Schädelmaske mit blauem und rotem Mosaik belegt.

Mexico, Schädelmaske, Mosaik, musivisch
Mexico. Schädelmaske mit blauem und rotem Mosaik belegt.

Schädelmaske mit blauem und rotem Mosaik belegt. Mexico.

Die Maske ist 17,0 cm hoch und 15,4 breit, schneidet oben gerade ab, und ist an den Ecken abgerundet; die Seitenränder laufen vertikal abwärts und biegen erst am unteren Rande des Unterkieferbeines, mit welchem die Maske abschliesst, nach vorn um, so dass die Frontansicht ziemlich eine quadratische ist, ähnlich anderen Masken aus anderen Materialen, welche aus Mexico stammen.

Die Maske bildet eine einfache Wand von 1,0— 1,5 cm Dicke, nur am Oberkieferknochen, in der Nähe der vorderen Nasenöffnung, ist die Dicke bis gegen 3 cm gesteigert.

Die vorhandenen Öffnungen sind die Spalten der Augen, der Nase und des Mundes. Von diesen war die der Nase, wie sie jetzt vorliegt, früher jedenfalls nicht so beschaffen. Sie war früher jedenfalls durch eine künstliche Nase, von welcher Spuren vorhanden sind, und welche jedenfalls mit Mosaik wie das übrige Gesicht belegt war, grossenteils geschlossen.

Dass auch die Augenöffnungen mittels eines — um das Durchsehen nicht zu hindern, glasartigen — Körpers früher geschlossen waren, dies wird als Möglichkeit dadurch dargelegt, dass hinter der kreisförmigen 0,6 cm eingehenden Augenöffnung, welche an den Seiten unmerklich in Spitzen ausgedehnt ist, ein engerer kreisförmiger Rand, an den Seiten linienartig unterbrochen, falzartig vortritt, so dass es scheint, als könnte in diesen Öffnungen ein anderer Körper befestigt gewesen sein.

Dagegen dürfte der Mund bis auf den Verlust von mehreren der Zähne, welche früher vollzählig waren, und bis auf geringe Verletzungen der Mosaikeinfassung, in seiner ursprünglichen Beschaffenheit vorliegen.

Um die einfache Wand herzustellen, sind alle zum eigentlichen Schädel gehörenden Knochen, bis auf die untersten Teile des Stirnbeines, entfernt, und selbst von den Gesichtsknochen nur diejenigen erhalten geblieben, welche zur Bildung der eigentlichen Gesichtsfläche tauglich waren.

Demnach setzt sich die Maske den Knochen nach aus folgenden Bestandteilen zusammen: dem Dach der Augenhöhlen und einem in der Mitte 2,2 (an den Seiten 2,7) cm breiten horizontalen Streif der angrenzenden Schuppe des Stirnbeines, dem grössten Teil der Oberkieferknochen, dem Jochbeine, dem Jochfortsatz, welcher in der Nähe der Schuppe des Schläfenbeines durchschnitten scheint, und dem grössten Teil des Unterkieferknochens.

Dicht hinter den vorderen Rändern der Augenhöhlen und vertikal mitten durch die auf das Stirnbein sich stützenden Teile des Oberkiefers sind die vorwärts gelegenen Schädelteile abgesägt. Der Gaumen ist 3 cm vom vorderen Rand des Oberkiefers quer durchsägt, und zwar derartig linear, dass auch die nach hinten noch vorstehenden Teile der dritten Backzähne durch Abschleifen mit entfernt wurden.

Siehe auch:  Afrikanische Hörnermasken aus Kamerun, Kongo und Angola.

Auch das Unterkieferbein entging nicht dem Eingriff der Säge. Hinter den dritten Backzähnen, welche gleichfalls angeschliffen wurden, ist der Unterkieferknochen an beiden Hälften schräg der Länge nach durchsägt, so dass vor Allem die hinderlichen hinteren Fortsätze mit den Gelenkknöpfen wegfielen.

Auf diese Weise erhielt man ein knöchernes Grundgestell, welches, zumal bei den geräumigen Verhältnissen des Schädels (die innere Weite des Stirnbeines in Höhe des unteren Randes seiner Schuppe beträgt z. B. 13,8 cm) wohl geeignet und auch anscheinend speziell darauf berechnet war, einem gewöhnlichen Gesicht, auch mit den natürlich vorstehenden Teilen, der Nase und dem Munde, den Eintritt in die Maske bis zur vollen Tiefe derselben zu gestatten.

