Russische Trachtenhauben. Kopfschmuck der Frauen aus dem Volke.

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Russische Hauben im 19. Jh.

Russische Trachtenhauben.

Russland. Kopfschmuck der Frauen aus dem Volk im 19 Jh..

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Diese hauben- und mützenartigen Kopfaufsätze stammen sämtlich aus Altrussland und sind den russischen Slaven eigentümlich. Die hier abgebildeten Exemplare rühren aus den Gouvernements Nowgorod, Kaluga, Twer und Kursk her. Sie repräsentieren verschiedene Arten der tschepatz genannten Mütze, welche die Frauen der Kaufleute und Bauern tragen, und zugleich ihren Ohr- und Halsschmuck. Die Ornamentik und die Gestalt dieser Mütze reicht weit zurück. Man findet sie auf Portraits von Fürsten, die dem frühen Mittelalter angehören. Vielleicht sind sie von dem asiatischen Nomadenvolk der Polowzer mitgebracht worden, welches um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Russland einfiel.

Die Frauen aus dem Volk haben die Gewohnheit beibehalten, sich stark zu schminken, ihr Gesicht mit Lagen von weiss und rot zu überziehen.

Nr. 1. Kopfbedeckung aus dem Bezirk Bielozersk, Gouvernement Nowgorod. Dieselbe besteht aus einem steifen Gewebe von Goldfäden, dessen Ornamentik von einem weissen mit silbernem Schlagloth dekorierten Metallstreifen und aus aufgenähten, in Rosetten vereinigten weissen Perlen gebildet wird. Aus Perlen besteht auch die Borte, welche auf die Stirn herabhängt. Der schmale Hemdkragen ist mit einer durchbrochenen Stickerei versehen und von einem Saphir geschlossen. Die Ohrgehänge bestehen aus traubenförmig gruppierten Perlen, die mit Gold montiert sind.

Nr. 2. Haube von ähnlicher Form, aber an der Stirnseite gerader und mit einem aus kurzen herabhängenden Perlenschnüren gebildeten Fransenbehang als Borte versehen. Die Ornamente sind aus silbernen Blättchen gebildet, die auf den Goldgrund aufgenäht sind. Die Ohrringe sowie das aus acht Schnüren bestehende Halsband sind aus Perlen gebildet. Bewohnerin von Tikhwin, Gouvernement Nowgorod. – Dasselbe Arrangement wiederholt sich auf den übrigen Mützen, nur dass die Nr. 3, 5, 6, 7 noch mit Rubinen, Topasen, Saphiren, grossen Perlen und sogar mit Brillanten geschmückt sind. Bei Nr. 4 ist der Grund der Mütze rot und die Stickereien sind farbig. Die Borte ist wieder von Goldstoff und mit Perlen verziert, die auf dicke Fäden aufgezogen und zusammengenäht sind. Der so entstandene Stöff ist röhrenartig gefaltet. Dasselbe Arrangement findet sich bei Nr. 6.

Nr. 3 ist ein Mädchen aus Bielozersk, Nr. 4 eine Frau aus Tikhwin, Nr. 5 eine Frau aus Ustjug-Jelezepolskoi, Gouvernement Nowgorod, Nr. 6 eine Frau aus Kaluga am Oka.

(Nach Gemälden, die von der russischen Regierung auf die Ausstellung der geographischen Gesellschaft in Paris im Jahre 1875 geschickt worden sind)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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