Siegfried Drachentöter. Nibelungen.

Siegfried, Rheingold, Ring des Nibelungen, Richard Wagner,
Siegfried. Das Rheingold. Ring des Nibelungen. Richard Wagner.

Siegfried.

Kostümentwurf für Der Ring des Nibelungen.

Das Rheingold.

SIEGFRIED. In dem leuchtenden Wälsungenspross verkörpert sich der grösste Held germanischer Volkssagen. Als Kind der Wildniss aufgewachsen, tritt er in Waldkleidung auf, ein silbernes Horn an silberner Kette hängt ihm im Gürtel.

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Ein blauer Mantel, das Symbol seines Wotanbluts, umflattert seine Jugendgestalt. Jauchzend schwingt er das Schwert Nothung, das er zu Spähnen zerfeilt und neu geschmiedet, das Schwert, das Mimes langerprobten Künsten widerstanden hat.

Quelle: Das Rheingold aus der Oper Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Kostümentwürfe für den ersten Ring-Zyklus von Prof. Carl Emil Doepler, 1876. Uraufführung am 22. September 1869 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München.

Richard Wagner verwendete die Legenden um Siegfried/Sigurd in seinen Opern Siegfried und Götterdämmerung (Der Ring des Nibelungen, entstanden zwischen 1848 und 1874). Wagner stützte sich bei seiner Version von Siegfried stark auf die nordische Tradition. Die Sigurd-Sage ist die Grundlage von Siegfried und trägt zu den Geschichten von Die Walküre und Götterdämmerung bei. Seine Darstellung des Helden hat viele spätere Darstellungen beeinflusst.

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Siegfrieds Geschichte ist erstmals auf einer Reihe von Schnitzereien aus dem elften Jahrhundert bezeugt, darunter Runensteine aus Schweden und Steinkreuze von den britischen Inseln. Sowohl in der nordischen als auch in der germanischen Tradition stirbt Siegfried als Folge eines Streits zwischen seiner Frau (Gudrun/Kriemhild) und einer anderen Frau, Brunhild, die er mit einem Trick dazu gebracht hat, den Burgunderkönig Gunnar/Gunther zu heiraten.

Auch der Drachentod und der Besitz des Nibelungenschatzes sind beiden Überlieferungen gemeinsam. In anderen Punkten scheinen sich die beiden Traditionen jedoch zu unterscheiden. Die wichtigsten Werke, in denen Siegfried vorkommt, sind das Nibelungenlied, die Völsunga-Saga und die Poetische Edda. Er taucht auch in zahlreichen anderen Werken aus Deutschland und Skandinavien auf, darunter eine Reihe von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen skandinavischen Balladen.

Die normale Form von Siegfried im Mittelhochdeutschen ist Sîvrit oder Sîfrit, wobei das *sigi- Element kontrahiert wird. Diese Form des Namens war seit dem neunten Jahrhundert auch außerhalb der Heldendichtung gebräuchlich, obwohl auch die Form Sigevrit bezeugt ist, ebenso wie das mittelniederländische Zegevrijt. Im Frühneuhochdeutschen entwickelt sich der Name zu Seyfrid oder Seufrid (buchstabiert Sewfrid). Die moderne Form Siegfried ist bis zum siebzehnten Jahrhundert nicht häufig belegt, danach wird sie häufiger. In der modernen Wissenschaft wird manchmal die Form Sigfrid verwendet.

Anders als viele Figuren der germanischen Heldentradition lässt sich Sigurd nicht ohne weiteres mit einer historischen Figur identifizieren. Die populärste Theorie besagt, dass Siegfried/Sigurd auf eine oder mehrere Figuren der Merowinger-Dynastie der Franken zurückgeht: Die Merowinger hatten mehrere Könige, deren Name mit dem Element *sigi- begann. Insbesondere die Ermordung von Sigebert I. (gest. 575), der mit Brunhilda von Austrasien verheiratet war, wird oft als wahrscheinliche Inspiration für die Figur angeführt, eine Theorie, die erstmals 1613 aufgestellt wurde

Sigibert wurde von seinem Bruder Chilperich I. auf Betreiben von Chilperichs Frau, der Königin Fredegunda, ermordet. Wenn diese Theorie zutrifft, dann scheinen in der Legende Fredegunda und Brunhilda die Rollen getauscht zu haben, während Chilperich durch Gunther ersetzt wurde.

