Persischer Schiras Nomadenteppich der Ghashgai um 1750.

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Shiras

Nomadenteppich der Ghashgai

Name: Schiras. Größe: 158 X 280 cm.
Alter: 150 Jahre. Sammlerstück: selten.
Kette: Kamelhaar, vermischt mit Schafwolle, zweifach gezwirnt, 80 Fäden auf 10 Zentimeter.
Eintrag: Schafwolle zweifach, d h. nach jeder Knotenreihe 2 Grundschüsse.
Knüpfung: Schafwolle zweifach.
Knoten 17½ Knoten per Quadratzentimeter, geknüpft auf 2 Fäden = 1750 Knoten per Quadratdezimeter.
Einteilung nach dem Webstoff: Schafwollteppich.
Nach der Konfektion: niederflurig.
Nach dem Format: Khalitsche. Nomadenteppich.
Nach dem Gewebe: plüschartig.
Herkunftsgebiet: Persien.

Schirasteppiche gehören zu den schönsten und vollendetsten Teppicharten. Die Schiras Teppichknüpfer/innen haben es ganz besonders verstanden, kunstsinnig die prachtvollen Gefieder der Vögel, wie die schimmernden Blüten der persischen Flora darzustellen. Der Teppich findet meistens Verwendung für Pilger oder als Votiv-Teppich.

Innen auf schwarz-blauem Grunde sind Blätter, Blüten und Vögel in der bei den Nomadenteppichen üblichen Größe. Hiervon stechen die vier Ecken und das Mittelstück ihrer creme-gelben Farbe wegen stark ab. Das Mittelstück besteht aus einem creme-gelben Medaillon, das ebenfalls mit Blättern, Blüten, sowie einem Vogelpaar gefüllt ist. Die Einfassung enthält geometrische Figuren, Kreuze, Blüten und Früchte. Da die solche Teppiche knüpfenden Nomaden in ganz Südpersien schwärmen, fallen die Muster der Schiras nicht nur in Bezug auf Qualität, sondern auch was die Zeichnung anlangt, sehr verschieden aus.

Im europäischen Handel werden diese Teppiche vielfach als Kirmanschah (Kirman Schah, Kermanschah, Kirmaschan) oder Schiras benannt, auch als Mekka. Sie werden von den im südwestlichen Teil Persiens lebenden Nomadenstämmen der Gaschgai hergestellt. Seidenartiger Glanz kennzeichnet den Teppich. Im Handel werden diese Teppiche gewöhnlich nach dem Gebiet genannt, aus dem sie ausgeführt wurden; es handelt sich also um eine rein kommerzielle Bezeichnung auf Grundlage der Handelswege. Bei den Gaschgai-Teppichen wird diese Wahl der Bezeichnung umso leichter verständlich, als das Produktionsgebiet, das in Frage kommt, ein sehr großes und ausgedehntes ist.

Die Ghashgai (Qaschqai oder Kaschgai), die um 1650 noch auf etwa 100,000 Zelte geschätzt wurden, nomadisieren in den Gebieten, die im Westen von den an Mesopotamien grenzenden Bergen der Luren, im Süden von der persischen Provinz Cucistan, im Osten von dem, mit der Heeresstraße zwischen Ispahan und Schiras parallel laufenden Gebirgszug, eingeschlossen werden *). Je nach der Entfernung des Produktionsortes von der persischen Landesgrenze werden die Teppiche entweder nach Bagdad, meistens über Kirmanschah, verfrachtet oder nach dem persischen Meerbusen, in welchem Falle sie über Schiras und Buschir gebracht werden. Der größte Teil der Teppiche wird nach Ägypten exportiert, und da der Weg über das rote Meer, namentlich über Jeddha, den Hafen von Mekka, führt, wird die namentlich in Konstantinopel sehr gebräuchliche Benennung »Mekka-Teppiche«, leicht erklärlich. Oft werden diese Teppiche auch von Mekka-Pilgern nach dem Nillande mitgenommen.

Die berühmten persischen Teppichwebereien werden in der Tat allgemein entweder nach Schuschtar in der pers. Prov. Chusistan oder nach Schiras in der Provinz Fars, wo die Qaschkai sich angesiedelt haben, verlegt.

Neben dem Senneh – gilt heute noch der Ghashgai-Teppich als einer der schönsten. Das charakteristische Muster dieser Teppichgattung ist das Aschkali-Muster, das aus Pflanzen- und Tierbildern besteht. Die Ghashgai-Teppiche werden nur von Frauen gewoben.

*) Die Gaschgai setzen sich aus fünf Hauptstämmen zusammen: den Amale (Gaschgai) / Amaleh (persisch), den Dere-Shorlu / Darreh-Shuri, den Kaschkollu / Kaschkuli, den Schischbeyli / Scheschboluki und den Eymur / Farsimadan. Kleinere Stämme sind die Qaracha / Qarache’i, Rahimli / Rahimi und Safi-Khanli / Safi-Khani.

Der Orient-Teppich in Geschichte, Kunstgewerbe und Handel von Karl Meyer-Pünter. Meyer-Müller & Co; 1917.

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