SPANIEN. DIE ANDALUSISCHE WOHNUNG.

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DIE ANDALUSISCHE WOHNUNG. TYPUS EINES BÜRGERLICHEN HAUSES. DIE KAMMER. DER PATIO. DIE STRASSE.

SPANIEN. DIE ANDALUSISCHE WOHNUNG.

TYPUS EINES BÜRGERLICHEN HAUSES. DIE KAMMER. DER PATIO. DIE STRASSE. VOLKSTRACHTEN.
(Doppeltafel.)

Abbildungen:
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Der Patio, der Hof des spanischen Hauses, ist ein von Gebäuden umschlossenes Rechteck; in der Mitte offen; ist er von Galerien umgeben, die durch ein schräges Dach geschützt sind. Ein Bassin ist zur Aufnahme des Regenwassers bestimmt. Der ganze Hof wird ebenso wie die Strassen durch ausgespannte Velarien gegen die Sonne geschützt.

Der Patio ist der gemeinsame Versammlungsort der verschiedenen Bewohner eines Mietshauses, dessen erstes Stockwerk sich nach der umlaufenden Galerie hinaus meist mit bis auf den Boden reichenden Fenstern öffnet. Der auf unserer Tafel abgebildete Hof gehört zu einer sogenannten Casa de Pupillos oder Huéspedes, einem Pensionat mittleren Ranges, etwa einem Hotel Garni entsprechend. Die Zimmer haben sämtlich einen Fussboden aus gebrannten Ziegeln, eine Decke aus Balkenlagen. Die Möbel, Stühle und Sofas bestehen aus Holz mit Rohrgeflecht. Die Wände sind mit Kalk geweisst und mit einem venezianischen Spiegel und einigen Lithographien dekoriert. Als Heizmittel dient im Winter der Brasero, ein grosses mit Kohlen gefülltes Metallbecken. Das Bett steht meist in einem durch einen Vorhang verdeckten Alkoven.

Die obere, sich um den patio ziehende Galerie ist ausserordentlich tief, auf ihrem kühlen Ziegelpflaster hält der Spanier gewöhnlich seine Siesta.
Auch die Aussenarchitektur der Häuser zeigt überall das Bestreben, die unangenehmen Wirkungen der Sonne zu vermeiden, ohne Licht und Luft auszuschliessen. Dazu dienen die scheibenlosen Fenster, die Doppeltüren, deren oberes Getäfel sich nach innen öffnet, der lichte, rosenfarbene, hellgrüne oder gelbe Maueranstrich.
Die unten dargestellten Trachten gehören den Provinzen Alt- und Neukastilien, la Mancha und Valencia an.

Nr. 1. – Bauer aus der Umgegend von Toledo. Runder Hut, Tuchweste mit Passementierung aus Samet oder Kattun.
Nr. 2 u. 3. – Maultierhändler mit Knecht; Provinz la Mancha.
Nr. 4. – Kleines Mädchen aus Castillon; Provinz Valencia.
Nr. 5. – Arriero, Kärrner; dieselbe Provinz.
Nr. 6. – Reisbauer aus Cullera; dieselbe Provinz.
Die letzten beiden Kostüme haben typische Eigenschaften. während die Verschiedenheiten sich aus der Beschäftigung ergeben. Beide tragen fusslose Wadenstrümpfe aus Wolle und die Alpargatas oder Espardines aus geflochtenem Bast. Auf ihrer Schulter ruht die Capa de Muestra, ein langes, bunt farbiges Wolltuch, das man in der mannigfachsten Weise arrangiert und benutzt.
Das Hemd ist durch einen Doppelknopf am Hals zusammengehalten, und als Gürtel dient die seidene oder wollene Faja. Der Arriero trägt Hose und Jacke; sein von einem Seidentuch umhüllter Kopf ist mit dem flachen, breit randigen Hut bedeckt. Der Reisbauer ist mit den leinenen, unterrockartigen Zaraguelles de Lienzo und einer Weste bekleidet. Auf dem Kopf hat er den hohen Strohhut mit schmaler Krempe, am Halse ein Scapulier, im Gürtel ein Pistol.
Nr. 7. – Maultiertreiber aus der Umgegend von Burgos. Sein Kostüm gleicht im Ganzen dem des Arriero. Er trägt den Dreispitz, el tricornio , mit der breiten Seite nach vorn.
Nr. 8. – Gitana. Weites, bequemes Mieder und Rock mit zwei oder drei Volants, wie ihn nur noch die Zigeunerinnen in Spanien beibehalten haben. Im Haar eine Blume oder eine grell farbige Schleife.

Die drei Architekturfragmente nach Aquarellen von Sabatier.

Nr, 1, 5, 6 u. 8 nach Photographien von Juan Laurent.

Nr. 7. Zeichnung von Lecomte. Nr. 2, 3 u. 4 Zeichnungen von Garcia, koloriert von Bastinos und Garcia,

Vgl. Theophil Gautier, Tra los Montes, 1843. Desbarolles, Deux artistes en Espagne, 1855.
Baron Davillier, L’Espagne, 1873.
L. Imbert, L’Espagne, splendeurs et misères, 1875.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Albert Charles Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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