Pariser Hutmode des Jahres 1866. Kapotthut, Leghorn, Florentinerhut.

Leghorn, Hutmode, Strohhüte, Florentiner. Kapotthut, Mode, 19. Jh,
Pariser Hutmode 1866.

Kapotthut, Strohhüte, Leghorn (Florentinerhut).

Pariser Hüte.

Mein lieber Herr Redakteur, – Erlauben Sie mir, Ihnen für die erste Nummer von „Natur und Kunst“, einen echten Frauenbeitrag, ein Kapitel über Bonnets anzubieten. Man sagt, dass die Männer auf dem Kontinent alle den Kopf verloren haben, und dass man nicht weiß, was in Deutschland und Italien passieren wird. Wenn auch die Damen ihre Köpfe nicht verloren haben, so haben sie doch fast aufgehört, sich mit Hauben zu versehen, obwohl sie gewisse hauchdünne Stoffe tragen, die manchmal nicht größer sind als eine Handfläche, und denen man den Namen Chapeaux zu geben, ziemlich gewagt ist.

Allerdings, egal, wie sie genannt werden, solange sie hübsch aussehen. Ich sende Ihnen zehn Porträts, sowohl der Dame als auch ihrem Hut, in einigen Fällen aus dem Leben; aber Sie müssen entschuldigen, wenn ich Ihnen nicht sage, welche der Gesichter nun echt und welche imaginär sind. Es reicht, denke ich, Ihnen zu versichern, dass alle meine Skizzen von echten Personen mit ihren Hüten sind, die ich auf der Pferderennbahn, im Bois de Boulogne, auf den Champs-Elysees und anderen Promenaden während der ersten Woche dieses blumigen und, wie ich hinzufügen kann, regnerischen Monats Mai gesehen habe.

Ich weiß nicht genau, was meine verehrten Landfrauen gerade auf dem Kopf tragen, aber ich fordere sie heraus, zehn Exemplare zu finden, außer aus der geheimen Schublade ihrer Fantasie, die die übertreffen, die ich Ihnen jetzt schicke.

Abb. 1. Chapeau Benoiton, so benannt nach den Heldinnen des erfolgreichen Theaterstücks von Victor Sardou im Vaudeville. Ein rosafarbener Fanchon, der aus Tüllbouillons besteht und außen mit einer Moosrose verziert ist. Im Inneren befindet sich eine Torsade aus rosa Samt mit drei Kameen, die durch eine Kette miteinander verbunden sind. Die Ränder sind aus Taffetas, mit langen Barben aus rosa Tüll, die mit einer Rose unter dem Kinn befestigt sind. Eine Chaine Benoiton ist am Chapeau knapp über den Ohren befestigt und fällt in Girlanden über die Ränder.

Abb. 2. Eine bezaubernde Capote (Kapotthut), die ganz aus Veilchen besteht; eine Kette aus denselben Blumen fällt auf den Chignon. Grüne Bänder mit einem kleinen Bouquet oi; Veilchen auf der Schleife. Ein Kranz aus Glastropfen schmückt die Vorderseite.

Abb. 3. Der Papillon, ein sehr schneidiger Hut. Winzige Bouillons (Trodeln) aus weißem Tüll strahlen von der Mitte aus, auf der ein schöner gelber Schmetterling mit ausgebreiteten Flügeln prangt. Ein Kranz aus Vergissmeinnicht schmückt den Rand des Hutes, und die Bouillons sind mit diesen süßen kleinen Blumen übersät. Die Bänder sind aus blassblauem Taft.

Abb. 4. Nr. 4 ist ein hübscher Leghorn-Hut *) (Florentinerhut), forme japonais, gerade jetzt ausgesprochen à la mode. Das einzige Ornament ist eine zarte Girlande aus Rosen, Pompons und Blättern.

Abb. 5. Ein kleines Hütchen aus schickem Stroh, das Pamela getauft wurde. Am Rand ist ein Kranz aus kleinen, leuchtend roten Mohnblumen angebracht, und die Bänder werden, statt vorne befestigt zu werden, unter dem Chignon (Haarknoten oder Dutt) herumgeführt und hinten festgebunden.

Abb. 6. Eine charmante Fantasie – die wir die Berger nennen werden. Sehr klein, sehr einfach, sehr passend zu einer brünetten Frau. Ein winziger Kreis in Leghorn, umgeben von einem Kranz aus Feendamastrosen. Das lange Kirschband, das die Bänder bildet, geht über das Hütchen und wird unter dem Haar befestigt.

Abb. 7. Ein köstliches Frühlings-Hütchen, forme Japonaise, ganz bedeckt mit den schönen Maiglöckchen, deren süße, weiße Glöckchen sich anmutig mit den Locken der Frisur vermischen. Lange Schleifen aus weißem Tüll, die unter dem Kinn zusammengebunden werden, sind ein reizvoller Ersatz für die ewigen Taffetas der Bänder.

Abb. 8. Eine reizende Komposition aus Guipure (Klöppelspitze) und Tüll, bestickt mit weißen Hörnern; eine Franse aus demselben ist rund um den Hut gelegt. Die Schnüre sind aus weißem Satin.

Abb. 9. Die Toque Chinoise in Leghorn. Das Neue an diesem Hut ist die spitze Krone, denn die grüne Samtbordüre und den Möwenflügel haben wir schon oft gesehen.

Abb. 10. Ein grau-weißer Strohhut, der mit einer Girlande aus doppelten Veilchen eingefasst und unterhalb des Kinns mit strohfarbenen Taftbändern befestigt ist.

Sollten meine Notizen über die Pariser Hutmode Ihren Leserinnen gefallen, so schicke ich Ihnen gerne von Zeit zu Zeit ein paar andere Notizen. K. E. F.

*) Seit Anfang der 1700er Jahre bauten die Italiener Stroh speziell zum Flechten an. Dieses Stroh war fein und konnte zu schmalen, leichten Zöpfen geflochten werden, so dass es nicht nötig war, Stroh zu spalten.
Der einmal geflochtene Zopf wurde entweder in langen Stücken verkauft, oder er wurde in die berühmte Leghorn-Mütze eingenäht, indem man ihn Kante an Kante nähte. In den anderen europäischen Zentren wurde der Zopf normalerweise zu einer Haubenform genäht, indem man den Zopf überlappte, wodurch eine schwerere, steifere Haube entstand.
Leghorn-Hauben waren leicht und flexibel. Sie waren teure und hochgeschätzte Artikel der Damenmode.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass Leghorn-Hauben in der Küstenstadt Leghorn (Livorno) hergestellt wurden. Die Strohprodukte wurden über den Hafen von Livorno exportiert; hergestellt wurden sie in den Dörfern um Florenz.

Quelle: Natur und Kunst. London: Day & Son, 1866-1867.

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