Uniformen der französischen und Schweizer Garden des 18. Jh.

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Uniformen – Französische und Schweizer Garden. Frankreich 18. Jahrhundert.

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FRANKREICH XVIII. JAHRHUNDERT.

UNIFORMEN – FRANZÖSISCHE UND SCHWEIZER GARDEN.

Nr. 1. Tambour der französischen Garde, 1724. – Nr. 2, Offizier der Schweizergarde in kleiner Uniform, 1757. – Nr. 3. Soldat der französischen Garde in grosser Uniform, 1757. – Nr. 4, Offizier derselben Truppe und aus derselben Zeit in kleiner Uniform. Nr. 5. Derselbe Offizier in grosser Uniform. Nr. 6. Invalider Offizier. – Nr. 7. Beckenschläger der französischen Garde, 1786. – Nr. 8. Oberst der französischen Garde, Marschall von Frankreich, 1786. Nr. 9. Stabsoffizier derselben Truppe in kleiner Uniform. Nr. 10. Offizier. Nr. 11. Grenadier. – Nr. 12. Korporal der Füsiliere; alle drei in grosser Uniform.

Während der ersten Hälfte der Regierung Ludwig XV. bot die Bekleidung der Armee nur wenig Verschiedenheiten. Die enge Hose und die Weste, der Überrock mit weiten Schössen, der grosse Dreispitz waren fast allen Truppengattungen gemeinsam. Nur durch die Farbe des Rocks und seiner Aufschläge, durch die Einfassungen, Litzen und Knopflöcherbesätze und durch die Farbe der aus Bändern gebildeten, am Hut getragenen Kokarde unterschieden sich die Regimenter von einander. Dunkelblau und hellrot waren die Farben des königlichen Hofstaats. Die französische Garde trug den blauen Überrock, dazu eine rote Weste und rote Strümpfe. Die Ordonnanzhose war bei kleiner Uniform blau, bei den Offizieren rot. Die Kokarde war schwarz.

Die Farben der Schweizergarden waren umgekehrt d. h. ihr Überrock war rot mit blauen Aufschlägen und Weste und Hose waren blau. Beide Garden hatten weisse Litzen. Die Offiziere der französischen Garden trugen goldene, die der Schweizergarden silberne Halskragen. Beide Garden bezogen gemeinsam die Wache bei dem Könige. Die französische Garde hatte jedoch das Vorrecht. Als nationale Truppe war sie so exklusiv, dass sie selbst nicht Leute aus den von Frankreich eroberten Ländern, wie aus dem Elsass, aufnahm. Der Hauptmann der französischen Garde hiess schlechtweg „der Gardekapitän“, während man den andern den „Hauptmann der Schweizergarde“ nannte.

Auf Antrieb des von Moritz von Sachsen beeinflussten Grafen von Argenson wurden in der Zeit von 1740 bis 1745 manche Veränderungen vollzogen. Es wurde eine strengere Uniformierung durchgesetzt und Bestimmungen über grosse und kleine Uniform aufgestellt. Die Garden trugen die Gamaschen von weisser Leinwand mit schwarzen Knöpfen nur im Felde. In grosser Uniform trugen sie Strümpfe und Schnallenschuhe. Im allgemeinen hatte die Uniform der Fusstruppen einen einzigen Typus, der fünfzig Jahre hindurch bestehen blieb und sich erst änderte, als man um 1757 nach dem Vorbild der Kavallerie die Rockschösse aufzuklappen begann. D’Argenson führte die eng anliegenden Reithosen und die Tornister ein. Trotz mancher Reformen gelang es aber ihm und dem Marschall von Sachsen nicht, Zopf und Perücke aus der Armee zu verbannen.

Die französischen Garden trugen im Jahre 1757 einen Ledergürtel und ein Bandelier. Die Patronentasche hing rechts am Gürtel, der Säbel und die Bajonetscheide links. Die Offiziere trugen noch das Sponton, eine Pike.
Die Tambours der französischen Garde trugen als Überrock die Livree des Königs. Weste, Hosen und Strümpfe stimmten mit denen der Truppe überein.

Seit dem Tode Ludwig XIV. bis zum Jahre 1730 waren die noch dienstfähigen Invaliden in Compagnien geteilt, welche im Invalidenhotel in Paris und in den festen Plätzen des Königreichs ihre Garnisonen hatten. Es gab 178 Compagnien mit 13,792 Mann Effektivstärke einschliesslich der Offiziere. Im Jahre 1731 wurde verordnet, dass die Lehrer für die Trompeter aus der Zahl der Invaliden genommen werden sollten. Im Invalidenhotel wurde eine Schule eingerichtet.

Unter Ludwig XVI. wurde die Uniform der französischen Garden durch eine neue Ordonnanz modifiziert. Puder und Zopf wurden abgeschafft. Nur die Grenadiere der französischen und Schweizer-Garden behielten die Pelzmützen. Die Epaulettes waren 1762 angeordnet worden. Im Jahre 1768 wurden sie jedoch erst mit Frangen versehen. Die Weste behielt auch fernerhin die rote Farbe. Das Lederzeug wurde geweisst; die Litzen blieben ebenfalls weiss. Auch die Hose und die Kokarde wurden weiss. Im Sommer waren die Gamaschen weiss, im Winter von schwarzem Tuch. Die Kopfbedeckung, ein Hut mit Spitze, stimmt mit der der Zivilisten überein. Sie war nur durch die Kokarde und einen Busch von Wolle unterschieden.

In Folge der Verordnung vom 27. Juli 1777 wurde das französische Garderegiment von einem Oberst, Marschall von Frankreich, kommandiert. Die Offiziere dieser Truppe und der Schweizergarde trugen allein noch das Sponton. In kleiner Uniform trugen sie jedoch auch Flinte und Patronentasche. Sie hatten silberne Galons. Das Regiment hatte sechzehn Spielleute, darunter zwei schwarze Beckenschläger.

Nach Originalen im Kriegsdepot und nach gleichzeitigen Stichen und Zeichnungen. Vgl. Marbot und de Noirmoni. Les Costumes militaires en France und Quicherat, Histoire du Costume en France.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Herausgegeben von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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