Historische Oltnertracht. Kanton Solothurn, Schweiz 19. Jh.

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Kanton Solothurn. Oltnertracht.

Kt. Solothurn (Oltnertracht).

Nr. 13.

Beim Betrachten des vorliegenden Bildes sieht man sofort, daß dasselbe nicht eine eigentliche Bäuerin darstellt. Es ist eine Oltenerin. Auch die Frauen in der Stadt trugen die Tracht, und zwar zeigt sich uns hier eine reiche Frau aus der Zeit, da die Landestracht in voller Blüte stand.

Die Sitte verlangte damals für Verheiratete rote Jüppen, während später nur noch schwarze „Riggijüppen“ getragen wurden. Der Unterrock, „Pfaff“ genannt, war länger als der obere, ebenfalls von roter Farbe; doch bildete er einen seltsamen Kontrast zum andern. An der „Brust“ (Taille) hingen zu beiden Seiten dicke Polster, die die Hüften stark hervortreten ließen. Besondern Wert legten die Frauen auf Stickereien und so sehen wir auf unserm Bild Mieder und Brustlatz reich verziert.

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Das Göller zeigt die gleiche schöne Stickerei. Besonders zu erwähnen bleibt noch das ebenfalls sehr reich und kostbar gestickte große Umschlagtuch, das lässig über den Arm hängt. Die Schürzen, zu dieser Zeit vielfach aus feiner, weißer Leinwand gemacht, waren bis 6 Ellen weit und oben bis ¼ der Höhe fein angezogen, oft noch mit farbigen Kreuzstichen verziert, was uns aber geradezu in Erstaunen versetzt, das ist der prachtvolle Schmuck, den unsere Oltenerin trägt, ein Familienerbstück von seltener Schönheit.

Gürtel, Anhänger, Fingerring und Rosenkranz, alles ist von Silber, teilweise vergoldet und mit farbigen Steinen besetzt. Solche Prunkstücke sind heute selten geworden. Als Kopfbedeckung dienten weiße Hauben. Unschön umgibt der gleichmäßig breite, steif geröhrlete Kranz das Gesicht. Eine interessante Kopfbedeckung finden wir auf nebenstehender Vignette. Sie ist älter als die Hauben. Dieselbe ist aus steifem Karton hergestellt; mit schwarzem Samt überzogen und hat hinten ein Loch, durch das die Zöpfe herunter hängen. Auch einen charakteristischen „Tschopen“ zeigt uns dieses Bildchen. Er weicht von andern darin ab, daß der Rücken für jene Zeit sehr lang und wie ein Männer-Kamisol unten weit ist.

Quelle: Die Schweizer Trachten vom XVII – XIX Jahrhundert nach Originalen. Dargestellt unter der Leistung von Frau Jul. Heierli und auf Fotomechanischem Wege in Farben ausgeführt. Originalaufnahmen vom Schweizer Trachtenfest. Verlag: Zürich, Brunner & Hauser, (1897-98).

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