Türkei. Volkstrachten aus Konstantinopel (Istanbul).

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Oben: Bektaschi-Derwisch, Hammal, Aïwas, Bürger, Sakka, Caikdji. Unten: Jüdin, Türkische Frauen, Verheiratete Armenierin.

TÜRKEI. VOLKSTRACHTEN AUS KONSTANTINOPEL.

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Nr. 1. Bektaschi-Derwisch (Bektaschi-Tariqa), so genannt nach dem Stifter dieses Ordens Hadji Bektasch (Sufi und Mystiker Hadschi Bektasch). Die Mitglieder desselben tragen auf der Brust einen grossen Stern aus Nephrit und im rechten Ohr einen Schmuck in Form eines Halbmondes aus demselben Material. Ein anderes Abzeichen, dass sie auf der Brust tragen, ist eine Art Bockshörnchen, das unten wie ein Fischmaul zugeschnitten ist. Am Gürtel hängt eine Ledertasche. Die Kleidung besteht aus einem Mantel mit Ärmeln, der Kirka, einer Jacke und einem sehr weiten Beinkleid, dass oben an den Schenkeln sehr faltig und unten an den Beinen, wo es mit Agraffen befestigt wird, eng anschliessend ist.

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Derviche Mevlevi. Derviche Bektachi. Mollah.

Die Kopfbedeckung wird von den Derwischen selbst in ihren Klöstern angefertigt. Sie heisst tadj (Krone). Die alte Organisation der Bektaschi war eine militärische und religiöse zugleich. Die Stiftung des Ordens fand nur kurze Zeit früher statt als die der Janitscharen, mit welchen die Bektaschi bis zur Ausrottung jener eng verbunden waren.

Hammal, Caikdji, Sakka, Türkei, Trachten, Kostüme, Muslime,
Hammal (Lastträger), Caikdji (Bootsmann), Sakka (Wasserträger). Aus: Les costumes populaires de la Turquie en 1873.

Nr. 2. Hammal, Lastträger mit einem Apparat, einem Tragebock, der an starken Gurten befestigt ist und mit dessen Hilfe er die schwersten Lasten tragen kann. Die aus weissem Filz gefertigte Kopfbedeckung ist zum Schutze gegen die Sonne mit dem Saryk umschlungen. Jacke und Hose sind aus einem filzartigen Stoff gefertigt.

Nr. 3. Die Aïwas sind Diener, welche die Speisen aus den gewöhnlich von den Wohnräumen sehr entfernt liegenden Küchen in die Esszimmer bringen. Die Schüsseln werden verdeckt auf ein grosses kupfernes Tablett gesetzt, welches der Aïwa auf dem Kopf trägt. Seine Abzeichen sind die Schürze aus gestreifter Baumwolle und die um die Schultern geworfene Serviette von weisser Baumwolle. Sie tragen Strümpfe, die aus verschiedenartiger Wolle gewebt sind. Ihre Kopfbedeckung ist ein dicker farbiger Saryk. Ihre Pantoffeln sind aus rotem Leder.

Nr. 4. Bürger von Konstantinopel, der noch nicht, wie die Beamten, die europäische Tracht angenommen hat. Er trägt den weiten Mantel, Jacke, Beinkleider, den Saryk und derbe rote oder gelbe Schuhe.

Nr. 5. Sakka, ein Wasserträger mit der Kyrba, einem ledernen Behälter für das Wasser. Er trägt eine lederne Jacke zum Schutze der übrigen Kleidungsstücke gegen die Feuchtigkeit.

Aïwas, Bourgeois, Konstantinopel, Istanbulo, Kostüm, Trachten, Constantinople, Osman Hamdi Bey
Mitte: Aïwas (Servierer). Links und rechts Bürger von Konstantinopel. Aus: Les costumes populaires de la Turquie en 1873.

Nr. 6. Caikdji. Die Caikdji sind die Führer der eleganten und geschwinden Boote, die man in Konstantinopel wie die Fiaker mietet. Ihr Hemd besteht aus Seide, ihre Jacke ist oft mit reicher Goldstickerei verziert. Die weiten Hosen sind aus Baumwolle. Sie tragen den Fez und die roten Lederpantoffeln.

Nr. 7. Jüdin aus Konstantinopel. Sie trägt eine Mütze aus geblümtem Stoff, die das Haar völlig verbirgt. Der weite, seidene Rock (entari) ist mit einer Borte aus Goldfaden besetzt und um die Hüften mit einem Schal gegürtet. Die Ärmel desselben kommen unter der mit weissem Pelz besetzten Jacke zum Vorschein und reichen bis an die Fingerspitzen.

Nr. 8. Türkische Frau aus Konstantinopel im Ausgehkleid. Wenn die türkischen Frauen auf die Strasse gehen, verhüllen sie den Körper in einen weiten Überwurf von Tuch, Wolle und Kaschmir, je nach der Jahreszeit. Der Kopf ist mit einem weissen Mousselinschleier bedeckt, der, wie man sagt, immer durchsichtiger wird.

Nr. 9. Türkische Frau im Hauskleid. Sie trägt den Entari mit langer Schleppe und ein weites Beinkleid, unter welchem die Samtbabuschen fast verschwinden. Ein Gürtel von Kaschmir hält den Entari zusammen, welcher aus kostbarem Brokat aus Damaskus, Aleppo und den kaiserlichen Fabriken in Konstantinopel gefertigt wird. Als Kopfbedeckung dient ein runder Wulst, der etwas nach vorn geneigt ist. Die Pantoffeln sind mit Gold gestickt und mit Perlen besetzt. Die türkische Frau malt sich Augenbrauen, färbt die Wimpern, schminkt sich und gibt den Lippen noch eine künstliche Röte.

Nr. 10. Verheiratete Armenierin. Ihre Tracht besteht aus einem Schleppkleid von einem dicken Gewebe aus Seide und Gold, aus einem Kranze weisser Blumen, einem Gazeschleier und einem zweiten eigentümlichen Schleier aus Goldfäden, dem Telpetsche, der fast bis auf die Füsse herabreicht.

(Nach Photographien aus dem Werk Costumes populaires de la Turquie, das 1873 in Constantinopel von P. Sebah herausge gegeben worden ist. Die Farben sind den Modellen entlehnt, die 1874 von der Union centrale des Beaux-Arts appliqués a l’Industrie ausgestellt worden sind).

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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