Mönchguter Trachten der Ostseeinsel Rügen von Albert Kretschmer.

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Rügen. Mönchgut.

Rügen. Mönchgut.

Die Mönchguter kennzeichnen sich schon in der äußeren Erscheinung als ein Volk, welches an der See lebt. Die gewöhnliche Tracht des Mannes besteht in einer schwarzen dickwollenen Jacke mit Horn: oder Kokosnussknöpfen, einem Paar weit flatternder und bis unter das Knie reichender Drillichhosen, unter welchen er noch ein zweites Paar, etwas enger, trägt. Die rotstreifige wollene Weste mit zwei Reihen silberner Knöpfe schließt sich über diesem an, während ein Paar hellbraun wollener Strümpfe und schwarzlederner Bindeschuhe nach unten und eine bunte gestrickte Zipfelmütze nach oben den Anzug vollenden.

Bei der Arbeit ist eine blaue Tuchmütze mit Lederschirm sehr gebräuchlich, am Sonntag aber pflegt der Mönchguter den schwarzen Zylinder aus Filz aufzusetzen, über das gefältelte Hemd ein weißes Halstuch zu binden, das, von einem buntblumigen Kattunhalstuch bedeckt, nur als Vorstoß sichtbar ist.

Bei der Abendmahlsfeier aber legt er über Jacke und Weste den stattlichen schwarzen langen Tuchrock an mit hochstehendem Kragen, schwarz besponnenen Knöpfen und Litzen von schwarzer Rundschnur. Das obere Halstuch ist alsdann sowie auch die bis beinahe zu den Füßen reichenden Hosen ebenfalls schwarz; hierzu trägt er schwarze Stiefeln oder die üblichen Schuhe mit schwarzwollenen Strümpfen. Als Bräutigam fügt er diesem Anzug ein weißes gesticktes Halstuch, vorn bis zum Gürtel herabhängend, das von einem zweiten schwarzseidenen umgeben und zum Teil durch dessen dicke herabhängende Schleifen bedeckt wird, sowie einen Blumenstrauß mit rotseidener Schleife, auf linker Seite getragen, bei.

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Die Frauentracht ist besonders charakteristisch in der Kopfbedeckung; ein weißleinenes, mit Zwirnkante besetztes oder von gesticktem Tüll gefertigtes Mützchen bedeckt zunächst den Kopf dergestalt, daß, außer einer Tocke über der Stirn, alles Haar, welches das Gesicht umgiebt, verborgen bleibt. Eine kegelförmig dichtgefütterte Mütze von schwarzen Merinos mit schwarzem Seidenstreifen besetzt, welcher im Nacken fächerartig in herabhängenden Bändern endigt, läßt von der weißen Untermütze nur einen Streifen sehen.

Den Hals umschließt zunächst ein weiß baumwollenes Untertuch, durch einen farbigen Glasknopf festgehalten; ein buntgedrucktes Kattunhalstuch bedeckt wieder zum größten Teil dasselbe und wird in das Mieder gesteckt, das von schwarzem Wollstoff mit einem Latz von bunter Stickerei oder farbigem Schmelz, auch Goldflittern und vielfach bunt geschnürt den Oberkörper umgibt; die langen bis ans Handgelenk reichenden offenen Hemdsärmel genügen im Haus zur Bedeckung der Arme, außer demselben wird aber die schwarzwollene Jacke angezogen, die, am Rücken ein Schößchen bildend, am Halsausschnitt sowie unten am Ärmel mit schwarzem Samet besetzt ist.

Der oft sichtbare Unterrock ist von schwarzem Warb mit drei Finger breiter dunkelblauer Kante, der Oberrock von schwarzem Hausset mit vier Finger breitem, hellblauem Hamburger Band am Saum besetzt. Der letztere ist vorn durch eine etwas kürzere Schürze von buntstreifigem oder geblümtem Kattun gedeckt, welche mit farbigen Bändern vorn gebunden ist. Blaue oder schwarze Strümpfe und Schuhe, denen der Männer ähnlich, aber mit ausgezacktem Leder über dem Spann, beschließen die gewöhnliche Sonntagstracht.

Bei weiteren Ausgängen pflegt die Mönchguterin über die kegelförmige Müße noch einen Strohhut mit bunten Bändern zu stülpen. Die Arbeitstracht kennzeichnet ein weißleinenes Jäckchen und eben solche Schürze. In der Kirche aber muß eine fein leinene gesteppte Schürze, sowie ein dreizipfeliges Halstuch von Tüll mit eingestickten Blumen, Sternen etc., das über die beiden oben beschriebenen gebunden wird, den Staat bilden, und bei dieser wie bei jeder festlichen Gelegenheit macht sich die Ehefrau von der Jungfrau durch einen über die Mütze gebundenen schwarzseidenen Streifen kenntlich.

