Stechzeug des Kaisers Maximilian I. Meisterstück der Plattnerei.

Stechzeug , Ritter, Rüstung,  Kaiser, Maximilian I.,
Deutscher Stechzeug des Kaisers Maximilian I. Um 1470.

DEUTSCHER STECHZEUG DES KAISERS MAXIMILIAN I.

Dieser prachtvolle Stechzeug, wohl eines der merkwürdigsten Stücke der so reichen Waffensammlung des österreichischen Kaiserhauses, dürfte im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts geschlagen worden sein und besteht aus folgenden Stücken: aus dem schweren Stechhelm, der auf der rechten Seite mit einem schön ornamentierten, nach der Art eines gotischen Türleins geformten Luftgeber versehen ist. Vorne ist dieser schwere Helm mit dem unteren Teil des steifen Halses dreimal an das Bruststück geschraubt, während der Stechhelm rückwärts mit dem steifen Genick durch die sogenannte „Helmzagelschraube“ an dem ungemein zierlich gekehlten Rücken haftet, so dass Brust, Stechhelm und Rücken zu einem unbeweglichen Ganzen verbunden erscheinen, wie dies bei allen Stechzeugen der Fall ist; nur dadurch war es möglich, den Stoss mit einer Stechstange, die gewöhnlich die Stärke einer Wagendeichsel hatte, auszuhalten, weil sich die Kraft des auf den Helm oder auf die kleine, vor die linke Brustseite gebundene Tartsche gefallenen Stosses auf den ganzen Oberkörper verteilte der wieder durch den geschobenen Gesäßschurz, der am Sattelkissen aufstand, einen Rückhalt fand. Durch diesen geschobenen Gesäßschurz wurde auch der Zweck erreicht, dass der schwere Stechzeug weniger auf dem Manne als auf dem Sattel ruhte.

Die geschobenen und gekehlten Achseln mit den prächtigen, geriffelten, an den Orten gleich den Muscheln über den Armbeugen ornamentierten Hinterflügen hängen mittels Federzapfen an den eisernen Tragbändern des Brust- und Rückenstückes. Ein wahres Meisterstück der Plattnerei ist die schön getriebene Tatze der Zügelhand. Auf dem Rüsthaken ist das burgundische Kreuz eingehauen und gemahnt an den einstigen Besitzer, den hochgefeierten, ritterlichen Kaiser Maximilian I.

Zunächst dem schweren Hinterhaken sind an der Brust Spuren öfterer Versetzungen desselben zu erkennen. Die in der Mitte der Brust sichtbaren drei Lochreihen dienten sonder Zweifel zum Befestigen der Tartsche. Dieser Siechzeug, der sowohl zum „löblichen gemeinen deutschen Gestech“ als „zum Gestech im hohen Zeug mit geschlossenem Sattel“ gebraucht werden konnte, hat ein Gewicht von 68 Wiener Pfund *).

*) Ein Wiener Handelspfund entsprach etwa 560 Gramm.

Quelle: Die Waffensammlung des österreichischen Kaiserhauses im K. K. Artillerie-Arsenal-Museum in Wien. Herausgegeben von Quirin Leitner. Wien: H. Martin, 1866-1870.

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