Das Pantheon als eines der vollkommensten Beispiele antiker Architektur.

Pantheon, Rotonda, Rom, Antike, BauwerkArchitektur,
Das Pantheon (Innenraum)

DAS PANTHEON.

ROME.

"Einfach, aufrecht, streng, streng, erhaben -'
Heiligtum aller Heiligen, und Tempel aller Götter,
Von Jove bis Jesus - von der Zeit verschont und gesegnet;
Ruhig schauend - während fällt oder nickt
Gewölbe, Imperien, alles um dich herum, und der Mensch schreitet
durch Dornen und Asche. Glorreiche Kuppel
Bleibst du nicht bestehen? Die Sense der Zeit und die Ruten der Tyrannen
Zitternd auf dir. Heiligtum und Heimat
der Kunst und Frömmigkeit - Pantheon! -… Stolz Roms."
Lord Byron.

Das römische Pantheon ist das vollkommenste Beispiel antiker Kunst, das es gibt, der prächtigste Beweis für die Verfeinerung einer Nation, den die Zeit der Nachwelt hinterlassen hat. Die Idee eines Tempels für alle Götter war an sich schon ehrgeizig, und die Pracht, mit der dieser umfassende Gedanke umgesetzt wurde, wurde zum Vorbild für spätere Zeitalter in der Ausführung monumentaler Architektur.

Athen hatte sein Pantheon, aber der römische Kaiser Adrian war sein Stifter, und Paris hat den Schatten der Halbgötter des Volkes ein großes Mausoleum errichtet, das Panthéon das zu den herausragenden Denkmälern der Neuzeit gehört.

Vor der Kirche des Pantheon in Rom befindet sich eine Piazza, die mit einem Brunnen geschmückt ist, über dem sich ein skulpturaler Obelisk aus ägyptischem Granit erhebt, und um diese schöne Zierde wird täglich ein gemeinsamer Markt abgehalten. Der edle Portikus von Agrippa besteht aus einer doppelten Reihe von korinthischen Säulen aus orientalischem Granit, sechzehn an der Zahl und fünfzehn Fuß im Umfang. Dieses chef-d’œuvre der antiken Kunst zeigt eine erstaunliche Kenntnis der Statik, und präsentiert eine endlose Vielfalt von Girlanden, Paterae, Kandelaber und andere erhöhte bas-reliefs, alle von exquisiter Ausführung.

Die großartige Schlichtheit der Fassade wurde durch den vulgären Geschmack von Papst Urban VII. verletzt, der Bernini dazu zwang, die beiden kleinen Türme zu errichten, die sich an beiden Enden über dem Giebel erheben und die von den italienischen Architekten zu Recht mit „Eselsohren“ verglichen wurden.

Der Raum zwischen den beiden zentralen Säulen, der breiter ist als die anderen Interkolumnien, öffnet eine Allee zu dem berühmten bronzenen Portal, dessen schöne Flügel, wenn sie sich öffnen, den Blick auf die edle Rotunde freigeben, die von der Antike so geweiht wurde, und durch die Meisterhaftigkeit der Kunst, die sie ausstellt.

In Nischen auf beiden Seiten des Portals standen kolossale Statuen von Agrippa und Augustus, da der Kaiser nicht zu den Göttern gezählt werden wollte.

Das majestätische Innere bewahrt viel von seiner antiken Verkleidung aus kostbarem Marmor und täuscht, da es geschickter angeordnet ist als der Petersdom, dessen Prototyp es war, größere Ausmaße, als es tatsächlich aufweist.

Das Pflaster ist ebenfalls antik und perfekt; es besteht aus Porphyr und ägyptischem Granit, und wäre es das einzige Relikt antiker Kunst, das das untergehende Rom der Nachwelt hinterließ, würde es ausreichen, um seinen Anspruch auf eine gerechte Wertschätzung der Schönheit und Großartigkeit des Stils zu begründen. Acht Nischen nahmen die Bildnisse so vieler Dii Majores *) auf, zwischen denen ebenso viele Sockel für die Aufnahme geringerer Gottheiten standen.

*) Die zwölf großen Götter der römischen Mythologie, nämlich Juno, Vesta, Minerva, Ceres, Diana, Venus, Mars, Merkur, Jupiter, Neptun, Vulkan und Apollo.

Konstantin überführte die heiligen Statuen in seine neue Hauptstadt (Konstantinopel), Adrian errichtete an den freien Stellen edle Pilaster, und Papst Bonifatius IV. stellte, als er das Pantheon allen Märtyrern weihte, acht Altäre an die Stelle der Sockel, die zwischen zwei Marmorsäulen von verminderter Größe eingefasst waren.

Ein Gesims aus weißem Marmor läuft um die gesamte Rotunde, gestützt von sechzehn Säulen und ebenso vielen Pilastern aus Giallo antico *), und dieser prächtige Kreis ist der Rahmen, aus dem sich die herrliche Kuppel aus massivem Stein bis zu einer Höhe von 137 Fuß erhebt. Das Licht fällt durch eine Öffnung in der Kuppel von siebenundzwanzig Fuß Durchmesser auf den Boden in einer hellen Flut. Die Wirkung dieser Anordnung, wenn die bronzenen Türen zum ersten Mal geöffnet werden, ist wirklich atemberaubend.

