Sommersaal. Darstellung eines reichen Haushaltes in Kairo, Ägypten.

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Sommersaal eines reichen moslemischen Hauses in Kairo.

INNERES EINES REICHEN HAUSES IN KAIRO. SAAL ZUR ERFRISCHUNG IM SOMMER.

Grundriss, Haus, Kairo
Grundriss eines wohlhabenden Hauses in Kairo.

GRUNDRISS DES ERDGESCHOSSES.

A. Grosser Saal für den Sommer mit Springbrunnen und Bassin.
B. Eingang zum Hause.
C. Hof.
D. Kiosk.
E. Fremdenzimmer.
F. Dienstbotenzimmer.
G. Stallungen.
H. Treppe zur Wohnung des Herrn.
I. Eingang zum Harem.
K. Kleiner Hof.
K. Küche.

Alle Häuser wohlhabender Privatleute in Kairo haben ungefähr dieselbe Disposition der inneren Räume. Die Eingangstür wird von einem Türsteher gehütet, dessen Wohnung das Vestibül bildet. Zum Betreten des Hofes gibt es zwei Türen, die eine für die Männer, die andere für die Frauen. . „Die Frauen im Orient werden nicht unter Verschluss gehalten, aber sie werden von den Männern getrennt. Wie den griechischen Frauen im Altertum, steht es ihnen frei, das Frauengemach zu, verlassen, aber den Männern ist nicht gestattet, dasselbe zu betreten.“ (Ampère, Voyage en Égypte et en Nubie.) Das Haus ist gewöhnlich zwei oder drei Stockwerke hoch. Das Erdgeschoss besteht aus einem Hofe, einem Zimmer für die Fremden, einem grossen Saal zur Erfrischung im Sommer, der Küche und einigen Wirtschaftsräumen.

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Durchschnitt des Sommer-Saales

Durchschnitt des Sommer-Saales in obigem Plan; nach Pascal Coste,

Im ersten Stockwerk empfängt der Hausherr die Besuche. Das zweite und dritte gehört den Frauen; im obersten Stockwerk befindet sich stets der Festsaal. Die einzelnen Räume eines Stockwerks liegen selten in gleicher Ebene. Man hat immer einige Stufen zu steigen, um aus einem Raum in den anderen zu gelangen. Der orientalische Luxus offenbart sich in seinem vollen Glanze nur im Innern der Häuser, namentlich in der Dekoration des Sommersaales, von welchem wir einen Durchschnitt geben.

Die Wohltat eines solchen Raumes ist besonders in einer Stadt wie Kairo zu schätzen, deren Temperatur höher ist als die der meisten unter demselben Breitengrade gelegenen Orte. Über die Zeit, wo der Chamsin („Wind der fünfzig Tage“, ein aus Südosten kommender Wüstenwind) weht, schreibt Gérard de Narval in den Scènes de la vie orientale folgendes: „Seit dem Morgen war die Luft glühend und mit Staub angefüllt. Fünfzig Tage hindurch, jedesmal, wenn der Wind aus Süden kommt, ist es unmöglich, vor drei Uhr Nachmittags auszugehen. Um diese Zeit erhebt sich nämlich die Brise von der See. Man hält sich in den unteren, mit Faience- und Marmorplatten bekleideten Gemächern auf, die durch Fontainen abgekühlt werden. Auch kann man den Tag im Bade zubringen.“ In seiner Description de l’Égypte sagt de Chabrol: „In den kühlsten Zimmern, selbst in Unterägypten, hält sich das Thermometer während der Monate Juli und August auf 24 bis 25 Grad Réaumur.“

Der Sommersaal wird durch einen Hof gebildet, der mit einer hölzernen, durchbrochenen Kuppel bedeckt ist. Dieselbe ist so hoch, dass die Sonne nicht eindringen und die Luft ungehindert durch die Öffnungen der Kuppel einströmen kann. Unter dem hohen Dache ist ein Marmorbassin mit springenden Wassern angelegt. Die Seitenflügel dieses Hofes haben, wie aus dem Durchschnitt ersichtlich ist, weit niedrigere Decken.

Unsere Ansicht ist einem der verlassenen Häuser des alten Kairo entnommen, welches zu drei Vierteilen in Trümmern liegt. Hier haben sich aber noch einige Wohnhäuser aus dem dreizehnten bis sechszehnten Jahrhundert erhalten, die mit Marmormosaiken, mit emaillierten Fliesen, mit Stuckornament, mit Friesen, Koransprüchen und Stalaktiten verziert sind. In solchen Räumen spielten die Erzählungen von Tausend und eine Nacht, deren jetzige Fassung man dem Anfang des sechszehnten Jahrhunderts zuschreibt. Der künstlerische Verfall Kairos beginnt mit der Eroberung der Stadt durch die Türken.

(Nach einer Photographie. Aquarell von Stephan Baron. Vgl. für den Text: P. Coste, Architecture arabe ou Monuments du Caire, Paris)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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