Ganz absonderlich ist indessen der dickgefütterte steife Mantel, den die Frauen beim Abendmahl tragen, der, einem spanischen Mantel nicht unähnlich, aber kürzer als dieser, nur bis unter die Taille reicht; er ist vollständig unbeweglich, selbst die durch Biegung des Körpers notwendigen Falten sind nicht zufällig, sondern vorher fixiert, und er wird gleich einem Ritterschild am Oberarm und Ellbogen mit Spangen befestigt. Im Stoff ist er von dicker schwarzer Wolle mit gemustertem Atlasband besetzt. Bei dieser Gelegenheit ist auch eine schwarze Wollschürze mit schwarzen Seidenbändern gebräuchlich.

Die Braut ziert zunächst ein bunter Blumenkranz, welcher in nach oben sich verjüngender Form auf dem gescheitelten Haar sitzt, und dessen buntseidene Bänderfülle in Schleifen und losen Bändern im Nacken herabflattert. Um den Hals trägt sie ein Perlenhalsband, unter diesem ein buntseidenes Halstuch, das am Ausschnitt der Jacke von einem bunten Blumenkranz umgeben ist. Über der zugehakten Jacke ist ein bunter Hochzeitslatz, mit vielen Blumen geschmückt, angebracht. Die schwarze Wollschürze endet entweder am Rücken mit vier Finger breitem bunten Band einer Schläfe, oder wird einer blanken Schnalle linken Seite befestigt gesticktes Taschentuch, schwarzer Wollrock; blaue Strümpfe; schwarze Schuhe vervollständigen die Hochzeitstracht.

Die Hochzeitsbitterin erscheint in gewöhnlicher Sonntagstracht, führt aber außerdem einen Stab, worauf ein Blumenstrauß, mit vielen seidenen Bändern geschmückt, sich befindet; diese Bänder sind von jungen Mädchen des Dorfes dazu geschenkt. Der Brautkranz sowie der Blumenschmuck des Halses sind nie eigen, immer geliehen.

Quelle: Volkstrachten. Original-Zeichnungen mit erklärendem Text von Albert Kretschmer. Maler und Professor am Königl. Hoftheatr Berlin. Leipzig J. G. Bach’s Verlag (Fr. Eugen Köhler) 1887. Deutsche Volkstrachten von 1864-1870.

Mönchgut ist eine Halbinsel im Südosten der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland. Sie liegt genau zwischen dem Greifswalder Bodden und dem Rest der Ostsee. Zu Mönchgut gehören die Ortsteile Göhren und Thiessow; die Halbinsel ist Teil des Verwaltungsgebietes Mönchgut-Granitz. Außerdem ist sie Teil des Biosphärenreservats Südost-Rügen.

Der Name bedeutet übersetzt so viel wie die Güter der Mönche. Im Jahre 1252 verkaufte Jaromar II., Fürst von Rügen, das Gebiet an die Zisterziensermönche des Klosters Eldena, das von einem seiner Vorgänger, Jaromar I., Fürst von Rügen, 1199 gegründet worden war und zu diesem Zeitpunkt ebenfalls zum dänischen Fürstentum Rügen gehörte. Um die Besitztümer der Mönche vom Rest der Insel zu trennen, wurde zwischen Baabe und Sellin ein Graben ausgehoben, der als Mönchsgraben bekannt ist. Heute markiert ein großes Holztor, das auf der Brücke über den Mönchsgraben errichtet wurde, den Eingang zur Halbinsel Mönchgut.

Die Halbinsel besteht aus mehreren Landzungen wie dem Reddevitzer Höft, dem Kleinen Zicker und dem Großen Zicker. Die Bucht zwischen den Landzungen wird Having genannt. Östlich der Halbinsel liegt vorgelagert die Insel Greifswalder Oie.

Während sich die Bewohner der Gegend früher durch Fischfang und Meeresaktivitäten ernährten, ist die Gegend heute vor allem auf den Tourismus ausgerichtet. Eine Hauptattraktion ist das Heimatmuseum in Göhren, ein Freilichtmuseum, das sich auf historischen Siedlungen befindet. Hier gibt es auch eine Ausstellung der aufwendigen Trachten, für die Mönchgut bekannt ist.

Im Jahr 1806 begann Gustav IV. Adolf von Schweden mit dem Bau der Stadt Gustavia auf der Halbinsel, musste das Projekt aber aufgeben, als Frankreich Mönchgut während der Napoleonischen Kriege besetzte.

Auf Mönchgut befindet sich auch die Endstation der Schmalspurbahn „Rasender Roland“.

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