Stoffgewebe aus dem Schrein von Karl des Großen in Aachen.

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De la Châsse de Charlemagne. Aus dem Schrein von Karl des Großen in Aachen.

Aus dem Schrein von Karl des Großen in Aachen.

De la Châsse de Charlemagne.

Seit 1215 sind die Überreste Karls des Großen in einem goldenen Schrein begraben, der sich heute in der Mitte des Domchores befindet. Als Karl der Große beschloss, mit der Tradition des wandernden Hofes seiner Vorgänger zu brechen, entschied er sich, sich in der alten Bäderstadt Aachen niederzulassen. Er ordnete den Bau einer Kaiserpfalz mit Palast und Kapelle, der sogenannten Pfalzkapelle an. Am Ende des Palastes ließ er eine Kapelle bauen, die heute als einziger Teil erhalten geblieben ist und in den Dom integriert wurde. Als er starb, wurde Karl der Große in der Kapelle begraben und in den Sarkophag von Proserpina (römischer Marmorsarkophag) gelegt, den er aus Italien mitgebracht hatte. Danach erlebte der Dom sechs Jahrhunderte lang die Krönungen der deutschen Kaiser.

1165 wurden die Überreste Karls des Großen von Kaiser Friedrich Barbarossa aus seinem Sarkophag genommen, nachdem er seine Heiligsprechung durch den Gegenpapst Paschalis III., erhalten hatte. Im Jahr 1215 erhielt ein Gold- und Silberschrein die Reliquien Karls des Großen.

Über die Aufbewahrung der Reliquien.

Wie die Etymologie andeutet, ist der Schrein aus der lateinischen Capsa vor allem eine „Truhe“, eine „Kiste“, die so etwa die ursprüngliche Form des Sarges beibehalten hat. Wenn die Frömmigkeit der Gläubigen durch Spenden ausreichend zum Ausdruck gebracht wurde, werden diese Truhen seit dem dreizehnten Jahrhundert häufig mit Silberplaketten und anderen wertvollen Dekorationselementen angereichert, die die Herrlichkeit des Heiligen zum Ausdruck bringen sollen. Manchmal werden auch farbige Lacke verwendet. Später wurden die Särge dann ganz aus Metall gefertigt. Die Ikonographie, die verwendet werden kann, stammt aus dem, was über das Leben des Heiligen bekannt ist oder geglaubt wird, sowie aus anderen traditionellen religiösen Darstellungen, die den Kult des Heiligen in seinem theologischen Kontext neu umrahmen, um heidnische Missbräuche zu vermeiden.

Seit dem Mittelalter ist die Erhöhung eines Leibes in einem Schrein der letzte Schritt im offiziellen Prozess der Heiligsprechung durch die Kirche. Im Gegensatz zu anderen kleineren Reliquien, die nur einen oder wenige Knochen oder sogar eine Sammlung von Knochen mehrerer Heiliger enthalten, bedeutet die Existenz eines Schreins an sich die vollständige und ausschließliche physische Präsenz des Körpers eines Heiligen, der die religiöse und zivile Gemeinschaft, unter der er ruht, bis zur Auferstehung des Weltgerichts besonders schützt.

In Gegenwart seiner Reliquien werden Gebete an den Heiligen gerichtet, von denen man entweder einfache geistliche Gefälligkeiten oder sogar Wunder erwartet. Die Kirche legt fest, dass die Anbetung des Heiligen (dulie) nicht von der gleichen Art ist wie die, die Gott (latria) gegeben wurde.

Der Schrein wird manchmal in der Prozession durch die Stadt oder sogar in der Umgebung zu festen Terminen getragen, besonders am Heiligentag oder an den Jahrestagen anderer Veranstaltungen. Außergewöhnliche Prozessionen finden auch im Falle einer schweren Krise statt, wenn die Gemeinschaft, die sie führt, z.B. durch eine Epidemie oder eine Belagerung bedroht ist.

Der Schrein eines Schutzpatrons ist das geistige Gut der gesamten zivilen und religiösen Gemeinschaft, die er schützt. Wie wir zum Beispiel 1725 anlässlich des regnerischen Sommers, der die Ernten beeinträchtigte, sehen können, wurden die Schreine von Saint Genevieve in Paris und Saint Scholastica in Le Mans dann in Prozession getragen; in Paris im Auftrag des Parlaments und in Le Mans im Auftrag des Bischofs

Aachener Heiligtumfahrt.

Die Pilgerfahrt nach Aachen (Aachener Heiligtumfahrt oder Aachenfahrt) findet alle sieben Jahre statt. Die Pilger kommen hierher, um die Reliquien zu verehren, die im Marienschrein (dem Schrein der Seligen Jungfrau Maria) ruhen. Vier von ihnen werden als die vier großen Aachener Heiligtümer bezeichnet. Es handelt sich dabei das Kleid Mariens, die Windeln Jesu, das Lendentuch Jesu und das Enthauptungstuch des Johannes des Täufers.

Quelle: Dictionnaire raisonné du mobilier français de l’époque carlovingienne à la Renaissance de Eugène-Emmanuel Viollet-le-Duc. Paris: Vve. A. Morel 1871.

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