*) Gelber Marmor aus Simitthu im nordwestlichen Tunesien.

In der Nacht ist der Effekt der Mondstrahlen durch die „Laterne der Kuppel“ und der flauschigen Wolken, die am Himmel schweben und über die silberne Scheibe unseres Trabanten ziehen, kurios und faszinierend. Es ist wie die vorübergehenden Visionen eines Traumes.

Domitian und Severus trugen zu seiner Dekoration bei; Gaiseric (c. 389 – 477), der Vandale, plünderte einige der bronzenen Ornamente, aber Konstantin III., der älteste Sohn des Kaiser Herakleios und seiner ersten Frau Eudokia, im siebten Jahrhundert, beraubte es so vollständig seiner antiken Verzierungen, dass er von der empörten Geschichte als „die Geißel Roms“ bezeichnet wurde.

Pantheon, Bauwerk, Antike, Rom, Architektur, Kirche, Rotonda,
Das Pantheon (Aussenansicht)

Das Pantheon selbst ist ein Objekt von so viel Schönheit, Exzellenz und Bewunderung, dass Kunstwerke, wenn sie in ihm platziert werden, einen bedeutenden Teil ihrer Bedeutung und Größe verlieren. Ein Umstand ist ebenso erwähnenswert – einer der größten Künstler der Neuzeit, Raffaelle, forderte, dass kein anderes Grabmal ähnlich der Kuppel des Pantheons über seine sterblichen Überreste errichtet werden solle

Lorenzetto, unter dem überwältigenden Impuls schwärmerischer Freundschaft, wagte es, seine schöne Statue der Madonna del Sasso als Schutzengel des großen Malers aufzustellen, und auch die Gebeine von Annibal Caracci wurden in den Bereich derselben eitlen Bevormundung gelegt.

Auch Thorswalden hatte den feinen Sinn, in dem schlichten Kenotaph, einer schönen und lebensechten Büste, die er hier zum Andenken an Consalvi aufstellte, jeden Zierrat, jede Attraktion zu vermeiden.

Die Form, Wirkung und das gesamte Konzept dieses bewundernswerten Monuments werden am deutlichsten durch einen Blick auf die Öffnung der Kuppel verstanden. Als Karl V. 1536 Rom besuchte, wünschte er, auf die Außenseite der Kuppel geführt zu werden, um die symmetrischen Proportionen des Pantheons zu betrachten; Crescenzi, ein junger römischer Edelmann, wurde zu seinem Führer ernannt und erfüllte das ehrenvolle Vertrauen mit passender Anmut. Nach seiner Rückkehr gestand er seinem Vater jedoch, dass er sich geneigt fühlte, den Kaiser auf das Pflaster zu werfen, um sich für die Plünderung seiner Heimatstadt nur neun Jahre zuvor zu rächen: „Mein Sohn“, antwortete der moderne Römer, „solche Dinge sollte man tun, nicht darüber reden.“

Pantheon, Rom, Innnansicht, Säulen, Architektur, Antike, Bauwerk,
Das Pantheon (Innnansicht).

Das Pantheon

von Hermann Rheinhard

Dieser prächtige Tempel, den man als das einzige wenigstens im Äusseren uns ganz erhaltene Gebäude Roms mit Recht als das vollkommenste und schönste Baudenkmal des alten Rom bewundert, wurde von Marcus Vipsanius Agrippa (63 v. Chr. – 12 v. Chr., Vorfahr der Kaiser Caligula und Nero), dem berühmten Feldherrn Freund und Schwiegersohn des Kaisers Augustus (nach der auf dem Fries der Vorhalle stehenden Inschrift: „M AGRIPPA L F COS TERTIVM FECIT„) in dessen drittem Konsulat (727 d. Stadt, 27 v. Chr.) auf dem Marsfeld errichtet.

Ursprünglich bildete er einen Teil der von Agrippa gebauten Thermen. Die Umwandlung in einen Tempel, welche auch die Erbauung der Vorhalle im Gefolge hatte, scheint Agrippa selbst noch veranlasst zu haben. In den beiden noch vorhandenen grossen Nischen der Vorhalle standen die Bildsäulen des Augustus und des Agrippa. Der Tempel hatte viel durch Feuersbrünste zu leiden. Schon im dritten Jahre nach seiner Erbauung schlug der Blitz in denselben und zerstörte die Bildsäule des Augustus. Später wurde er von der grossen Feuersbrunst unter Titus ergriffen, aber von Domitian wiederhergestellt.

