Kardinal Richelieu, französischer Staatsmann.

Kardinal, Richelieu, Frankreich, Barock
Kardinal Armand Jean Duplessis, Herzog von Richelieu, französischer Staatsmann. Geb. 5. Sept. 1585, gest. 4. Dez. 1642.

Kardinal Armand Jean Duplessis, Herzog von Richelieu, französischer Staatsmann.


Geb. 5. Sept. 1585, gest. 4. Dez. 1642.

Armund Jean Duplessis, Herzog von Richelieu, am 5. September 1585 in Paris geboren, gehörte einer der ältesten Adelsfamilien in Poitou an. Obwohl zum Kriegsdienst bestimmt, trat er, als sein jüngerer Bruder sich ins Kloster zurückzog, in den geistlichen Stand, um das von jenem inne gehabte Bistum Lucon seinem Haus zu retten. Im Jahr 1614 wurde er von der Geistlichkeit Poitous als Deputierter zur Versammlung der Generalstaaten nach Paris geschickt und wußte sich bei Hof so beliebt zu machen, daß ihn die Königin-Mutter Maria de‘ Medici zum Almosenier (Grand Aumônier du Roi) erhob, während ihm gleichzeitig deren Günstling Concini (Concino Concini, Marquis d’Ancre, Marschall d’Ancre) das Amt eines Staatssekretärs übertrug. Zwar mußte er nach dem Sturz Concinis 1617 den Hof wieder verlassen, wurde aber 1619 zurückgerufen, um zwischen der Partei der Königin-Mutter und dem jungen König Ludwig XIII. zu vermitteln. Jetzt war sein Glück begründet: 1622 erhielt er den Kardinalshut und zwei Jahre später gelangte er in den Staatsrat, zu dessen Haupt er sich bald emporschwang.

Achtzehn Jahre leitete Richelieu die Geschicke Frankreichs, bedroht von zahlreichen und mächtigen Gegnern, die alles aufboten, ihn zum Fall zu bringen. Seine Lage war um so schwieriger, da ihm der König wenig Vertrauen, geschweige denn Liehe entgegenbrachte. Nichtsdestoweniger gelang es dem klugen Kardinal, sich dem Monarchen unentbehrlich zu machen und denselben in beständiger Abhängigkeit von sich zu erhalten, so sehr die Königin-Mutter auch bestrebt war, ihren Sohn diesen Fesseln zu entziehen; sie mußte endlich 1630 das Feld räumen, und ihre Anhänger wurden zum Schafott verurteilt. Vergebens fiel des Königs Bruder Herzog Gaston von Orleans aus den Niederlanden in Frankreich ein: er erreichte dadurch nur, daß über seine Freunde ein neues Blutbad hereinbrach und daß sein Schwiegervater, der Herzog von Lothringen, der ihn zuletzt aufnahm, sein Land verlor.

Während so Richelieu den Verschwörungen des Adels zu begegnen wußte, war er gleichzeitig darauf bedacht, den Hugenotten, denen König Heinrich IV. feste Plätze mit eigenen Besatzungen und große Privilegien verliehen hatte, und die auf diese Weise einen Staat im Staate bildeten, ihre politische Sonderstellung zu entziehen. Zu diesem Zweck ließ er sich 1627 von einer Notabelnversamnmlung die Mittel bewilligen, die ihm gestatteten, ein Heer und eine Flotte zu schaffen. So ausgerüstet, belagerte er La Rochelle. die stärkste Festung der Protestanten, zu Wasser und zu Lande. Nach den Gräueln einer Hungersnot mußte sich die Stadt ergeben, und damit war das Schicksal der Hugenotten entschieden, die jedoch in der freien Ausübung ihres Gottesdienstes nicht behindert wurden.

Hatte Richelieu im Innern den Plan verfolgt, die Macht des eigennützigen Adels zu brechen und alle politische Gewalt in der Krone zu konzentrieren, so stellte sich seine äußere Politik die Aufgabe, das Haus Habsburg in Österreich und Spanien zu demütigen und Frankreich einen dominierenden Rang unter den europäischen Staaten zu verschaffen. Gleich der 1629 ausbrechende Mantuanische Erbfolgekrieg bot ihm Veranlassung, sich zu Gunsten des Herzogs von Nevers, eines französischen Vasallen, einzumischen. In eigener Person führte der Kardinal 1630 ein Heer nach Italien und zwang durch Eroberung Pignerols Österreich zur Überlassung Mantuas an Nevers und zur Räumung des Veltlin.

Ganz besonders aber suchte er durch die Teilnahme am dreißigjährigen Krieg Frankreichs Gebiet und Einfluß zu vergrößern. Da es ihm jedoch noch an Mitteln fehlte, um sich in einen offenen Krieg mit Österreich einlassen zu können, unterstützte er zunächst nur insgeheim durch Hilfsgelder dessen Feinde. Erst später nach Besiegung seiner innern Gegner griff der Kardinal auch direkt ein. So begann er einen Krieg mit Spanien, um die Niederlande zu erobern, und begünstigte den Aufstand der Katalonier sowie die Erhebung des Hauses Braganza in Portugal. In Deutschland unterstützte er den Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar in der Absicht, sich seiner zur Eroberung des Elsass zu bedienen, und als dieser 1639 plötzlich starb – nach der Fama durch Gift – eignete er sich nicht nur dessen Eroberungen an, sondern bemächtigte sich auch durch Bestechung der Armee Bernhards.

Seine letzte Lebenszeit wurde durch die Verschwörung Cinq-Mars‘ getrübt, die jedoch gleich den früheren unterdrückt ward. Von einem schleichenden Fieber befallen, starb der Kardinal zu Paris am 4. Dezember 1642, nachdem er noch dem König den Kardinal Mazarin als Nachfolger empfohlen hatte, dessen Gewandtheit sein Werk vollenden sollte.

Richelieu ist der eigentliche Begründer der Macht Frankreichs. Die unumschränkte Monarchie Ludwigs XIV. wäre ohne seine Arbeit nicht möglich gewesen. Nie berief er die Generalstaaten; die Parlamente wurden ihrer politischen Rechte beraubt; und wenn auch die niederen Volksschichten durch die Emanzipation vom Adel an Rechtsschutz gewannen, so wurde dieser Vorteil durch die Zunahme der Steuerlast wieder aufgehoben. Der Kardinal liebte eine solche Prachtentfaltung, daß sein Hausstand allein die Summe von vierzig Millionen Livres jährlich verschlang. Den Künsten und Wissenschaften widmete er grosse Aufmerksamkeit. Selbst literarisch tätig, gründete er 1635 die französische Akademie, reformierte die Sorbonne, förderte das Schauspiel und baute das Palais-Royal. Er war auch ein Bewunderer weiblicher Reize, wiewohl er den Verkehr mit Frauen sehr geheim hielt.

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

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