Isfahan. Kombinierter Blumen- und Baumteppich des 16. Jahrhunderts.

Persien, Isfahan, Handgeknüpft, Khalitsche, Orient-Teppich, Teppich, Antik, Persien,
Isfahan 16. Jahrhundert.

Name: Ispahan (Isfahan). Größe: 202 x 276 cm.
Alter: 350 Jahre. Sammlerstück: selten.
Kette: Baumwolle vierfach gezwirnt, 80 Fäden auf 10 Zentimeter.
Eintrag: Baumwolle zweifach, d. h. nach jeder Knotenreihe 2 Grundschüsse.
Knüpfung: Schafwolle zweifach.
Knoten: 24 Knoten per Quadratzentimeter, geknüpft auf 2 Fäden = 2400 Knoten per Quadratdezimeter.
Einteilung nach dem Webstoff: Schafwollteppich.
Nach der Konfektion: niederflurig. Nach dem Format: Khalitsche *).
Nach dem Gewebe: plüschartig. Teppich seßhafter Bevölkerung.
Herkunftsgebiet: Persien.

Isfahan Teppich. Khalitsche (Khali).

Persien 16. Jahrhundert.

Dieses Stück zeigt gewisse Ähnlichkeit mit dem von Dr. W. Bode beschriebenen Wollteppich mit Baummuster im Besitz von St. Bardini in Florenz (s. W. Bode. Vorderasiatische Knüpfteppiche aus älterer Zeit. Leipzig. Herrn. Seemann, S. 93).

Von der Schmalseite auf goldgelbem Grunde aufsteigende Blütenbäume und Zweige, auf denen Vögel sitzen, ferner eine reiche Fülle von Ranken, Blättern und Blüten. Die Zeichnung des Teppichs zeigt sarazenischen Charakter. Die auffällig breite fraisfarbene Mittelborte durchzieht eine aus stark stilisierten Blättern und Blüten bestehende Ranke in vorherrschend gelber und blauer Farbe auf rotem Grunde. Die ganze Anordnung und Ausführung der Pflanzenmotive weist darauf hin, daß wir es hier mit einem sogenannten Blumen- und Baumteppich zu tun haben.

Dieser Teppich gehört noch zur allerbesten Tradition der persischen Teppich-Knüpferei. Klarheit und Übersichtlichkeit in den Formen, richtige und angemessene Füllung zeichnen stylistisch die Produkte der Glanzepoche, zu welcher dieser Teppich gehört, aus. Man bemerke, wie einfach und doch klar die Verhältnisse in der Borte sind: Ein großes durchlaufendes Ornament zwischen zwei schmalen Rosettenbändern. Man bemerke weiter, mit welchem Geschick und Geschmack die Ecklösung erzielt wird: Jeweils eine Blume, die diagonal in der Ecke sich befindet, und die den dekorativ richtigen Übergang von der Längsseite zur Kreuzseite liefert. Und die Blätter und Blumen des Mittelfeldes, ebenso wie die der Borte, wie sie ihre natürlichen Formen noch deutlich zeigen! Das Geometrisieren ist hier gerade stark genug, um die Form dekorativ zu gestalten, aber doch noch nicht so stark, daß es die Formen verdecken könnte. Darin ist gerade die große Kunst zu erkennen! Jede Blume hat noch eine eigene Individualität; man erkennt im Fond Rosen, Nelken und Margueriten. — Als später die persische Teppich-Kunst zu verfallen anfing, da wurde alles geometrisiert, und keine Blume konnte mehr von der andern unterschieden werden; der Formenreichtum wurde mehr und mehr nur ein Reichtum der Fülle.

Die Blumenteppiche des 16. Jahrhunderts stellen eine Gruppe von Teppichen dar, bei denen die Muster vor allem aus mehr oder weniger stilisierten Blumen bestehen, die der persischen Flora entnommen sind. Oft wird durch Ranken und große Blütenpalmetten eine Feldeinteilung geschaffen, in die ganze Bäume mit Vögeln gesetzt werden; dann sprechen wir von Baumteppichen.

Bei Teppichen aus dem 16. Jahrhundert finden wir, wie bei dem hier vorliegenden Isfahan, die beiden Gruppen der Blumen- und Baumteppiche gelegentlich kombiniert, wodurch die Zeichnung besonders mannigfaltig und reizvoll wird. Der Umstand, daß dieser Teppich in seiner Zeichnung große Verwandtschaft mit den auf assyrischen Reliefs dargestellten Teppichen aufweist, spricht außer den übrigen erwähnten Merkmalen ganz besonders dafür, daß wir es hier mit einem Produkt aus sehr alter Zeit zu tun haben.

*) Khali (Khalitsche), persische Bezeichnung für einen Teppich, der 2 m lang und 8 m breit ist. Dazu gehören besonders die Bokhara und turkmenischen Teppiche, sowie alle über die genannten Grössen hinausreichenden T.. Eine Grenze ist dabei durch die einfache Art der Technik gezogen, so dass die meisten persischen Teppiche zwar nach Belieben lang, aber nur mit grosser Schwierigkeit sehr breit gemacht werden können.

Quelle: Der Orient-Teppich in Geschichte, Kunstgewerbe und Handel von Karl Meyer-Pünter. Meyer-Müller & Co; 1917.

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