Karl der Kühne, Herzog von Burgund.

Karl der Kühne, Herzog, Burgund, Mittelalter, Charles le Téméraire,
Karl der Kühne, Herzog von Burgund. Geb, 10. Nov. 1433, gest. 5. Jan. 1477

Karl der Kühne, Herzog von Burgund.
Geb, 10. Nov. 1433, gest. 5. Jan. 1477

Karl der Kühne (auch Karl der Rücksichtslose, Französisch: Charles le Téméraire, niederländisch: Karel de Stoute, getauft Charles Martin), war von 1467 bis 1477 Herzog von Burgund. Er war der letzte Herzog von Burgund aus dem Hause Valois. Sein früher Tod in der Schlacht von Nancy durch Schweizer Söldner, die für René II., Herzog von Lothringen, kämpften, war von großer Bedeutung für die europäische Geschichte. Die burgundischen Herrschaften, die lange Zeit zwischen den wachsenden Mächten Frankreichs und dem Habsburgerreich eingezwängt waren, wurden geteilt, doch die genaue Disposition der damit verbundenen riesigen und ungleichen territorialen Besitztümer war unter den europäischen Mächten jahrhundertelang umstritten.

Karl der Kühne von Burgund, als Sohn Herzogs Philipp des Guten und dessen dritter Gemahlin Isabella von Portugal am 10. November 1433 zu Dijon geboren, führte zuerst den Titel eines Grafen von Charolais. Sein Wirken fällt in die Regierungszeit des französischen Königs Ludwig XI., der sich die völlige Vernichtung der Macht des Lehnswesens und die feste Begründung der königlichen Herrschaft zur Aufgabe stellte. In der Demütigung und Unterdrückung des burgundischen Hauses glaubte derselbe das Vasallentum in seinem Mark zu treffen. Während nun Herzog Philipp wegen seines höheren Alters einem Kampf mit dem König abgeneigt war und diesem die zurückverlangten Städte an der Somme auslieferte, vereinigte sein leidenschaftlicher Sohn Karl, um die Feudalrechte gegen die Krone aufrechtzuerhalten, die angesehensten Großen des Reiches zu einem Bündniss, das sich Ligue du bien public nannte. Zugleich fiel er mit einem zahlreichen Heer in die Picardie und Isle-de-France ein, bedrohte Paris und schlug sich am 16. Juli 1465 so tapfer gegen das Heer des Königs, daß dieses am folgenden Tage das Schlachtfeld räumte. Als hierauf die Verbündeten, durch diesen Erfolg kühn gemacht, eine Armee von 1OO,OOO Mann vor Paris konzentrierten, konnte sich Ludwig nur dadurch retten, daß er im Frieden von Conflans und St.-Maure (Oktober 1465) dem Herzog die Städte an der Somme und auch die Grafschaften Boulogne, Guines und Ponthieu abtrat.

Kar] hielt sich jetzt für einen ausgezeichneten Feldherrn. Von unersättlicher Kriegslust beseelt, trug er sich, nachdem er 1467 seinem Vater in den burgundischcn Staaten gefolgt war, mit dem Plan, das alte Königreich Burgund wieder herzustellen. Als er aufs neue gegen den Lehnsherrn rüstete, veranstaltete dieser, um einen Ausgleich herbeizuführen, 1468 mit Karl eine Zusammenkunft in Péronne. Allein da die von Ludwig aufgereizten Lütticher gerade in Empörung ausbrachen, nahm der Herzog den heimtückischen König gefangen und zwang ihn sogar, dem Rachezug gegen Lüttich beizuwohnen. Nachdem indes jener die Freiheit wieder erlangt hatte, ließ er seinen Vasallen im Dezember 1470 von den Ständen zu Amboise als Majestätsverbrecher ächten und fiel gleichzeitig in dessen Staaten ein, so daß der überraschte Herzog 1471 um einen Waffenstillstand bitten mußte. Jedoch schon im Juni griff er wieder zu den Waffen; während er aber die Picardie und Normandie verwüstete, verheerte Ludwig Burgund und brachte dadurch noch im Dezember seinen Gegner zum Frieden.

Karl trat jetzt in Unterhandlungen mit Kaiser Friedrich III., um den Königstitel und das Reichsvikariat über die deutschen Länder auf dem linken Rheinufer zu erhalten. Schon hatte er sich zu einer glänzenden Zusammenkunft mit dem Kaiser nach Trier begeben, als sich die Sache plötzlich wieder zerschlug. Um sich nun zu rächen und seine Herrschaft am Niederrhein auszudehnen, mischte er sich in die Kölner Händel: er ergriff die Partei des abgesetzten Erzbischofs Ruprecht und belagerte 1474 die Stadt Neuß, welche indes zehn Monate durch den Administrator des Erzstifts, den Landgrafen Hermann von Hessen, erfolgreich verteidigt wurde, bis der Kaiser mit einem Reichsheer 1475 herankam. Da inzwischen die von Frankreich gewonnenen und um ihre Sicherheit besorgten Schweizer und Lothringer in seine Länder eingebrochen waren, schloß er mit dem Kaiser Frieden und überfiel im September Lothringen, das er in kurzer Zeit eroberte. Zu Beginn des Jahres 1476 wandte er sich gegen die Schweizer, wurde aber im März bei Granson von dem ungleich schwächeren eidgenössischen Heer völlig geschlagen, so daß er sogar seinen reichen Train verlor. Zwar erschien er im Juni mit einem neuen Heer und belagerte Murten, doch erlitt er auch vor dieser Stadt eine geradezu vernichtende Niederlage.

Allein statt jetzt mit seinen Feinden Frieden zu machen, brach er auf die Nachricht, daß der junge Herzog Rene von Lothringen sein Land wieder erobert habe, in ohnmächtiger Wut im Oktober dorthin auf und belagerte Nancy, wurde aber hier am 5. Januar 1477 besiegt und auf der Flucht getötet. Seine Überreste, die zunächst in Nancy beigesetzt wurden, ließ sein Urenkel Kaiser Karl V. 1550 nach Brügge bringen.

Mit Karl dem Kühnen sank der letzte der burgundischen Valois ins Grab. Gelehrt und ein Freund der Künste und Wissenschaften, namentlich der Musik, hatte er frühzeitig Tätigkeit, Mäßigkeit, strenge Sitte und Ernst gezeigt; allein diese Vorzüge wurden gänzlich verdunkelt durch Härte und Anmaßung, unbeugsamen Starrsinn, furchtbare Leidenschaftlichkeit und maßlosen Ehrgeiz, Eigenschaften, die im Verein mit dem Mangel an allen großen militärischen und politischen Gaben seinen und seines Landes Ruin zur Folge hatten.

Gemälde von Roger van der Weyden in der Berliner Galerie.

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