Die Schleppe. Mode von 1458 – 1510. Staatskostüme der Renaissance.

Auguste Racinet, Renaissance, Staatskostüm, Schleppe, Robbe, Mode, Italien,
Europa 15.- 16. Jahrhundert. Staatskostüm: Die Schleppe.

TEILE DER WEIBLICHEN TRACHT: DAS SCHLÄFENHÄUBCHEN, DIE ÜBERROBE, DER GÜRTEL MIT TRODDEL U. S. W. (1485-1510).

EUROPA. XV. – XVI. JAHRHUNDERT. STAATSKOSTÜM: DIE SCHLEPPE.

Der Text zu den Tafeln Europa XV. und XVI. Jahrhundert mit dem Zeichen des Schreibzeuges, des Leuchters und des Tannenzapfens enthält eine Geschichte der Mode unter Karl VIII. und Ludwig XII. Hier handelt es sich um eine Übergangsperiode, die ihre Vorbilder gleichzeitig Italien und Flandern entlehnte.

Nr. 1. – Wangenhäubchen, gestickt, von einem Schleier oder einer Zipfelmütze bedeckt; kleines Käppchen auf der Seite des Kopfes; Halskette von vergoldetem Kupfer: über dem Unterkleid mit engen Ärmeln eine Überrobe mit weiten Ärmeln à la grand’garre; anschliessendes Mieder mit viereckigem Ausschnitt.

Nr. 2. – Zipfelmütze, deren hängender Teil am Hinterkopf hochgenommen ist; Wangenhäubchen mit Puff an der Seite; doppeltes Halsband und Gürtel in gewundener Goldschmiedearbeit; die Troddeln an den Enden des Gürtels fallen über die Robe herab. Die Ärmel à la grand’garre bedecken die des Unterkleides, die mit einem schmalen gestickten Vorstoss geschmückt sind.

Nr. 3. – Zipfelmütze mit nach vorn geneigtem Bausch; Robe mit Pelzkragen und Pelzärmel.

Nr. 4. – Zipfelmütze und Wangenhäubchen in Schwarz, der Farbe des Adels, während die bürgerlichen Damen Scharlach trugen. Überrobe, viereckig ausgeschnitten, den schmalen Rand des Hemdes zeigend; Unterkleid mit engen, pelzbesetzten Ärmeln.

Nr. 5. – Kurzer, ausgezackter Kopfschleier über einem Wangenhäubchen mit Rand von Metallarbeit; grosse Halskette aus vergoldetem Kupfer; Überrobe mit langen Ärmeln, durch einen gestickten Gürtel zusammengehalten.

Nr. 6. – Vereinigung von Wangenhaube und Zipfelmütze; Schleier, hinten geteilt; gerolltes Haar, zwei Strähnen an den Wangen herabfallend; Brustlatz mit gesticktem Kragen; viereckig ausgeschnittenes Mieder.

Nr. 7. – Ebensolcher Schleier, unabhängig vom Häubchen; gelocktes Haar; Damastrobe.

Nr. 8. – Gesticktes und mit Steinen besetztes Hützchen in drei Stücken; viereckiger Miederausschnitt mit grünem Vorstoss. Über dem Brustlatz ein gestickter Spencer von dickerem Stoff.

Nr. 9, – Seidene Robe mit weiten, goldgestickten Ärmeln über einer Tunika. mit langen Ärmeln; Schulterkragen mit massiver Halskette; gestickter Gürtel, Fusskissen mit Adelskrone.

Nr. 10. – Wangenhäubchen uud Zipfelmütze gestickt; Brokat-Unterkleid, das bis zum Hals hinaufgehend den Spenzer sehen lässt; grosse Halskette und vergoldeter Gürtel über der weitärmeligen Überrobe,

Nr. 11. – Haube aus gesticktem Samt in Form eines Turbans, umwunden von einem unter dem Kinn befestigten Stoffstück; feines Hemdchen; Kette und Gürtel aus Seidengeflecht oder emaillierter Metallarbeit; Robe mit langen und weiten Ärmeln, zum Durchstecken der Arme geschlitzt, über den Hüften durch Aufschürzer aus Knochen oder Metall gehalten. Diese Robe nennt Olivier de la Marche in seinem Parement des Dames die robe de beau maintien.

Nr. 12. – Dame in Trauer: Haube in Form eines Kopfschleiers, aus der den Hals umhüllenden barbette und dem couvre-chef bestehend; lange Robe mit goldgestickten Ärmeln; weiter Schleppmantel, mit Hermelin besetzt.
In Spanien trug man Schwarz als Trauerfarbe.

Nr. 13. – Staatskostüm: Adelskrone; die langen Haare über der Stirn viereckig verschnitten; grosse Halskette über einem Schulterkragen von Hermelin; Tunika mit langen Ärmeln mit Goldbesatz; Robe mit weiten Ärmeln und grosser Mantel, mit Hermelin gefüttert.

Nr. 14. – Zeremonienkostüm: lange Haare, viereckig verschnitten; Barett; Halsband aus roten Quasten; Tunika mit Scharlachärmeln; lange Schlepprobe ohne Ärmel, an der Seite geschlitzt und durch Schleifen zusammengehalten. Karl VIII, hatte diese Robe eingeführt, um die Fehler seiner Figur zu verbergen. Strümpfe aus dem feinsten Tuch; flache Schuhe.

Abbildungen nach den Tapisserien im Besitz der Herren R. Wallace und Dubouché und der Kirche Saint-Remy in Reims; Nr. 3 und 4 nach Malereien des XV. Jahrhunderts. Tapisserien und Bilder befanden sich auf der Kostümausstellung in den Champs-Élysees 1874. Vgl. Costume du moyen-âge, d’apres les manuscrits, les peintures et les monuments contemporains, Brüssel, 1847. – Quicherat, Histoire du Costume en France.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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