Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von Preussen.

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Luise, Königin von Preussen. Stich von W. Dickinson nach dem Gemälde von N. Lauer.

Luise, Königin von Preussen 1797-1810.

Geb. 10. März 1776, gest. 19. Juli 1810.

Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von Preussen, wurde am 10. März 1776 in Hannover als Luise Auguste Wilhelmine Amalie Herzogin zu Mecklenburg geboren, wo ihr Vater, der nachmalige Herzog Karl Ludwig Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, damals Gouverneur war. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter Friderike Karoline Luise, einer geborenen Prinzessin von Hessen-Darmstadt, wurde ihre Erziehung erst zu Herrenhausen dem Fräulein von Wolzogen und später ihrer Grossmutter, der Landgräfin Marie Luise Albertine zu Darmstadt, anvertraut.

Während des französischen Revolutionskrieges lebte sie einige Jahre bei ihrer älteren Schwester Charlotte, der Gemahlin des Herzogs Friedrich von Sachsen-Hildburghausen. Auf der Rückreise von Hildburghausenn 1793 lernte sie der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preussen, der eben seinen Vater Friedrich Wilhelm II. zum Krieg an den Rhein begleitete, in Frankfurt kennen und ward von ihrer Schönheit und dem Adel ihres Wesens so bezaubert, dass er sich am 24. April desselben Jahres in Darmstadt mit ihr verlobte und nach der Rückkehr aus dem Feldzug am 24. Dezember in Berlin vermählte.

In ihrem musterhaften Familienleben fand Luise das höchste Glück, und auch die Thronbesteigung ihres Gemahls als Friedrich Wilhelm III. 1797 änderte nichts an diesem schönen Verhältnis. Sie begleitete diesen auf seinen Reisen durch das Land und war, eine echte Fürstin, allenthalben bemüht, das Volk in der Hütte aufzusuchen und fremde Not zu lindern, fremde Tränen zu trocknen. Selbst beim Ausbruch des Krieges gegen Frankreich 1806 wich sie nicht von der Seite des Königs und ging nach der unglücklichen Schlacht bei Jena mit demselben nach Königsberg und später nach Memel.

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Mulbach: Napoleon I. und die Königin Luise von Preussen in Tilsit.

Als die Schlachten von Eylau und Friedland Preussen vollends der Gnade Napoleons preisgegeben hatten, brachte die Königin das Opfer, den Eroberer, wiewohl dieser ihre Ehre schmählich verleumdet hatte, durch eine Unterredung in dessen Hauptquartier zu Tilsit am 6. Juli 1807 zu günstigeren Friedensbedingungen bestimmen zu wollen, aber vergebens.

Während ihr Gemahl zu verzagen begann, hatte das Unglück sie nicht gebrochen, vielmehr erst zur wahren Grösse erhoben. In ihrer Brust lebte die unerschütterliche Gewissheit, dass das Vaterland nicht untergehen, sondern sich wieder mächtig aufrichten werde. Ihr Kabinett wurde der Brennpunkt der patriotischen Bestrebungen, sie war es, die die geistige und politische Wiedergeburt Preussens anbahnte. Den König ermutigend, setzte sie allen Hindernissen zum Trotz die Berufung Steins und später Hardenbergs ins Ministerium durch und beriet mit diesen Mannen, mit Scharnhorst und Gneisenau die nötigen Reformen.

Gleichzeitig fand sie auch noch Musse, sich mit Geschichte und deutscher Literatur zu beschäftigen. Nachdem sie zu Anfang des Jahres 1808 mit Friedrich Wilhelm wieder nach Königsberg übergesiedelt war, besuchten die Gatten zu Ende dieses Jahres, einer Einladung des Kaisers Alexander I. Folge leistend, auf einige Wochen St. Petersburg, um sich von da wieder nach Königsberg und im Dezember 1809 nach Berlin zu begeben. Aber der Schmerz über das Schicksal des Vaterlandes hatte die Gesundheit der Königin untergraben sie starb während eines Besuches bei ihrem Vater am 19. Juli 1810 auf Schloss Hohenzieritz bei Neustrelitz in den Armen ihres Gemahls. Keine Fürstin der neueren Zeit ward aufrichtiger betrauert. Ihre Überreste wurden im Schlossgarten zu Charlottenburg beigesetzt, wo ihr der König ein prächtiges Mausoleum errichten liess, das Rauch mit dem herrlichen Marmorbild der schlafenden Königin zierte.

Luise ist eine der edelsten Gestalten nicht nur der Geschichte Preussens, sondern derjenigen aller Zeiten. Es war ihr nicht mehr vergönnt, die Tage der Befreiung zu erleben, die sie ahnend im Geist geschaut, die sie vorzugsweise hatte herbeiführen helfen. Ihre hohe und schlanke Gestalt, ihre anmutige Haltung, der edle Ausdruck ihres Antlitzes, welches die Klarheit ihres Geistes und die Güte ihres Herzens strahlend widerspiegelte, hat auch einen Goethe begeistert. In seiner „Campagne“ nennt er sie eine himmlische Erscheinung, deren Eindruck ihm niemals erlöschen werde.

Stich von W. Dickinson nach dem Gemälde von N. Lauer.

Quelle:

  • Historisches Porträtwerk. Das Zeitalter der Befreiungskriege (1810-1845). Nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seudlitz. Mit biographischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier. München 1897. Verlagsanstalt Friedrich Bruckmann A.-G.
  • Napoleon and the Queen of Prussia; by Luise Mühlbach (1814-1873). New York: P. F. Collier, 1902.
  • Porträts und Kunstblätter von Karl Ernst Henrici. Auktions-Katalog VII, 1911. Berlin W 35, Kurfürsten Strasse 148, Gartenhaus.

Literatur:

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