Ältere deutsche Festtrachten aus der Oberlausitz.

Bei den Deutschen der Oberlausitz ist eine bestimmte Volkstracht nicht mehr vorhanden oder nachzuweisen, doch muss noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine solche stark verbreitet gewesen sein. Mit dem Zunehmen der Industrie und der Ausdehnung der Stadtkultur ist die Volkstracht allmählich verschwunden, doch haben sich in dem Besitz der wohlhabenden Familien noch eine sehr große Anzahl ältere Trachten erhalten. Diese wurden zu dem Fest wieder herausgesucht, manchmal allerdings nicht gerade historisch getreu zusammen gestellt.

Darum waren aber die Träger der einzelnen Gewänder auf deren Echtheit nicht minder stolz; es waren aber auch darunter einige Prachtstücke, die in kostbarer und kunstvoller Stickerei ihres Gleichen suchten. Am gleichmäßigsten zeigte sich die Tracht der Frauen, trotz mancher Abweichung im Einzelnen. Die schmucken jugendfrohen Mädchengestalten nehmen sich in den von radförmigen Kragen umränderten Hauben, in den wattierten, seidenen Spenzern, in den vielen faltigen Röcken und den feingestickten Schürzen gar anmutig aus.

Bei Aufführung der einheimischen Tänze, sowie in Sprache und Gesang offenbarte sich der offene, lebensfrohe Charakter der Deutschen aus der Oberlausitz in schönster Weise. Einzelne noch am Leben erhaltene Gebräuche, wie der Umzug der in Reisig gekleideten Knechte, das Schandreiten auf dem Esel, das Hahnschlagen, wurden im Zuge vorgeführt. Und an die Poesie des Reisens im Postwagen zur Zeit der Messen gemahnten die volkstümlichen Weisen, die vom alten Wagen herab der Postillon erklingen ließ.

Quelle: Sächsische Volkstrachten und Bauernhäuser. Herausgegeber: Ausschuß für das Sächsische Volkstrachtenfest zu Dresden 1896: Karl Schmidt, Oskar Seyffert, Jean Louis Sponsel. Verlag: Wilhelm Hoffmann, Dresden 1897.

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