Oliver Cromwell, englischer politischer und militärischer Führer.

Oliver Cromwell, Lord-Protektor, England, Porträt, Barock
Oliver Cromwell, Lord-Protektor der Vereinigten Republik England, Schottland und Irland.

Oliver Cromwell, Lord-Protektor der Vereinigten Republik England, Schottland und Irland.

Geb. 25· Apr. 1599, gest. 3. Sept. 1658.

Oliver Cromwell, aus einer adeligen Familie am 25. April 1599 in Huntingdon geboren, übernahm nach kurzem Studium in Cambridge die Verwaltung seines väterlichen Stammgutes. Ein strenger Puritaner, wurde er 1628 von seiner Vaterstadt und, nachdem er daraufhin, mit dem Amt eines Friedensrichters betraut wurde, in St. Ives in Ely wieder als Landwirt gelebt hatte, 1640 von Cambridge ins sogen. Lange Parlament entsandt. Hier schloß er sich aufs engste an die Führer der Opposition an und betrieb seit 1642 mit genialem Scharfblick die Neuorganisation des Parlamentsheeres.

Im September 1642 zum Kapitän einer von ihm aufgebrachten Schwadron, der Cambridge-Dragoner, ernannt, bildete er die durch strenge Disziplin und religiösen Enthusiasmus zusammengehaltene Armee der Independenten, bekannt auch als New Model Army aus, mit denen er 1644 im Norden den Sieg von Marston Moor unweit York erfocht. Ein zweiter entscheidender Sieg über die Truppen des Königs bei Naseby (1645) veranlaßte diesen, bei den Schotten Zuflucht zu suchen, die ihn jedoch wieder an das englische Parlament auslieferten. Bald bemächtigte sich das Independentenheer des Königs, und als derselbe die auf eine Beschränkung seiner Macht zu Gunsten des Parlaments abzielenden Forderungen Cromwells zurückwies, beschloß letzterer seinen Sturz. Er stieß die der Absetzung Karls I. sich widersetzenden presbyterianischen Mitglieder des Unterhauses aus dem Langen Parlament und ließ durch dieses sogen. Rumpfparlament einen Gerichtshof der Independenten ernennen, welcher den König „wegen Hochverrats durch Umsturz des Landesrechtes und wegen Anstiftung zum Bürgerkrieg“, zum Tode verurteilte.

Nach der öffentlichen Hinrichtung von Karl I. (30. Januar 1649) wurde von dem Unterhause England für eine Republik erklärt, das Oberhaus aufgehoben und die Regierung einem Staatsrat von 41 jährlich gewählten Mitgliedern übertragen; Cromwell gehörte diesem an und er war es, der mit der Armee in Wirklichkeit alles beherrschte. In England war es nicht schwer, die Ordnung aufrecht zu halten, dagegen mußte das aufständische Irland und Schottland wieder unterworfen werden. Zunächst ging Cromwell als Lord-Statthalter nach Irland, wo er, zugleich um das auf jener Insel unter den Protestanten 1641 angerichtete Blutbad zu rächen, einen grausamen Vertilgungskrieg gegen die katholische Bevölkerung führte, anderseits aber auch durch eine tüchtige Rechtspflege und Verwaltung die Wohlfahrt des Landes zu fördern bemüht war.

Darauf wendete er sich im Sommer 1650 gegen die Schotten, die Karl II. zum König ausgerufen hatten, und besiegte dieselben am 3. September bei Dunbar. Während er in die schottischen Hochlande vordrang, um den Widerstand Karls II. zu brechen, suchte dieser England zu überraschen, wurde aber von Cromwell, der ihm rasch folgte, bei Worcester am 3. September 1651 so entscheidend geschlagen, daß er nur mit Mühe nach Frankreich entkam. Nachdem Cromwell das unfähige Rumpfparlament, dessen Meinung nicht mehr als Ausdruck des Volkswillens gelten konnte, im Einverständnis mit dem Heer am 20. April 1653 aufgelöst hatte, bildete er aus dem Kern seiner Partei ein neues, das sogen. Bareboneparlament, das aber ebenfalls bald wieder auseinander gehen mußte.

Dagegen entwarfen eine Anzahl ergebener Anhänger Crornwells, meist Offiziere, eine neue Verfassung: Cromwell wurde zum Lord-Protektor der Republik ernannt und am 16. Dezember 1653 in der Westminsterabtei feierlich eingesetzt. Mit einem aus Militärpersonen bestehenden Rat sollte er die ausübende, ein alle drei Jahre zusammentretendes Parlament aber die gesetzgebende Gewalt haben. Unterdessen hatte sich Cromwell mit großem Eifer auch der auswärtigen Politik zugewendet und errang hier die schönsten Erfolge. Die Ablehnung einer der protestantischen Republik der Niederlande angebotenen Union rächte England durch die den holländischen Zwischenhandel vernichtende Schiffahrtsakte, welche die Holländer nach einem verlustreichen Seekrieg (1652- 1654) anerkennen mußten und die Britannien zur Königin der Meere erhob. Darauf veranlaßte Cromwell durch die Forderung freien Handels nach den spanischen Kolonien auch einen Krieg mit Spanien (1655-1658), welcher der Republik Jamaica und Dunkirchen einbrachte. Mit Schweden schloß er einen Freundschaftsvertrag, überhaupt ließ er den Protestanten gern seinen Schutz angedeihen und faßte sogar die Idee eines großen evangelischen Bundes, dessen Haupt England sein sollte.

Dazwischen dauerten die Verfassungskämpfe im Innern fort. Das auf den September 1654 einberufene Parlament wurde, da es die Verfassung in Frage zu stellen wagte, nach kaum fünf Monaten wieder gesprengt und das Land in zwölf Militärbezirke eingeteilt. Ein neues Parlament votierte im März 1657 für Cromwell den Königstitel, doch verzichtete dieser wegen des Widerspruchs der Generale auf denselben; dagegen ließ er sich das Recht bewilligen, seinen Nachfolger selber zu ernennen, und setzte wieder ein Oberhaus ein. Allein bei der Opposition, die sich im Schoße des nächsten, im Januar 1658 zusammentretenden Parlaments gegen die Lords geltend machte, hob der Protektor schon nach vierzehn Tagen die Versammlung wieder auf. Zu der Aufregung über diese Widerhaarigkeit kam noch die stets drohende Gefahr des Meuchelmords und vielfaches Familienunglück, wodurch das Ende seiner ungewöhnlichen Laufbahn beschleunigt wurde. Er starb am 3. September 1658, am Tag seiner Siege von Dunbar und Worcester, in dem Königssitz zu Whitehall und wurde in der Kapelle der Westminsterabtei, der Gruft der Könige, beigesetzt, von wo die Restauration seine und seiner Familie Überreste 1661 zum Galgen schleifte.

Cromwell wurde überhaupt von der nächsten Nachwelt als moralisches Ungeheuer verurteilt, und erst die Gegenwart wird dem genialen, aber eigenmächtigen und willkürlichen Mann gerecht. Seine Religiosität war keineswegs erheuchelt, auch liebte er Kunst und Wissenschaft. Der Dichter Milton war sein naher Freund, und die Universitäten hatten sich seiner regen Fürsorge zu erfreuen; er stiftete sogar eine neue zu Durham und bekleidete eine Zeit lang das Amt eines Rektors von Cambridge.

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

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