Ein Pestarzt in seiner Schutzkleidung.

Der Doctor Schnabel von Rom, ca. 1656. Ein Pestarzt in seiner Schutzkleidung.
Ein Pestarzt in seiner Schutzkleidung.

Nach einem Stich von Paul Fürst 1656. München Kupferstichkabinet.

Der Doctor Schnabel von Rom, ca. 1656. Ein Pestarzt in seiner Schutzkleidung.

Ein Pestarzt war ein Mediziner, der Opfer der Beulenpest behandelte. In Zeiten von Epidemien wurden solche Ärzte gezielt von Städten angeheuert, in denen die Pest ausgebrochen war. Da die Stadt ihr Gehalt zahlte, behandelten sie alle: sowohl die Reichen als auch die Armen.

Sie dienten als Beamte in Zeiten von Epidemien, die mit dem Schwarzen Tod Europas im vierzehnten Jahrhundert begannen. Ihre Hauptaufgabe war es, neben der Betreuung von Menschen mit der Pest auch die Todesfälle durch die Pest in öffentlichen Aufzeichnungen festzuhalten. Diese Ärzte heilten ihre Patienten selten, sondern dienten mehr dazu, die Anzahl der für demographische Zwecke kontaminierten Menschen zu erfassen. Sie wurden als kommunale oder „Gemeinde-Seuchenärzte“ bezeichnet, während „Allgemeinmediziner“ als unabhängige Ärzte praktizierten, wobei sich beide zur gleichen Zeit in derselben Stadt oder Gemeinde befinden konnten.

Pestärzte wurden in Zeiten von Pestepidemien zu Zeugen zahlreicher Testamente, sie berieten ihre Patienten auch über ihr Verhalten vor dem Tod. Diese Empfehlung variierte je nach Patient, und nach dem Mittelalter wurde die Art der Beziehung zwischen Arzt und Patient durch einen immer komplexeren Ethikkodex geregelt.

Ein berühmter Pestarzt, der medizinische Ratschläge über Präventivmaßnahmen gab, die gegen die Pest eingesetzt werden konnten, war Nostradamus. Nostradamus‘ Ratschlag war die Entfernung infizierter Leichen, frische Luft, sauberes Wasser und eine Saftzubereitung aus Hagebutten. Die italienische Stadt Pavia beauftragte 1479 Giovanni de Ventura als Gemeindepestarzt. Der irische Arzt Niall Ó Glacáin erwarb sich in Spanien, Frankreich und Italien großen Respekt für seinen Mut, zahlreiche Menschen mit der Pest zu behandeln.

Einige Pestärzte trugen ein spezielles Kostüm. Die Kleidungsstücke wurden 1620 von Charles de L’Orme erfunden und zuerst in Neapel verwendet, später aber in ganz Europa verbreitet. Der Schutzanzug bestand aus einem leichten, gewachsten Stoffmantel, einer Maske mit Glasaugenöffnungen und einer schnabelförmigen Nase, die typischerweise mit Kräutern, Stroh und Gewürzen gefüllt war. Pestärzte trugen auch häufig einen Rohrstock, um Patienten zu untersuchen und zu leiten, ohne direkten Kontakt mit dem Patienten herstellen zu müssen.

Zu den Duftmaterialien gehörten Wacholderbeere, Ambra, Rosen (Rosa), Minze (Mentha spicata L.), Kampfer, Nelken, Laudanum, Myrrhe, Rosenblätter und Storax. Aufgrund des damaligen primitiven Krankheitsverständnisses wurde angenommen, dass dieser Anzug den Arzt ausreichend vor Miasmen schützen und sich gleichzeitig um die Patienten kümmern würde.

Bildquelle: Die Brille und ihre Geschichte von Emil Bock. Verlag Josef Šafář, Wien 1903.

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