Griechisch,-römisch,- etruskische Goldschmiede und Juwelierkunst.

Schmuck, Antike, Griechisch-Römisch, Etrusker, Goldschmiede, Juwelierkunst
GRIECHISCH-RÖMISCHES. GOLDSCHMIEDE- UND JUWELIERKUNST.

GRIECHISCH-RÖMISCHES. GOLDSCHMIEDE- UND JUWELIERKUNST.

SCHMUCK. KRÄNZE, HALSBÄNDER, OHRGEHÄNGE, RINGE, ARMBÄNDER, FIBELN U. S. W.

Anm. Die Schmuckgegenstände dieser Tafel sind auf 1/3, der Kranz auf 1/6 der natürlichen Grösse reduziert.

Die meisten Schmuckgegenstände unserer Museen stammen aus Gräbern. Das, was den Toten im Leben lieb gewesen war, wurde ihnen mitgegeben, oft allerdings in wenig kostspieliger Form, hohl gearbeitet oder gar aus vergoldetem Ton.

Nr. 6. Etruskischer Totenkranz aus Gold.
Goldene Kränze wurden bei Griechen und Römern von den Frauen getragen; sie galten auch als Belohnung der Männer für bürgerliche und kriegerische Verdienste, ja, es gab sogar solche für Kinder. Nr. 6 ist 46 um lang; die Blätter sind ausserordentlich dünn; das Mittelstück ist ein bärtiger Kopf mit Stierhörnern in Relief.

Halsbänder. Nr. 9, 10, 11, 16,20. 21, 25, 26, 34.
Dieselben tragen meist ein grösseres Mittelstück oder Gehänge, eine Blume, einen Tierkopf, einen Skarabäus; oder eine Art Medaillon (bulla).
Die torques der Römer, ein massiver ziselirter Goldring, galt als kriegerische Auszeichnung (Nr. 58 und 68). – Nr. 10 ist ein etruskisches Totenhalsband. Es besteht aus zwei geflügelten Rossen, aus vier Pferdeköpfen mit Kugelgehänge, aus zwei halbrunden Reliefplatten (ein liegender Greis mit Flügelfigur), aus zwei viereckigen Reliefplatten (zwei Köpfe über den Ecken und eine weibliche Gestalt) und einem Medaillon, den Kampf des Peleus mit der Thetis darstellend (das Letztere hält man für modern). – Nr. 20 ist ein strahlenförmiges etruskisches Halsband aus Gold mit pinien- und eichelförmigen Gehängen und figürlichen Ornamenten. Nr. 21 ist mit Steinen oder Emaillen geschmückt. – Nr. 26 ist ebenfalls etruskischen Ursprunges. Nr. 34 ist ein griechisches Halsband und trägt Gehänge in Gestalt kleiner Amphoren. – Nr. 9, ähnlich in der Form, trägt in der Mitte einen Skarabäus.

Ohrgehänge. Nr. 27, 33, 38, 40, 43, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 54.

Diese Schmuckgegenstände haben die italienischen, besonders die etruskischen Metallarbeiter mit einem besondern Reichtum von Formen ausgestattet. Die römischen Arbeiter verdecken die geringere Arbeit durch eine Fülle von Steinen, Perlen und Glasflüssen.

Nr. 48 ist etruskische Arbeit. Der gestanzte und ziselierte Ring trägt eine kleine Henkelvase.
Nr. 27 zeigt an einem Haken den Raub des Ganymedes. –
Nr. 33, 38, 54 und 49 sind griechisch-römischen Stils. –
Nr. 40, 44 und 47 sind lose Gehänge, wie sie die Athenerinnen zu tragen liebten.

Ringe. Nr. 8, 32, 37,42, 44, 53, 59, 60, 67.

Der Gebrauch der Ringe, als Siegel oder Schmuck, ist im Orient sehr alt, verbreitete sich in nachhomerischer Zeit in Griechenland, wurde von dort nach Etrurien importiert und war in Rom anfangs ein Vorrecht der Senatoren und Ritter.