Das Nibelungenlied liefert zwei widersprüchliche Beschreibungen von Siegfrieds Jugend. Auf der Ebene der Haupthandlung wird Siegfried in Xanten von seinem Vater, König Siegmund, und seiner Mutter Sieglind eine höfische Erziehung zuteil. Als er jedoch nach Worms, der Hauptstadt des Burgunderreiches, kommt, um die Prinzessin Kriemhild zu umwerben, erzählt der burgundische Vasall Hagen von Tronje eine andere Geschichte von Siegfrieds Jugend: Laut Hagen war Siegfried ein wandernder Krieger (mittelhochdeutsch recke), der den Nibelungenhort sowie das Schwert Balmung und eine Tarnkappe, die die Kraft des Trägers verzwölffacht, gewann.

Er erzählt auch eine nicht damit zusammenhängende Geschichte darüber, wie Siegfried einen Drachen tötete, in seinem Blut badete und dadurch eine Haut so hart wie Horn erhielt, die ihn unverwundbar machte. Von den Abenteuern des jungen Siegfried werden nur diejenigen erwähnt, die für den Rest der Geschichte direkt relevant sind.

Die so genannte Prosa-Edda von Snorri Sturluson ist das früheste nicht-bildliche Zeugnis der skandinavischen Version von Siegfried/Sigurds Leben und stammt aus der Zeit um 1220. Snorri erzählt die Geschichte von Siegfried in mehreren Kapiteln des Skáldskaparsmál genannten Teils des Gedichts nach. Seine Darstellung der Geschichte ist der in der Völsunga-Saga sehr ähnlich, aber wesentlich kürzer. In dieser Version wird Siegfrieds Rache für den Tod seines Vaters nicht erwähnt. Der Text gibt an, dass Sigurd an einem Ort namens „Thjod“ aufgewachsen ist.

Die Völsunga-Saga ist neben der Poetischen Edda die ausführlichste Darstellung von Siegfrieds Leben in der deutschen oder skandinavischen Tradition. Sie folgt ziemlich genau der Handlung der Poetischen Edda, obwohl es keinen Hinweis darauf gibt, dass der Autor den anderen Text kannte. Der Autor scheint in Norwegen tätig gewesen zu sein und die Thidrekssaga gekannt zu haben, weshalb die Völsunga Saga in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts datiert wird.

In der Saga wird der geografische Ort von Siegfrieds Leben von Deutschland nach Skandinavien verlegt. Die Saga steht in Verbindung mit einer zweiten Saga, Ragnars Saga Loðbrókar, die im Manuskript auf sie folgt, indem Ragnar Lodbrok Aslaug, die Tochter von Siegfried und Brynhild, heiratet.

Auf der Grundlage des Gedichts Atlakviða wird allgemein angenommen, dass Siegfried ursprünglich nicht mit der Geschichte der Vernichtung der Burgunder durch Attila (altnordisch Atli, mittelhochdeutsch Etzel) in Verbindung stand. Der früheste Text, der diese Verbindung herstellt, ist das Nibelungenlied (um 1200); die Kombination scheint jedoch älter zu sein, aber es ist schwer zu sagen, um wie viel. In der deutschen Tradition führte diese Verbindung dazu, dass die Rolle der Witwe Siegfrieds von der Rächerin ihrer Brüder zur Rächerin ihres Mannes an ihren Brüdern wurde, wiederum irgendwann vor der Abfassung des Nibelungenliedes.

