Sansculottes der fr. Revolution mit Jakobinermützen.

Sansculottes, Sans-culottes, französische Revolution, Kostüm, Mode
Sansculottes, Mitglieder der Kommune 1793-1794.

Zur Geschichte der Kostüme. Achtundvierzigster Bogen. Frankreich. Letztes Drittel des XVIII. Jahrhunderts. Münchener Bilderbogen Nr. 800.

Sansculottes, Mitglieder der Kommune 1793-1794.

Die Sansculottes waren buchstäblich „ohne Hosen“ das einfache Volk der Unterschicht im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts, von denen viele aufgrund ihrer schlechten Lebensqualität unter dem Ancien Régime radikale und militante Vertreter der Französischen Revolution wurden. Das Wort Sans-Culotte, das dem des Adligen entgegengesetzt ist, kam 1792 während einer Demonstration in Mode.

Der Name Sansculottes bezog sich auf ihre Kleidung und damit auf ihren Status als Unterklasse: Als Hosen galten die modischen Seidenkniehosen des Adels und der Bourgeoisie des 18. Jahrhunderts, die sogenannte Rheingrafenhose. Die Arbeiterklasse, Handwerker oder Bauern, die ausserhalb der drei Stände lagen und erst später als der Vierte Stand bezeichnet wurde, trug stattdessen lange Hosen. Sie wurden von anderen Revolutionären als „radikal“ beurteilt, weil sie sich für eine Demokratie einsetzten die wir heute „direkt“ nennen würden, d.h. ohne gewählte Parlamentsmitglieder. Sie dienten als die treibende Volkskraft hinter der Revolution.

Neben den oft dreifarbig gestreiften Hosen (oder Röcken) trugen die Sansculottes eine Bluse, Weste oder kurze Jacke mit großen Knöpfen (Carmagnole) und Clogs, die ihre Zugehörigkeit zu den Werktätigen markierten. Das Tragen der roten Mütze (französisch bonnet rouge), die ursprünglich zum Schutz der Haare in bestimmten Berufen diente, wurde als „Jakobinermütze“ Symbol der politischen Macht der Sansculottes. Der Marquis de Villette bezeichnete sie am 12. Juli 1791 als „die Bürgerkrone des freien Mannes und der französischen Regeneration“. Die Mützen wurden oft von Frauen gestrickt, die als Tricoteuse bekannt wurden, da sie während öffentlicher Hinrichtungen in Paris neben der Guillotine saßen und angeblich zwischen den Hinrichtungen weiter strickten. Der Turm des Straßburger Münsters wurde mit bonnet rouge gekrönt, um zu verhindern, dass er 1794 abgerissen wird. Die Büste von Voltaire wurde nach einer Aufführung seines Brutus in der Comédie-Française im März 1792 mit der roten Haube der Freiheit gekrönt.

Die Verwendung einer Mütze im phrygischen Stil als Symbol des revolutionären Frankreichs wird erstmals im Mai 1790 bei einem Festival in Troyes, das eine Statue ziert, die die Nation repräsentiert, und in Lyon auf einer Lanze der Göttin Libertas dokumentiert. Bis heute ist die Nationalallegorie Frankreichs, Marianne, mit einer roten phrygischen Kappe dargestellt. Sie wurde am 22. September 1792 während der dritten Sitzung des Nationalkonvents als Bestandteil des nationalen Siegels vorgeschlagen.

Obwohl schlecht ausgestattet, mit wenig oder gar keiner Unterstützung durch die Oberschicht, stellten die Sansculottes in den ersten Jahren der französischen Revolutionskriege den Großteil der revolutionären Armee.

Quelle: Münchener Bilderbogen 1848 bis 1898. Zur Geschichte der Kostüme. Herausgegeben von Braun & Schneider. Kgl. Hof-und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München.

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