Jakob Böhme lutherischer evangelischer Theologe.

Jakob Böhme, Theologe, Mystiker, Philosoph, Renaissance
Jakob Böhme lutherischer evangelischer Theologe.

Jakob Böhme.
Geb. 1575; gest. 17. Nov. 1624.

Jakob Böhme war ein deutscher Philosoph, christlicher Mystiker und lutherischer evangelischer Theologe. Er galt von vielen seiner Zeitgenossen innerhalb der lutherischen Tradition als origineller Denker, und sein erstes Buch, allgemein bekannt als Aurora, verursachte einen großen Skandal.

Böhme, geboren 1575 zu Altseidenberg in der Oberlausitz, war der Sohn wohlhabender Bauersleute und genoß als solcher einen leidlichen Schulunterricht auf der Stadtschule zu Seidenberg, bei welchem das Hauptgewicht auf die Bekanntschaft mit der Bibel gelegt wurde. Zu schwach, um Bauer zu werden, wurde er, 14 Jahre alt, bei einem Schuhmacher in Seidenberg in die Lehre getan. Mit 18 oder 19 Jahren trat er seine Wanderschaft an, auf welcher er fleißig fortfuhr, die Bibel zu lesen, und nebenbei sich in die Schriften eines Paracelsus, Weigel und Schwenkfeld vertiefte.

Während der Jahre 1594 bis 1599 arbeitete er zu Görlitz als Geselle, erwarb sich dann das Bürger- und Meisterrecht, vermählte sich mit einer Bürgerstochter und brachte es binnen wenigen Jahren dahin, daß er sich ein eigenes Haus kaufen konnte. Um das Jahr 1600 hatte er eine wunderbare Erscheinung. Wie erzählt wird, soll der Glanz eines blanken Zinngefäßes, in dem die Sonne sich spiegelte, in ihm eine solche innere Klarheit erweckt haben, daß er die letzten Gründe aller Dinge zu erkennen meinte.

Indessen währte es noch fast 10 Jahre, bis er sich entschloß, das Resultat seiner Gesichte, die sich seit ihrem ersten Auftreten wiederholt hatte, aufzuzeichnen. Es geschah dies in der Schrift: »Aurora oder Morgenröte im Aufgang«, Dieselbe kam noch vor der Vollendung dem Oberpfarrer Gregorius Richter zu Händen, der, die gefährlichsten Ketzereien darin witternd, den Verfasser dem Magistrate von Görlitz denunzierte und dadurch dessen gefängliche Einziehung bewirkte. Unter der Bedingung, künftighin sich alles Bücherschreibens enthalten zu wollen, freigelassen, schwieg Böhme, wenn auch nicht ohne Gewissensbisse zu empfinden, fünf Jahre lang, griff aber nach Ablauf dieser Zeit, den Aufforderungen seiner Freunde und Gönner Folge leistend, wiederum zur Feder, um von nun an bis zum Ende seines Lebens gegen 30 größere und kleinere Schriften zu vollenden.

Selbstverständlich litt bei dieser Schriftstellerei sein Gewerbe nicht wenig. Er sah sich für seinen Lebensunterhalt auf fremde Unterstützung angewiesen und geriet bei seiner großen Familie häufig in peinliche Verlegenheiten. Die Drucklegung zweier kleiner Schriften Böhmes: »Vom übersinnlichen Leben« und »Von wahrer Buße« welche die Herren von Schweinlehen im Jahre 1623 vornahmen, veranlaßte den Oberpfarrer Richter zu einem neuen Angriff gegen Böhme, der sich vergeblich dagegen durch eine »Apologie« wehrte. Er mußte die Stadt verlassen und siedelte am 9. Mai 1624 nach Dresden über. Hier zitierte ihn das Oberkonsistorium zu einem Kolloquium, bei welchem ihm das Zeugnis ausgestellt wurde, daß er ein frommer und rechtgläubiger Christ sei. Trotzdem war er auch in Dresden vor den Anfeindungen seiner Gegner nicht sicher. Er kehrte also nach Görlitz zurück und erlag bereits am 17. November 1624 einem hitzigen Fieberanfall.

Böhme erhielt von seinen Freunden den Beinamen des »deutschen Philosophen«. Diese Bezeichnung dürfte er kaum mit Recht verdienen, da ihm dazu die Schärfe der Begriffsbestimmung und die Klarheit des logischen Denkens allzu sehr abging. Er ist in der Hauptsache nur Theosoph, d. h. er suchte die Welt auf mystischem Wege im Lichte der Herrlichkeit Gottes zu erkennen. »Wie ist doch Gott«, sagte er, »allen Dingen so nahe! Und doch begreift Ihn kein Ding, es stehe ihm denn still und ergebe ihm den eigenen Willen. Dann wirkt Er durch alles, gleich wie die Sonne durch die ganze Welt wirkt.«

Vielfach ist die Behauptung ausgesprochen worden, dass Böhme einer pantheistischen, ja geradezu naturalistischen Weltanschauung gehuldigt habe. Wie falsch diese Ansicht ist, beweisen folgende Worte: »Wenn du ansiehst die Tiefe des Himmels, die Sterne, die Elemente der Erde, so begreifst du mit deinen Augen freilich nicht die helle und klare Gottheit, ob sie wohl auch all da und darinnen ist; so du aber deine Gedanken erhebest und denkest an den Gott, der in Heiligkeit in diesem All regiert, so brichst du durch den Himmel und ergreifest Gott bei seinem heiligen Herzen.« Und an einer anderen Stelle lesen wir: »Nicht mußt du denken, daß Gott im Himmel und über dem Himmel stehe und walte als eine bloße Kraft, die keine Vernunft und Wissenschaft in sich hat, wie die Sonne, die in ihrem Zirkel herumläuft, und von sich die Hitze und das Licht ausschüttet, es bringe der Erde und den Kreaturen Schaden oder Frommen. Nein, so ist der Vater nicht, sondern er ist ein allmächtiger, allweiser, allwissender Gott, in sich selbst freundlich, liebreich, barmherzig, freudenreich, ja die Freude selbst.«

Das Grundproblem Böhmes besteht nach Zeller in der Frage, wie man sich den Hervorgang der Welt aus der Gottheit zu erklären und das Verhältnis beider zu bestimmen habe. Die Antwort auf dieselbe lautet, daß die Gottheit nicht ohne ihre Offenbarung in der Welt sein könne.
Böhme ist der bedeutendste unter den spekulativen Mystikern und hat zahlreiche Anhänger im 17. und 18. Jahrhundert sowohl in Deutschland und England, als in den Niederlanden und Frankreich gefunden. Aber so tiefsinnig auch immer seine Gedanken sein, so kühn und großartig seine Anschauungen erscheinen mögen, so wenig halten sie vor einer strengen wissenschaftlichen Prüfung Stich, so wenig bleibenden Wert haben sie für den Fortschritt unsrer philosophischen Erkenntnis gehabt.

Stich von P. van Gunst

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

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