Unter Trajans Regierung abermals vom Blitz getroffen, liess ihn Hadrian wieder ausbessern, worauf später nochmals eine Ausbesserung unter den Kaisern Septimius Severus und Caracalla im Jahr 202 n. Chr. stattfand, woher nachstehende auf dem Architrav der Vorhalle befindliche Inschrift rührt: IMP. CAES. L. SEPTIMIUS. SEVERUS. PIUS. PERTINAX ARABICUS. ADIABENICUS. PARTHICUS. MAXIMUS. PONTIF. MAX TRIB. POTEST. X. IMP. IX. COS. III. P. P. PROCOS. ET. IMP. CAES. M. AURELIUS. ANTONINUS. PIUS. FELIC. AUG. TRIB. POTEST. V. COS. PROCOS. PANTHEUM. VETUSTATE. CORRUPTUM. CUM. OMNI. CULTU. RESTITUERUNT.

Im Jahr 339 wurde der Tempel wie alle anderen heidnischen Tempel geschlossen, und erst zwischen den Jahren 598 und 610 durch Papst Bonifacius IV. mit Bewilligung des Byzantinischen Kaisers Phocas in eine christliche Kirche umgewandelt, die nun den Namen S. Maria ad Martyres erhielt, weil sie neben der Jungfrau Maria dem Andenken der christlichen Märtyrer geweiht wurde, deren Gebeine Papst Bonifaz IV. (609) unter dem Hauptaltar begraben liess, nachdem sie in 28 Wagen aus den Katakomben herangeschafft worden waren. (Vom Fest der Einweihung datiert die Stiftung des in der ganzen katholischen Christenheit eingeführten Allerheiligen-Festes, das anfangs am 13. Mai, später am 1. November gefeiert wurde.)

Die vergoldeten Bronze-Ziegel, mit denen die Kuppel gedeckt war, wurden auf Befehl des Kaisers Constantius II. im Jahr 655 weggenommen, um nach Konstantinopel gebracht zu werden; sie wurden aber unterwegs von sarazenischen Seeräubern geraubt, und nach Alexandria geschleppt. Unter Papst Gregor III. erhielt das Pantheon ein jetzt noch darauf befindliches Bleidach. Die Vorhalle, zu der ursprünglich fünf Stufen empor führten, ist 33,5 Meter breit und 12,5 Meter hoch. Sie hat in der Front acht, auf den Seiten je drei korinthische Säulen, deren Schäfte teils aus rotem, teils aus grauem Granit mit Basen und Kapitalen von weissem Marmor gefertigt sind, und ist in drei Schiffe geteilt. Diese drei Schiffe hatten ehemals Tonnengewölbe, über denen sich eine vergoldete Bronze-Bedachung befand.

Papst Urban VIII. (1623—44), aus dem Hause Barberini, der auch die beiden das Gebäude verunstaltenden Glockentürmchen durch den Architekten Bernini (Eselsohren des Bernini) ausführen liess, raubte der Vorhalle ihre Bronze-Bedachung und liess dieselbe teils zu Säulen am Hauptaltar der Peterskirche, teils zu Kanonen in der Engelsburg umschmelzen, weshalb Pasquino bald darauf die Worte brachte: Quod non fecerunt Barbari fecerunt Barberini („Was die Barbaren nicht schafften, schafften die Barberini„). Das weggenommene Metall soll 450,230 Pfd. gewogen haben.

Der aus Ziegeln von trefflicher Konstruktion ausgeführte Rundbau des Pantheon (das jetzt auch kurz la Rotonda heisst) erhebt sich auf einer Basis von Travertin. Er hat eine Höhe von 43,5 Meter und einen gleich grossen Durchmesser. Die Mauern sind 6 Meter dick. Die Flügeltüren sind mit dickem Bronze-Blech überzogen und mit sorgfältig gearbeiteten Nägeln in Form von Rosetten beschlagen.

In der Innenmauer finden sich in regelmässiger Ordnung halbkreisförmige oder viereckige Nischen, in denen die Götterbilder standen. Die 14 kannelierten Säulen, die das Gewölbe tragen, sind aus gelbem oder gestreiftem, die Basen und Kapitale von weissem Marmor. Der Fussboden neigt sich etwas gegen die Mitte und ist mit quadratischen und kreisförmigem Platten aus Porphyr, Granit und Marmor belegt.

Das Licht, das durch die kreisrunde 9 Meter im Durchmesser haltende Öffnung in der Kuppel des Daches einfällt, ist von überwältigender Wirkung. Auf die Kuppel führt eine Treppe von 190 Stufen.

Ausser anderen berühmten römischen Künstlern liegt dort unter einem der Altäre der berühmte Maler Raphael Sanzio da Urbino († 1520) begraben, auch der am 9. Januar 1878 gestorbene König Victor Emanuel hat seine Gruft neben dem Hochaltar erhalten.

Quelle:

  • Der Rhein, Italien und Griechenland in einer Folge von Zeichnungen nach der Natur von George Newenham (1790?-1877). London: Fischer 1841.
  • Album des klassischen Altertums: zur Anschauung für Jung und Alt besonders zum Gebrauch in Gelehrtenschulen von Hermann Rheinhard, Professor am K. Realgymnasium in Stuttgart. Verlegt von C.B. Griesbach Verlag, Gera 1891.

Ähnlich

Kommentar verfassen