsteinen, „die Wahrheit“ genannt. Solche Schmuckstücke befinden sich in den Museen des Louvre und in Bulak und gleichen durchaus der Beschreibung des hoschen.

Die Kopfbedeckung des Hohenpriesters, Nr. 1, 2, 11 und 12.
Die Form des minezophet lässt sich nicht genau bestimmen. Jedenfalls scheint die Metallplatte am Vorderteil der meist turban artig gedachten Mütze mit dem Urtypus der Uräusschlange zusammenzuhängen, der sich, wie Nr. 1 und 2 zeigen, zu einem bandartigen Diadem abschwächte. Nr. 11 und 12 zeigen, dass dieses Stirnband nur vorn von einem Ohr bis zum andern reichte.

Der Mehil des Hohenpriesters, Nr. 19; die Granaten und Schellen, Nr. 3, 4, 5, 6 und 7.
Der Besatz des mehil, einer langen Tunika, bestand aus Schellen und farbigen Granatäpfeln.
Die Form dieser Tunika dürfte dem unter Nr. 19 abgebildeten ägyptischen Kleidungsstück entsprechen. Blaue, gelbe, rote und weisse Granatäpfel aus emailliertem Ton und Goldschellen, ägyptischer Herkunft, wie sie als Besatz der Tunika gedient haben können, finden sich im Louvre in grosser Zahl.

TRACHT DER LEVITEN.

Die leinene Hose, Nr. 13, 14, 16 und 17.
In den Basreliefs und Malereien der Ägypter findet sich die leinene Hose häufig als einziges Kleidungsstück, oder sie wird unter der langen Tunika sichtbar. Sie reicht vom Gürtel bis zu den Knien. Auch die Semiten auf den Denkmälern von Ninive und Babylon tragen sie.

Die Tunika, kutonet, Nr. 19.
Sie reicht faltenlos, eng anliegend, bis auf die Füsse und ist mit anschliessenden Ärmeln versehen.

Der Gürtel, abnet, Nr. 15, 16 und 17.
Ob dieser Gürtel weiss oder farbig gewesen, ist schwer zu entscheiden. Hieronymus, Josephus und die Rabbiner entscheiden sich für das letztere und sagen, er sei in den vier symbolischen Farben des ephod gewebt gewesen. Er würde dann in der Form dem ägyptischen Gürtel Nr. 17 mit seinen zahlreichen Bändern, in der Farbe und Musterung den unter Nr. 15 und 16 abgebildeten Gürteln entsprechen.

Fast auf jeder Seite des Leviticus erwähnt Moses, dass die Kleidung der Priester aus Linnen hergestellt sein muss. Auch die Priester des Ammon und der Isis werden im Altertum linigeri, Linnenträger, genannt.

Nr. 1, 2, 4, 5, 6 und 12 im Museum des Louvre.
Nr. 3, 7 und 14 aus Prisse d’Avesnes, l’Art égyptien.
Nr. 13, 17 und 19 aus Lepsius, Denkmäler.
Nr. 8 aus einer Biblia sacra, Antwerpen, 1583; Nr.9 und 10 aus einer Bibel von Royaumont, 1694; Nr. 18, 20 und 21 aus dem Univers pittoresque, (Palästina von S. Munk).

Vgl. die Broschüre des Abbé Ancessi, l’Egypte et Moïse, 1875.

Hebräer ist ein Begriff, der 34 Mal innerhalb von 32 Versen der hebräischen Bibel auftaucht. Obwohl der Begriff kein Ethnonym war, wird er meist als Synonym für die semitisch sprechenden Israeliten genommen, besonders in der vor-monarchischen Zeit, als sie noch nomadisch waren. In einigen Fällen kann er jedoch auch in einem weiteren Sinne verwendet werden, indem er sich auf die Phönizier oder auf andere alte Gruppen bezieht, wie z.B. die Gruppe, die am Vorabend des Zusammenbruchs der Bronzezeit als Shasu von Yhw bekannt war.

Die Shasu (von ägyptisch wahrscheinlich Shaswe ausgesprochen) waren semitisch sprechende Viehnomaden in der südlichen Levante von der späten Bronzezeit bis zur frühen Eisenzeit oder der dritten Zwischenperiode Ägyptens. Sie waren in Sippen unter einem Stammesführer organisiert und wurden als Briganten beschrieben, die vom Jesreel-Tal bis nach Ashkelon und dem Sinai aktiv waren. Einige Gelehrte verbinden die Israeliten mit den Schasu.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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