Die von der Knochenwand gelassenen Lücken sind mit Scheiben von hellfarbigem, fast schwammartig weichen Holz ausgesetzt, die Zwischenräume weiter mit rötlichem Harz gefüllt, so die Seiten zwischen dem Unter- und Oberkiefer- und dem Stirnbein. Die Knochenflächen an der Rückseite sind zum Teil braunrot gefärbt, die Zähne mit Kitt eingesetzt.

Das kostbarste ist die Verzierung der Vorderseite mit musivischer Arbeit. Um dieselbe herzustellen, ist die ganze Vorderseite mit einer 1—5 mm dicken dunkelbraunen Harzschicht überzogen, in welcher kleine im Allgemeinen 1 mm dicke und auf beiden Seiten geglättete Steinplättchen derart eingelegt sind, dass, wenn die Plättchen abspringen, ein die genaue Form des Steinchens bezeichnender glatter Eindruck in der Harzfläche zurückbleibt.

Die Plättchen schwanken in der Grösse von 1 qmm bis zu 20 mm Länge und 15 mm Breite. Der durchschnittliche und häufigste Flächeninhalt der Steinchen ist 10— 15 qmm. Mit so kleinen Steinchen, welche auch im Allgemeinen die in der Farbe schöneren sind, ist besonders der mittlere Teil des Gesichtes oberhalb des Mundes verkleidet.

Die Steinchen finden sich in jeder Form vom Dreiecke bis zum unregelmässigen Fünfeck, ausgeschnittenen Fünf-, Sechs-, Achteck, sowohl mit geraden wie mit gebogenen Konturen, obwohl die rechteckige Form die am häufigsten vertretene ist. Unter den grösseren wiegt das einfache Fünf- und Sechseck vor.

Die Steinchen sind meisterhaft, zwischenraumlos, und zwar anscheinend nicht in vorher festgestellter Gestalt, sondern in der Art zusammengefügt, dass ihnen oft erst im Momente der Vereinigung mit anderen die zweckdienlichste Form gegeben wurde. Die Mauerwerke gewisser älterer Bauten sind ähnlich gefügt. Die Oberfläche der musivischen Arbeit ist nicht poliert; trotzdem passen die Teile auch mit ihren Niveaus vortrefflich an einander.

Siehe auch:  Die Tschäggättä im Kanton Wallis. Lötschentaler Fasnacht.

In dieser Technik ist das Gesicht mit Türkisen musivisch bedeckt. Die Farbe der Steinchen schwankt von schön himmelblau (so sind namentlich die kleineren) bis blassgrün. Es ist auf diese Weise eine Gesichtsfläche erreicht, welche der fleischigen eines lebenden Menschen an formaler Wahrheit nichts nach giebt. Ein an der Stirn erhaltenes schwarzes Steinchen und die Spur eines ähnlichen jetzt ausgebrochenen lässt erkennen, dass die Stirn vertikal strichig schwarz ornamentiert war.

Der Rand um die Zähne, viereckig und scharfkantig, ist mit roten Plättchen (von Conchylienschale) ausgelegt, welche die Lippen verdeutlichen. Eine eigenartige Verzierung nimmt noch die Flächen zu Seiten des Mundes ein. An diesen Teilen schliesst die blau-grünliche Steinverkleidung des Kinnes erhöht gegen die Mosaikflächen der Wangen ab, und zwar mit zwei ornamentalen Bogen, welche ungefähre Ähnlichkeit mit den seitlichen Enden des Unterkieferknochens haben, ohne wahrscheinlich diese Form nachzuahmen.

Der grösste Teil der Stirn und die rechte Seite des Kinnes sind die einzigen Teile, welche jetzt in grösserer Ausdehnung von Mosaik und Harz entblösst sind. Die Maske ist besser erhalten, als es in der Abbildung scheint.

Die Mitte des oberen Randes und die vier Ecken sind durchbohrt. Eines der beiden unteren Löcher ist mit Harz wieder verdeckt. Die beiden oberen Seitenlöcher sind durch eine anscheinend ältere Bastschnur verbunden, welche jedoch bei 19 cm Erstreckung anscheinend wenigstens nicht mehr die ursprüngliche Länge besitzt, und in der Abbildung (siehe die fahle Linie) durch die Öffnungen der Nase und des rechten Auges durchscheint.

Im Austausch aus dem herzoglichen Museum zu Braunschweig erhalten.

Quelle: Veröffentlichungen aus dem Königlichen Museum für Völkerkunde: 1. Band 1. Heft. Staatliche Museen zu Berlin. Berlin: Verlag von W. Spemann 1889.

Illustration, Ornament

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