Persische Hausangestellte. Trachten und Gebräuche. Iran 19. Jh.

Hausangestellte, Persien, Iran, Dienerin, Kostüm, Bekleidung,
Weibliche Hausangestellte, Dienstpersonal.

8, 1, 2, 9,
5, 4, 3, 6, 7,

PERSIEN. WEIBLICHE HAUSANGESTELLTE.

Die reichen Perser haben zahlreiche Dienstboten, deren jeder seine besonderen Funktionen hat. Unter den weiblichen sind die einen Sklavinnen, die anderen werden zeitweise auf Grund eines Abkommens vor dem Richter gemietet. Ihre hauptsächlichste Arbeit besteht in der Zubereitung von Kaffee, Tee und des Kalean.

Die Dienerin Nr. 1 ist mit den zur Zubereitung des Kaffee notwendigen Gerätschaften umgeben. Man röstet die Bohnen zunächst auf einem Rost und zerstampft sie dann mit einem zylinderförmigen Holzstück. Das so gewonnene feine Pulver muss zwei Mal in einer Kaffeekanne mit langem Ausgussrohr aufkochen. Etwas frisches Wasser klärt das Getränk ab, das sodann kochend ohne Zucker in Porzellantassen serviert wird, die in kleinen Behältern von Silber stehen, damit man sich nicht die Finger verbrennt. Auf Reisen führen die Perser das Kaffeepulver mit Honig vermischt bei sich und geniessen es wie Konfitüren. Feinschmecker setzen auch etwas Opium hinzu.

Die Dienerin Nr. 2 hat die zur Teebereitung nötigen Gefässe in ihrem Bereich. Das wichtigste derselben ist der Samovar. Der Tee wird mit Zucker in Tassen mit gläsernen Untersätzen serviert.

Die Dienerin Nr. 3 giesst den Kaffee ein. Der Kalean ist die persische Wasserpfeife. Der Tabak, der darin geraucht wird, ist gewöhnlich aus Schiras. Vor dem Rauchen wird er noch drei oder vier Mal gewaschen. Der Kalean muss zuvor probiert werden; denn das Wasser der Flasche darf dem Raucher nicht in den Mund kommen. Das erledigt die Dienerin, nachdem sie ihn vorher vermittelst einer hölzernen Röhre angezündet hat, die an Stelle der biegsamen, mit einem Kristallmundstück versehenen und für den Herrn bestimmten Röhre hineingesteckt wird (Nr. 4).

Nr. 5 präsentiert die Affabeh, eine Schüssel mit einer Kanne voll Wasser, die dazu dient, sich die Finger anzufeuchten und den Mund zu waschen. Nr. 6 überreicht eine Erfrischung und Nr. 7 bringt eine Flasche mit Wasser.

Während die Dienerinnen im Dienst der Hausfrau ihre Funktionen verrichten, ist die im Dienst des Herren männliche Dienerschaft tätig. An den weiblichen Trachten sieht man, dass die Perserinnen keine Leibwäsche im engem Sinne (Hemden u. s. w.) tragen und dass sie sich die Finger, einen Teil der Hand und die Fussspitzen mit Henna rot färben .

Nr. 8 stellt einen jungen Derwisch aus Schiras, Nr. 9 eine turkomanische Braut dar. Beide sitzen nach dem gebräuchlichen Zeremoniell. Vor einem höher gestellten setzt man sich auf die Fersen und schliesst dabei die Knie und Füsse eng zusammen. Vor seines Gleichen setzt man sich mit über einander geschlagenen, nach innen gekehrten Beinen. Eine Spitze des Fusses dabei zu zeigen, gilt für unhöflich. Man grüsst einander durch Neigen des Kopfes und indem man die Hand an den Mund führt.

(Nach Mitteilungen des Obersten Duhousset)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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