Italien. Weibliche Kostüme, Frisuren u. Kopfbedeckungen im 16. Jh.

Auguste Racinet, Italien, Kostüme, Kleidung, Trachten, 16. Jahrhundert, Hutmode, Renaissance
Europa XVI. Jahrhundert. Italien. weibliche Trachten.

7, 8,
1a, 2,
1, 5,
3, 4, 1b, 6,

EUROPA XVI. JAHRHUNDERT. ITALIEN. WEIBLICHE TRACHTEN.

Nr. 1. Netz aus Goldfäden auf einer Unterlage von Gaze mit Perlen besetzt. Detail siehe Nr. 1b. Stirnband von roter Seide mit flatternden Enden und mit goldenen Agraffen und Perlen geschmückt. Detail siehe Nr. 1a. (Portrait von Leonardo da Vinci in der Ambrosiana in Mailand.)

Nr. 2. Haube von roten Samt mit einem Netz von Goldbändern, die schwarz gestickt und mit Perlen benäht sind. (Nach dem Bild eines Anonymus in der Brera in Mailand.)

Nr. 3. Kinderhaube ähnlicher Art von Goldstoff mit einem Netz von schwarzen Samtbändern und mit Rubinen, Saphiren und Perlen besetzt. (Nach einem Votivbild des Lodovico Maro von Bernardo Zenale (1460-1526) in der Brera in Mailand.

Nr. 4. Dame mit einer Kopfbedeckung in Gestalt eines Netzes. Aus einem leichten Stoff bestehend, der durch ein Drahtgestell gehalten wird. Das Brusttuch ist aus durchsichtigem Musselin und mit roten Streifen verziert. Samtkleid. Kurzes Leibchen. Geschlitzte Ärmel mit kleinen und langen Schlitzen, die durch seidene Bänder zusammengenestelt sind.

Nr. 5. Dame mit einem runden Wulst, in welchem die Haare aus dem Nacken hineingesteckt wurden. Das durchsichtige Brusttuch ist weiss auf weiss gestickt. Das kurze Leibchen ist mit Gold gestickt. Die Ärmel sind zwischen Schulter und Ellbogen zu grossen Puffen aufgenommen. (Nr. 4 und 5 nach einem Gemälde von Nicola Appiano in der Brera in Mailand.)

Nr. 6. Goldene Agraffe mit einem Smaragd.

Nr. 7. Aus einem Manuskript der Pariser Nationalbibliothek, Nr. 876, welches für Karl VIII, angefertigt worden ist. Kostüme aus dem Anfang des XVI. Jahrhunderts. Vecellio stellt in seiner 1590 erschienenen Sammlung (Degli habiti antichi ed moderni di diversi parti del mondo) ein diesem ähnliches Kostüm dar, welches früher in Mailand getragen wurde. Die Roben schlossen nach hinten eng zusammen und hatten kurze Taillen. Je nach dem Stande der Person waren sie von Gold-, Silberstoff oder farbiger Seide. Bei unserer Figur wechselt ein Streifen Goldbrokat mit einem Streifen Silberbrokat ab. Der Rock endigt in eine zwei Fuss lange Schleppe. Die Ärmel bestehen aus zwei losen Teilen, die mit der Schulter und mit einander durch seidene Bänder verknüpft sind. Unter diesen und durch kleine Schlitze kommt das feine faltige Hemd zum Vorschein. Bisweilen hing der Hemdärmel bis zu den Knie herab. Die von einem Stirnband umschlossenen Haare sind glatt gescheitelt (die Sitte, gelockte Haare von den Ohren bis zur Stirn zu tragen, kam erst 1550 auf) und von natürlicher Farbe. Die Haare fallen, in eine Flechte zusammengefasst, auf den Rücken herab. Um den Hals trugen die Damen Halsbänder von Perlen, runden Silberstücken und Korallen. Die sehr feinen Strümpfe (aus weissem filet de Florence) waren gestickt. Dazu wurden später noch enganliegende, trikotartige Kniehosen von Seide getragen.

Nr. 8. Aus demselben Manuskript wie Nr. 7. Es scheint die Tracht eines jungen heiratsfähigen Mädchen zu sein. „Die heiratsfähigen Mädchen in früheren Zeiten, sagt Vecellio, trugen die Haare lang auf den Rücken herabfallend. Ihre Robe ohne Leibchen war nicht sehr weit,“ Der von diesem Mädchen getragene Rock ist von höchster Kostbarkeit. Man nannte den Schnitt à la romana. Er liess das Blatt des Fusses und die pantoffelartigen Schuhe mit dicken Sohlen frei. Durch breite Öffnungen an den Seiten sind die bauschigen Ärmeln des Unterkleides sichtbar.

Über die weiblichen Kopftrachten zur Zeit der Renaissance in Florenz hat A. von Heyden in den Blättern für Kostümkunde, Neue Folge, I. Band (Berlin, 1876-1878, F. Lipperheide) eine äusserst gründliche und reich illustrierte Studie veröffentlicht.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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