Die östlichen Deutschen im Spreewald. Sorben, Wenden.


Kultur der Sorben, Wenden im Spreewald.  Kultur,- und Modegeschichte. Oberlausitz, Sorbische Tracht, Buntstickerei, Hochzeit, Trauer, Architektur.
Überblick der Kultur der Sorben, Wenden im Spreewald.
  1. 2. 21. 25. Buntstickerei auf handtuchartigen Leinenschärpen. 3. Sorbische Tracht des 18. Jahrhunderts. 4. Sorbische Trauertracht des 18. Jahrhunderts. 5. Hochzeit in Burg, Kahnfahrt zur Trauung. 6. Spinnen aus der Hand. 7. Spinnrocken. 8. Wiege. 9. Alte Form der Schweineställe. 10. Untersatz aus gebranntem Ton für das Plätteisen. 11. Dudelsack. 12. Trauernde Niedersorbin mit Plachta. 13. Schlangenköpfe auf einem Hoftor. 14. Fensterbemalung. 15. Stall und Speicher mit „Gang“ in Burg. 16. Wohngebäude in Ralbitz, (Oberlausitz). 17. Alte Haustür mit Bemalung. 18. Verzierter Pfriemen aus Horn. 19. Kuhhorn als Wurststopfer. 20. Klebebrett für den Lehmbewurf. 22. Begräbnis im Winter. 23. Schnarre. 24. Klapper.

Die Spreewäldler.

Den zur Zeit der Völkerwanderung aus ihren Sitzen zwischen Elbe und Weichsel west- und südwärts abziehenden Germanen folgten die Slaven in das, wenn nicht ganz, so doch von großen germanischen Volksteilen verlassene Land. Mit der staatlichen Einigung der Germanen um die Wende des 8. Jahrhunderts begann deren Rückwanderung und unter Kämpfen die Wiedereinnahme der alten Heimat, ohne daß sie ihnen freilich im vollen Umfange gelang. Im Osten blieb das geschlossene slavische Siedlungsgebiet Polens außerhalb der politischen Grenzen, während die kulturellen Einflüsse über diese hinausgriffen, im Innern des Landes erhielten sich lange Zeit, wenn auch dauernd abbröckelnd, vereinzelte Sprachinseln, so u. a. im Spreewald die der Sorben. Durch Kulturmischung sind diese nahezu assimiliert, immerhin erhielt sich manches der östlichen Formensprache, so ist die slavische Herkunft der Buntstickereien auf Leinenschärpen, die von den Brautbittern getragen, auch als Stubenschmuck zum Empfang der Braut über die Tür gehängt wurden, unverkennbar, wobei natürlich der Osten wiederum Durchgangsland für den Orient und seine Teppiche gewesen ist.

Die Sorben siedeln in Straßen- oder in Angerdörfern, die einen freien Anger oder Grasplatz zwischen Straße und Häusern freilassen, oder in Rundlingen; im wasserreichen, von vielen Spreearmen und Kanälen durchzogenen Bruch des eigentlichen Spreewaldes, der im Sommer nur auf Kähnen, im Winter auf Schlitten und Schlittschuhen zugänglich ist, in zerstreut liegenden Gehöften. Ein Latten- oder Bretterzaun umzieht den Hof, in welchem das Wohnhaus mit dem Giebel nach der Straße, außerdem Stall und Scheune liegen, wenn nicht bei ärmeren Verhältnissen alle Räume, die Stube, Futterkammern, Schuppen, Stall unter einem Dache vereinigt sind. Die Häuser waren früher stets aus Holz und so sorgfältig gebaut, daß man die nötigen Erlen- und Fichtenstämme bis dreißig Jahre im Wasser liegen ließ, um es genügend zu durchsäuern und wurmfest zu machen. Auf feuchtem Boden legte man den Rahmen auf einen Sockel von großen Steinen. Die Balken der Wände waren unbehauen, rund oder eckig behauen, die Ritzen mit Werg oder Moos verstopft. Die Tür ist quergeteilt, als Treppe zum Boden kommt noch der Baumstamm mit eingehauenen Kerben vor. Das Dach war früher ausschließlich mit Stroh, auch mit Rohr und Schilf gedeckt, an den Giebeln durch Windlatten abgeschlossen, durch stern-, kreuz-, knüppelförmige oder doppelköpfige (Vögel, Schlangen) Aufsätze verziert.

