Polychrome Ornamentik in der griechischen Architektur, Skulptur, Keramik.

Polychrome, Ornamente, Antike, Griechenland, Architektur, Skulptur, Ornamentik, Hellenismus
Architektur, Skulptur, Ornamentik.

Ornamentik der griechischen Antike. Stilgeschichte des Hellenismus.

GRIECHISCH. ARCHITEKTUR. SKULPTUR. ORNAMENTIK.

Taf. 4.

Die griechische Ornamentik behält für immer einen mustergültigen Kunstwert und zwar hauptsächlich deswegen, weil die griechischen Künstler es verstanden, die Dekoration ihren Kunstproduktionen so anzupassen, dass sie nirgends den konstruktiven Kern des Werkes überwuchert, sondern denselben in schönen Linien und Formen begleitet. Dadurch bleibt die Grundform in klarer Abgeschlossenheit sichtbar und wird durch das Ornament nur noch mehr hervorgehoben.

Bei der Betrachtung der repräsentativen Architektur sowohl, als auch der einfachsten Gegenstände für den häuslichen Gebrauch, die von Griechen geschaffen wurden, wird man dies bestätigt finden; sie überraschen durch ihre hohe Formvollendung und hohe Schönheit den Beschauer.

Fig. 1 — 3 zeigen Repräsentanten der 3 Entwicklungsformen griechischer Architektur: des dorischen, des ionischen und des korinthischen Stils.

Im dorischen Kapitell ist in ruhiger Einfachheit der Zweck des Tragens ausgesprochen und erinnert in seinen Formen an den strengen Sinn des dorischen Volksstammes.

Fig. 2 zeigt Leichtigkeit und vollendete Anmut, wie sie dem Charakter des ionischen Volkes entspricht. In den üppigen Formen des korinthischen Kapitells aber zeigt sich die Prachtliebe, die sich von der reichen Handelsstadt Korinth aus über ganz Griechenland verbreitete.
Fig. 4 zeigt eine jener herrlichen Jungfrauengestalten, wie sie an Stelle von Säulen an der Karyatidenhalle des Erechtheions verwendet wurden.

Fig. 1. Dorisches Kapitell von Pästum (mit aufgemalten Ornamenten).
“ “ 2. Ionisches Kapitell vom Tempel des Erechtheus auf der Akropolis zu Athen.
“ “ 3. Korinthisches Kapitell vom choragischen Monument des Lysikrates in Athen.
“ “ 4. Karyatide vom Erechtheion.
“ “ 5 u. 6. Akroterien von Stelen (Grabsäulen), Paris.
“ “ 7 — 9. Anthemienverzierungen.
“ “ 10 u.11. Greifen. Friesfragmente.
“ “ 12 u. 13. Marmortischfüsse im Nationalmuseum in Neapel.
“ “ 5 u. 16. Marmortischfüsse im British Museum in London.

Polychrome Ornamentik, Antike, Griechenland, Architektur, Ornamentik, Hellenismus
Polychrome Architektur.

GRIECHISCH. POLYCHROME ARCHITEKTUR.

Tafel 5.

Tafel 5 zeigt eine Anzahl Überreste polychromer (vielfarbiger) Architekturteile. Es sind im allgemeinen dieselben konventionellen Formen, wie wir sie bei dem plastischen Ornamente und ebenso bei den auf Taf. 6 folgenden Vasenverzierungen finden (Mäander, Herzblätter, Eierstäbe, Palmetten, Anthemienverzie- rungen etc.).

Es gilt heute als sicher, dass die Architektur meistens farbig behandelt war; die oft ganz flach gehaltenen plastischen Ornamente mussten wohl polychromiert werden, um auf mitunter sehr grosse Entfernungen noch zu wirken.

