Gotthold Ephraim Lessing. Vertreter der Epoche der Aufklärung.

Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Deutschland, Schriftsteller, Philosoph, Dramatiker, Publizist
Gotthold Ephraim Lessing 1729-1781.

Gotthold Ephraim Lessing.

Geb. am 22. Januar 1729; gest. am 15. Februar 1781.

Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Französischen Revolution (1760-1810).

Gotthold Ephraim Lessing war ein deutscher Schriftsteller, Philosoph, Dramatiker, Publizist und Kunstkritiker und ein herausragender Vertreter der Epoche der Aufklärung. Seine Theaterstücke und theoretischen Schriften beeinflussten maßgeblich die Entwicklung der deutschen Literatur. Er gilt unter Theaterhistorikern als der erste Dramaturg in seiner Funktion am Hamburger Nationaltheater von Abel Seyler.

Lessing wurde am 22. Januar 1729 zu Kamenz, der ärmsten der Lausitzer Sechs Städte, geboren. Ärmlich in geistiger und materieller Hinsicht waren auch die Verhältnisse, unter denen er das Licht der Welt erblickte. Sein Vater Johann Gottfried Lessing, Prediger zu Kamenz, gehörte ursprünglich nicht zu den Geistlichen gewöhnlichen Schlages, sondern zeichnete sich durch eine Vielseitigkeit der Bildung und Interessen aus, wie sie damals bei seinen Amtsgenossen nur selten zu finden war. Die Nöte seines Berufes und der Kampf um das tägliche Brot aber hatten ihn innerlich heruntergebracht und zu einem welt- und menschenfeindlichen Orthodoxen umgewandelt, wozu auch seine ziemlich beschränkte Frau redlich mitgeholfen hatte. Das traurige Schicksal des Vaters diente jedoch nur dazu, dem Sohn die Notwendigkeit, das Glück in der Ferne zu suchen, klar vor Augen zu stellen.

Von dem Rektor Heinitz zu Kamenz und dem Pastor J. G. Lindner zu Putzkau bei Bischofswerda trefflich vorbereitet, wurde Lessing am 21. Juni 1741 der Fürstenschule St. Afra in Meißen zugeführt. Seine Beharrlichkeit im Lernen und seine Sitten ließen mancherlei zu wünschen übrig, sobald er aber einmal mit Ernst an die Arbeit ging, bewältigte er jede Aufgabe mit spielender Leichtigkeit. Bereits mit 17 Jahren hatte er alles gelernt, was ihm die Schule darbieten konnte. Er siedelte daher im September 1746 nach Leipzig über, um sich dort nach dem Wunsch der Eltern dem Studium der Theologie zu widmen. Aber schon in den ersten Anfängen seiner Studentenzeit war er ein seltener Gast in den theologischen Hörsälen. Gleichwohl überließ er sich nicht dem Müßiggang, sondern war in seiner Weise unausgesetzt tätig. Der nahe Verkehr mit seinem Vetter Christlob Mylius, einem flotten, aber nicht im besten Leumund stehenden Literaten, zog ihn vorerst am meisten an. Durch ihn wurde er mit der Neuberin bekannt und in die Welt vor und hinter den Kulissen eingeführt.

Die Leidenschaft für das Theater gewann damals solche Gewalt über ihn, daß sich ihm nach seinen eigenen Worten, alles, was ihm in den Kopf kam, in eine Komödie verwandelte. Im Januar 1748 hatte er die Freude, daß sein erstes Lustspiel: »Der junge Celehrte« mit Erfolg über die Bühne der Neuberin ging. Sein Leben und Treiben in Leipzig erregte jedoch bei den Seinigen in Kamenz das höchste Mißfallen. Er erhielt daher die Weisung, nach Hause zu kommen, und leistete derselben Folge. Bis Ostern 1748 blieb er in Kamenz, wo er außer einer Anzahl anakreontischer Lieder 1) auch das Lustspiel »Die alte Jungfer« verfaßte. Als er im April desselben Jahres nach Leipzig zurückkehrte, war er entschlossen, das Studium der Theologie aufzugeben und dasjenige der Medizin zu ergreifen. Seine mißliche pekuniäre Lage nötigte ihn jedoch, die Flucht vor seinen Gläubigern zu ergreifen und sich nach Wittenberg zu wenden.

Hier erkrankte er, so daß er erst Ende November imstande war, Mylius nach Berlin nachzufolgen. Er ergriff nun den Beruf eines Journalisten und übernahm die Leitung des literarischen Beiblattes zur Vossischen Zeitung. In den Jahren 1754-1758 gab er die »theatralische Bibliothek« heraus, gewissermaßen eine Fortsetzung seiner bereits 1756 erschienenen »Beiträge zur Histoire und Aufnahme des Theaters«. Neben diesen kritischen Arbeiten versuchte er sich auch in eigenen poetischen Werken. Das 1755 vollendete Trauerspiel: »Miß Sara Sampson« behandelt einen Stoff aus Richardsons Roman »Clarissa«, 1759 folgte der »Philothas«, das dramatische Gegenstück zu der patriotischen Lyrik seiner Freunde Gleim, Kleist und Ramler.