Außer Holzbauten kommen auch lehmbeworfene Fachwerk-, jetzt zunehmend massive Häuser vor. Im Grundriss herrscht die Dreiteilung. Der Ofen wurde früher von einem vorgelagerten Ofenloch aus geheizt, das mit dem Rauchfang in Verbindung stand; dieser war aus Holzstangen, die übereinander gelegt und mit Lehm beschmiert und ausgestrichen wurden. Die Innenwände wurden mit Lehm beworfen, ein“ Klebebrett“ mit 513 Zinken ritzte den Lehm in wellenförmige Linien, damit der Kalkbewurf besser saß. Tür- und Fensterrahmen bemalte man gern mit roten Wellenlinien. In alten Häusern findet man noch Holzschlösser und Holzriegel.

Bei manchen Häusern springt eine Ecke rechtwinklig ein und wird in Dachhöhe von einem Balkon durchzogen oder ein offener Laubengang unterbricht das erste Geschoß. Das ist namentlich bei älteren Speichern der Fall, die Wasch-, Back-, Futter-, Stall-, Milch-, Wirtschafts- und Schlafraum der Magd enthalten und einen durch äußere Treppen zugänglichen Laubengang mit Geländer aus zwei Querbalken und zierlichen Kreuzen („Schwertchen“) dazwischen. Diese Laubengänge erinnern oft so stark an oberdeutsche Verhältnisse, zum Teil an die Umgänge der Burgund Stadtmauern, daß ich nicht an slavischen Ursprung glaube. Eine eigentümliche, jetzt verschwundene Form von Schweineställen ist gleichsam die kleinere Nachbildung eines Hauses, ein Giebeldach von Stroh oder Schindeln deckt einen Rechteckbau, den ein Mittelgang in zwei Teile teilt; die Koben rechts und links von ihm werden vom Flur ausgefüllt.

Die Hauseinrichtung bestand einst aus Ofenbank, Tisch, Schemel, Laden, Tellerbrettern. Kienspäne brannten auf Steinen, die man ins Ofenloch legte. Die alte Wiege war ein Holzgestell aus drei Stäben mit einem Grastuch. In den Häusern der Dorfvorsteher (Schulzen) sah man früher den Schulzenstock und den hammer-, keulen-, haken- oder tafelförmigen Gemeindestab, der bei amtlichen Mitteilungen von Haus zu Haus weitergegeben wurde. Backnäpfe und Kochtöpfe waren lange aus Steingut, ebenso gelöcherte Untersätze für das Plätteisen. Holz, Buchenrinde (für Kornschwingen, Futtersiebe und Eimer), Weidenruten (für Salznäpfe und für Körbe), Steine (zum Pressen der Käsernasse), Knochen (zum Glätten der Wäsche und des Leders, für Schlittschuhe), Hirschgeweih und Horn (für Pfriemen, Flechtstäbe, Wurststopfer, Laternen, von denen sowohl das Gestell wie die Scheiben – wie in China – aus Horn waren; Kuhhorn wurde dazu erwärmt und flachgezogen). Lindenbast und Rüsternrinde (für Stricke) erhielten die natürlichen Rohstoffe der Umwelt aus urtümlichen Zeiten bis in das 19. Jahrhundert. Einbäume waren bis vor kurzem in Gebrauch. Gesponnen wurde aus der Hand und mit dem Rad, noch immer gibt es Reste der einstigen Spinnstuben mit ihrem spiel- und gesangfrohen Gewohnheitsrecht als Zeugen vergangenen Sippenbewusstseins und Gemeinschaftslebens.

Von altertümlichen Formen der Musikinstrumente erhielt sich der Dudelsack aus Ziegenfell oder Leder, bei den Kindern die Schnarre und die Klapper, die das in Atmung und Blut bedingte urhafte Drängen nach Takt und Rhythmus durch die Zeiten hindurch getragen haben. In der Volkstracht spiegelten sich wie überall die wechselnden Moden des städtischen Europas. Das flügelartige Kopftuch auf gesteifter Unterlage wechselt nach Dorf- und Kirchspiel und ist verschieden, je nachdem die Frau tief oder halb trauert, zur Kirche geht, zum Abendmahl geht, Besuche macht und dgl. Das große, weiße Umhängetuch, die Plachta, ist verschwunden. In abseits lebenden Landbevölkerungen erhält sich geistiges Gut unter der Decke kirchlicher Glaubensformen, so auch im Spreewald. Die alten emanistischen Geistkräfte wirken im Hufeisen, das über der Tür angenagelt, im Kranz aus neunerlei Blumen und Kräutern, den man zur Sommersonnenwende windet und an die Stuben decke hängt. Verbote und Gebote schützen gegen die Eingriffe boshafter Elementarwesen und neidischer Seelen das Haus und den Menschen.

Literatur: Tetzner, „Die Slaven in Deutschland“. W. v. Schulenburg, „Das Spreewaldhaus“ in Zeitschr. f. Ethnologie, Bd. 18, 123.

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