Fig. 1. Polychromierte Sima (Rinnleiste) mit Löwenkopf aus Selinunt.
“ “ 2. Akroterie vom Tempel der Nike Apteros.
“ “ 3 — 6. Bemalte Gesimse von den Propyläen. Athen.
“ “ 7. Ornament von einem Anten-Kapitell vom Theseustempel. Athen.
“ “ 8. Ornament von einem Tempel in Selinunt.
“ “ 9. Fries vom Jupitertempel in Aegina.
“ “ 10. Sima-Ornament vom Parthenon.
“ “ 11. Ornament. In Pallazolle gefunden.
“ “ 12 u. 13. Mäander.
“ “ 14. Kaffettenverzierung. London.
“ “ 15. Metopenfeld aus gebranntem Ton, zu Pallazolle gefunden.
“ “ 16. Kaffettenfüllung aus den Propyläen.

Polychrome Ornamentik, Antike, Griechenland, Keramik, Ornamentik, Hellenismus,
Griechische Keramik.

GRIECHISCH. KERAMIK.

Tafel 6.

Die Griechen waren es, welche die Töpferei zu einer freien Kunst emporhoben. Während in Ägypten die Herstellung von Tongefässen, welche allerdings nur dem gewöhnlichen Bedürfnisse dienten, oder ein billiger Ersatz für kostbare Geräte waren, von Knechten, einer verachteten Kaste, besorgt wurde, waren die griechischen Töpfer hoch angesehen, so dass man ihnen Medaillen schlug und Denkmäler errichtete.

Aus der Hand geformte Gefässe mit plastischen Dekorationen sind bei den Griechen sehr selten. Die Einführung der Töpferscheibe fällt in die vorgeschichtliche Zeit und wird schon von Homer erwähnt. Beweise dieser Fabrikationsart haben sich auch im Schutt des alten Mykene gefunden.

Die ältesten griechischen Vasen sind höchst einfach verziert, es wurden auf hellen (weissen oder gelblichen) Tongrund braune Bänder, Kreise, Quadrate etc. aufgemalt. Bald kamen jedoch auch solche mit Tierfriesen verziert vor.

In der weiteren Folge treten figürliche Darstellungen schematisch behandelt zwischen Bandverzierungen, Wellenlinien, Herz- und Lorbeerblättern, Mäanderzügen etc. auf, immer noch dunkel auf hellem Grund mit häufiger Anwendung von Weiss.

In der Blütezeit der griechischen Keramik wechselte die Farbe des Grundes und der ornamentalen und figürlichen Darstellungen. Das Orangegelbe der Tonmasse wurde ausgespart, der Hintergrund schwarz ausgefüllt. Die mit dem Pinsel gezeichneten Figuren zeigen grosse Sicherheit und edle Feinheit, siehe Fig. 10.

Es folgte nun eine polychrome Periode, die wohl der Verfall der griechischen Töpferei genannt werden muss. Es wurden die Farben in grösseren Mengen benützt, namentlich Hellgelb, Goldgelb, Blau, Violett und selbst Gold.

Fig. 1 — 9. Griechische Vasenformen:

Fig. 1. Amphora, Gefäss für Öl, Wein etc.
“ “ 2. Hydria, Gefäss zum Wassertragen.
“ “ 3. Urne, Aschengefäss.
“ “ 4. Oenochoen, Weinkanne, Giessgefäss.
“ “ 5. Kylix, Trinkschale.
“ “ 6. Deinos, Krater, Mischgefäss.
“ “ 7. Lekythos, Gefäss für Salböl.
“ “ 8. Kantharos, zweihenklige Trinkschale.
“ “ 9. Rhyton, Trinkgefäss.
“ “ 10. Weibliche Figur auf einer Amphora im National-Museum in Neapel.
“ “ 11. — 32- Ornamente auf Vasen in den Museen von Neapel, Rom, München, Paris und London.

Quelle: Der Ornamentenschatz; ein Musterbuch stilvoller Ornamente aus allen Kunstepochen von Heinrich Dolmetsch (1846-1908). Stuttgart, J. Hoffmann, 1887.

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