Die Griechen hatten eine besondere Vorliebe für die Intaglien; bei den Römern finden sich in gleichem Maase Intaglien uud Kameen. Vielfach schrieb man solchen Ringen magische Kräfte zu.

Unter den Ringen unserer Tafel ist Nr. 67 als einer jener elastischen Reifen bemerkenswert, die für jeden Finger passten. Die beiden Enden desselben weisen figürlichen Schmuck, zwei weibliche Köpfe, auf.

Armbänder. Nr. 35, 39, 57, 64, 65, 68, 71, 76.

Die antiken Armbänder haben meist einfache Formen und sind fast niemals mit Steinen, Emaillen oder Glasflüssen geschmückt. In Gestalt eines Silber – oder Bronzeringes wurden sie bei den Römern als kriegerische Auszeichnung verliehen. Die Griechen kannten neben den eigentlichen Armbändern nur Beinringe, die aber meist nur von Tänzerinnen und Hetären getragen wurden.

Nr. 76, griechischen Stils, ist der Elastizität halber gehämmert; die Augen des Schlangenkopfes bestehen aus Rubinen. – Nr. 64 ist ein Kinderarmband. – Nr. 52 zeigt orientalischen Stil. – Nr. 6 und 68 scheinen militärische Ehrenzeichen zu sein. –

Fibeln. Nr. 3. 4, 13, 14, 15, 17, 18, 23, 24, 28, 29, 31.
Die Fibel diente zunächst zur Befestigung der Chlamys und des Paludamentum, auf der rechten Schulter. In der Toilette der Frauen hielt sie den oberen Rand des Peplon oder der Palla zusammen.
Sie besteht aus einer Nadel, die durch ein Scharnier mit einem Schmuckstück verschiedener Form zusammenhängt. Unter den Fibeln unserer Tafel sind Nr. 31 wegen des grossen Kugelgehänges, Nr. 36 und 41 wegen ihres figürlichen Schmucks bemerkenswert.

Fibeln. Nr. 5, 12, 19, 22, daneben ein Exemplar ohne Nr., 63, 69, 72, 74.

Die Köpfe dieses unentbehrlichen Toilettellhilfsmittels weisen bei Etruskern, Griechen und Römern eine unübersehbare Masse von Formen auf. Am beliebtesten sind Symbole und Gestalten des erotischen und bacchischen Kreises. Die Beispiele unsrer Tafel sind sämtlich aus Metall, obwohl man auch vielfach Elfenbeinnadeln trug.

Agraffen, Riemenschnallen. Nr. 1, 2, 58, 62, 66, 73.

Nr. 2 ist versilbertes Eisen. – Nr. 66 ist die Schnalle eines römischen Soldatengürtels aus Bronze. Die der Offiziere wurde besonders reich gearbeitet und dekoriert.

Fragmente. Nr. 7, 30, 55, 56, 61, 70, 75, 71.

Nr. 75 ist eine goldene Schildkröte von 10 cm Länge, deren Gebrauchszweck nicht bekannt ist. – Nr. 5 eine strahlenförmige Rosette mit einem Apollokopf in der Mitte.
Nr. 7 und 30 aus gestanzten Goldblättchen scheinen als Kinderspielzeug gedient zu haben.
Nr. 61, ein ovales Bernsteinstück mit silbernem Henkel, scheint ein Gehänge zu sein, wie es die Mutter ihre Kinder der vermeintlichen Heilkraft des Bernsteins halber tragen liess.

Nr. 31, 35, 38, 39, 41, 43, 50, 51 nach der Description générale de Pompéi, von Nicolini.
Nr. 8. 54, 76 nach Herculanum et Pompéi, von Roux dem älteren; Paris.
Nr. 1, 2, 7, 24, 28, 30, 56, 57, 58, 66, 68 im Musée de Cluny.
Die 56 übrigen im Louvre.
Vgl. Catalogue des bijoux du Musée Napoleon III, Paris 1862 ohne Bezeichnung des Verfassers (Ch. Clément). Dictionnaire de l’Académie des beaux-arts. – A. Noel des Vergers, l’Étrurie et les Étrusques, Paris.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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