Mittlerweile aber wurde Lessing des Lebens in Berlin, das er wiederholt auf längere oder kürzere Zelt verlassen hatte, überdrüssig. Er sehnte sich nach einer festen Anstellung und nahm daher im November 1760 eine Stelle als Sekretär bei dem General Tauenzien in Breslau an. Das bewegte militärische Leben in dieser Stadt übte eine mächtige Anziehungskraft auf ihn aus, Wie er es bei seiner Umgebung täglich sah, so ließ auch er sich nicht leicht den Genuß des Augenblicks entgehen, ohne bei dem tollen Treiben die Herrschaft über sich selbst einzubüßen. Der Aufenthalt in Breslau ward vielmehr zu einer Bildungsschule für ihn, wie er sie in seiner einsamen Studierstube nie hätte finden können. Er zog aus ihm den größten Nutzen für seine literarische Tätigkeit; wissen wir doch daß er in heiteren Morgenstunden während des Frühlings 1763 in einem Garten bei der Stadt den Entwurf zur »Minna von Barnhelm« niederschrieb. Auch die Anfänge des »Laokoon« fallen in die Breslauer Zeit.

Zu Ostern 1765 gab Lessing sein Sekretariat wieder auf. Er hoffte eine Anstellung an der Berliner Bibliothek zu erhalten, mußte es aber erleben, daß ihm ein Franzose vorgezogen wurde. So war er wieder, wie er sich ausdrückte, »der alte Vogel auf dem Dache, der von seiner Schriftstellerei leben mußte«. Auch in Hamburg, wohin er im Frühjahr 1767 berufen wurde, um als Dramaturg bei der beabsichtigten Gründung eines Nationaltheaters mitzuwirken, sollte er keine bleibende Stätte finden. Der Plan scheiterte kläglich; Lessing brachte seine Dramaturgie nur bis zu dem 104. Stück. Der Versuch, sich durch Errichtung einer Buchdruckerei und Buchhandlung eine selbständige Existenz zu begründen, mißlang gleichfalls vollständig. Da verschaffte ihm die Vermittlung seines Freundes Ebert die Stellung eines Bibliothekars in Wolfenbüttel, wohin er zu Ostern 1770 übersiedelte.

Seine Gesundheit war aber infolge seines angestrengten, unausgesetzten Arbeitens ziemlich erschöpft. Um sich zu erholen, unternahm er 1775 eine längere Reise, die ihn über Berlin nach Wien und dann als Gesellschafter des Prinzen Leopold von Braunschweig nach Italien führte. Im Februar 1776 traf er wieder in Wolfenbüttel ein und vermählte sich am 8. Oktober mit Eva König, der Witwe eines seiner Hamburger Freunde. Ihr Verlust nach einer kurzen Ehe von nur zwei Jahren versetzte ihn in die tiefste Betrübnis. Nur durch unaufhörliches Schaffen vermochte er diesen herben Schmerz zu betäuben.

Unter seinen in Wolfenbüttel ausgeführten Arbeiten ragen das Trauerspiel »Emilia Galotti« (1772) und das Schauspiel »Nathan« (1779) am meisten hervor. Es war der Sieg der Duldung über die religiöse Intoleranz, den er in diesem seinen letzten Drama in großartigster Weise zur Anschauung brachte, nachdem er in dem über die s. g. Wolfenbüttler Fragmente ausgebrochenen Streit mit dem Hauptpastor Göze zu Hamburg durch einen obrigkeitlichen Machtspruch scheinbar unterlegen war. Ein Schlagfluß (Schlaganfall) machte am 15· Februar 1781 seinem Leben ein rasches Ende.
H. A. L.
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Gemälde von A. Graff

1) Anakreontika sind Verse in einem Metrum, das der griechische Dichter Anakreon im 6. Jh. v. Chr. in seinen Gedichten verwendete, die von Liebe und Wein handeln. Seine späteren griechischen Nachahmer (deren überlieferte Gedichte als Anakreontika bekannt sind) griffen die gleichen Themen auf und verwendeten das anakreontische Metrum. In der modernen Lyrik sind Anakreontika kurze lyrische Stücke, die das anakreontische Thema, aber nicht das Metrum beibehalten. Anacreontea (griechisch: Ἀνακρεόντεια) ist der Titel einer Sammlung von etwa 60 griechischen Gedichten zu den Themen Wein, Schönheit, erotische Liebe, Dionysos etc.

Quelle: Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Französischen Revolution (1760-1810). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1896. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann.

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