Ursprünglich war die moderne Rezeption des Siegfried in Deutschland von einer sentimentalen Sichtweise der Figur geprägt, die sich in den vielen Gemälden und Bildern dieser Zeit zeigt, die den Abschied Siegfrieds von Kriemhild, die erste Begegnung von Siegfried und Kriemhild, ihre Hochzeit usw. darstellen. Ein nationalistischer Ton und der Versuch, Siegfried zu einer nationalen Ikone und einem nationalen Symbol zu machen, war jedoch bereits in den Versuchen vorhanden, Siegfried mit dem historischen Arminius in Verbindung zu bringen, der in Deutschland bereits seit dem sechzehnten Jahrhundert als Nationalheld etabliert war.

Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871) wurde die deutsche Sicht auf Siegfried nationalistischer: Siegfried wurde als identitätsstiftende epische Figur für das neue Deutsche Reich gesehen und sein Wiederschmieden des väterlichen Schwertes in nordischer Tradition wurde mit der „Wiedervereinigung“ der deutschen Nation durch Otto von Bismarck gleichgesetzt.

Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Gemälde, Denkmäler und Brunnen, die Siegfried darstellen. Nach der Niederlage des kaiserlichen Deutschlands im Ersten Weltkrieg wurde die Ermordung Siegfrieds durch Hagen ausgiebig in der rechten Propaganda verwendet, die behauptete, dass linke deutsche Politiker der unbesiegten deutschen Armee in den Rücken gefallen seien, indem sie einem Waffenstillstand zugestimmt hätten. Dieser Vergleich wurde von Adolf Hitler in Mein Kampf und von Paul von Hindenburg in seinem politischen Testament ausdrücklich gezogen.

Die nationalsozialistische Propaganda benutzte Siegfried, um „die Eigenschaften gesunder und männlicher deutscher Männer zu symbolisieren“. Die Ermordung Siegfrieds durch Hagen wurde außerdem zur Veranschaulichung der nationalsozialistischen Rassentheorien über die angeborene Schlechtigkeit bestimmter „nicht-deutscher“ Rassen verwendet, zu denen Hagen, der typischerweise als dunkel dargestellt wurde, gehörte.

Die nordische Überlieferung über Sigurd, die als „ursprünglicher“ und germanischer angesehen wurde, ersetzte in vielerlei Hinsicht die direkte Auseinandersetzung mit dem deutschen Nibelungenlied und hatte großen Einfluss auf die Konzeption der Siegfried-Figur in Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen (1874). Wagners Siegfried-Darstellung sollte das Bild, das sich das moderne Publikum von der Figur macht, stark beeinflussen. Außerhalb Deutschlands und Skandinaviens ist die Rezeption von Sigurd vor allem durch seine Darstellung in Wagners Ring vermittelt oder zumindest beeinflusst worden.

burg, illustration,

Die Nibelungen. Das Sagen-Epos des Nibelungenlieds von Michael Köhlmeier.

„Wie jede Sage, wie jedes Märchen löst sich auch die Geschichte von Siegfried und Kriemhild, von Gunther und Brunhield, von Hagen und den anderen in der Gegenwart ein. Das heißt: Sie erzählt uns von heute.“ Michael Köhlmeier

Sagen des klassischen Altertums. Die griechischen Mythen - Geschichten von Liebe, Mord und Eifersucht. Von Michael Köhlmeier.

Die Nibelungen: Sage – Epos – Mythos. Von Joachim Heinzle.

Der Aufsatzband mit 28 Beiträgen zum Nibelungenlied ist zeitgleich mit dem Begleitband zur großen Nibelungenausstellung in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe anläßlich der Erwerbung der Nibelungenhandschrift C (Karlsruhe, Bad. LB, Codex Donaueschingen 63) erschienen. Er gibt den aktuellen Forschungsstand zu den vielfältigen Fragen zum Gesamtkomplex Nibelungenlied wieder.


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