Indien, Kaschmir. Kostüme der Tänzerinnen, Fürsten, Soldaten, Ureinwohner.

Indien, Kostüme, Trachten, Kaschmir, Odisha, Himachal Pradesh, Rajasthan
Radschputen; Soldaten von Kaschmir. Fürsten von Odisha. Ethnien des Kulu-Districts. Kostüm der Bajaderen, Nautsch Tänzerinnen.

INDIEN. SOLDATEN VON KASCHMIR. UREINWOHNER: DIE KULU UND MINA. NAUTSCH-MÄDCHEN VON KASCHMIR. – EINGEBORENE FÜRSTEN.

Nr. 1. Radschputen; Soldaten von Kaschmir.
Der Maharadscha von Kaschmir, seit 1846 unter englischer Oberhoheit, hat eine Armee von 25000 Mann, deren grössten Teil die der Kriegerkaste angehörigen Radschputen (Königssöhne) ausmachen.
Hohe und breite mitraförmige Kopfbedeckung. Wollene Weste mit Büffelleder benäht. Tunika aus demselben Stoff mit langen Ärmeln und Aufschlägen. Hosen. Mit Bändern umwundene Gamaschen. Schuhe mit aufwärts gebogener Spitze.

Nr. 2. Eingeborene Fürsten von Odisha.
Der zur Linken sitzende zeigt den Typus der Europäer. An Brust, Stirn und Armen die Abzeichen ihrer Sekte. Ohrringe, Hals- und Armbänder und Fingerringe sind kunstvoll gearbeitet. Ihre Kleidung besteht in einer weissen Musselinschärpe und einem ebensolchen languti.

Nr. 3. Kulu-Frau, Bergbewohnerin von Kaschmir.
Die Hochebene von Bias bildet den Kulu-District. der direkt durch die Engländer verwaltet wird. während die Vorberge von mediatisierten Staaten mit mehr oder weniger abhängigen Radschas eingenommen worden.
Die Bewohner des Kulu-Districts gehören mehreren Ethnien an, die sich nach einander dort niedergelassen haben. Im Süden haben sich die ursprünglichen Sitten am besten erhalten. Dort herrscht die Polyandrie, wie in Tibet. Der Schmuck der Kulu-Frauen ist ebenso reich wie der der wohlhabenden Inderinnen.
Ihr sonstiges Kostüm besteht in einer langen Tunika, darüber ein über der Brust durch zwei mit einem Kettchen verbundene Fibeln gehaltener Mantel. Als Kopfbedeckung dient eine Mütze, um welche sich ein Fellwulst schlingt.

Nr. 4. Mina-Frau (Bhil Mina).
Die Mina wurden ehemals als palita, bezeichnet. d. h. als Bewohner von Häusern, die befestigt und mehrere hundert Meter von einander entfernt sind. Heute leben die Mina, im Königreich Jaipur zwischen den Aravali und Yamuna zerstreut. Unter den vielen Schmucksachen der hier dargestellten Mina Frau ist der Nasenring bemerkenswert, der über der Oberlippe durch eine Agraffe geschlossen ist.

Nr. 5 und 6. Nautsch-Mädchen von Kaschmir.
Die Frauen von Kaschmir sind durch ihre Schönheit berühmt. Ein Handelsartikel in Srinagar besteht in kleinen Mädchen, die in frühester Jugend in die grossen Städte von Hindostan geschickt und dort zu Bajaderen (Tänzerinnen) ausgebildet werden.
Das Kostüm der Bajaderen besteht aus einem gestickten, mit Juwelen bedeckten Häubchen, einer langen seidenen Tunika, einer engen, den Knöchel umschliessenden Hose und einem farbigen Gazeschleier aus jenem Musselin von Murschidabad in Bengalen, den man siebenfach nehmen muss, um sich zu verhüllen. Eine Unzahl von Schmucksachen hängt an Stirn und Ohren herab.
Der Tanz der Nautsch Mädchen besteht in einer Reihe feierlicher Bewegungen antiken Charakters. Einer der Hauptpas besteht in einem Wiegen in den Hüften unter gleichzeitigem Vorziehen des grossen Musselinschleiers.

Abbildungen nach Photographien. Vgl. Elisee Reclus, Geographie universelle.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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