Tanagra und Klein-Asien. Kleidung des antiken Griechenland.

Tanagra, Figuren, Griechenland, Antike, Kostüme, Kleidung
Frauen nach den Figuren aus Tanagra und Klein-Asien.

Frauen nach den Figuren aus Tanagra und Klein-Asien.

Tanagra ist eine Stadt und eine Gemeinde nördlich von Athen in Böotien, Griechenland. Der Sitz der Gemeinde ist die Stadt Schimatari. Es ist nicht weit von Theben entfernt und wurde im Altertum für die nach ihm benannten Figuren erwähnt. Die Tanagra-Figuren waren eine massenproduzierte, gegossene und gebrannte Art griechischer Terrakotta-Figuren aus dem späten vierten Jahrhundert v. Chr., hauptsächlich in Tanagra.

Anm.: In einer Folge von Vasenmalereien sind die verschiedenen Teile der weiblichen Tracht dargestellt worden.

Nr. 1. – Junge Frau, den Peplos oder das Himation drapierend. – Langes gelocktes Haar, über der Stirn einen Krobylos *) bildend; weisser Chiton ohne Ärmel.
Die Tonfigürchen aus Tanagra sind dem täglichen Leben, besonders der Frauen entlehnt und dienten als Zimmerschmuck, den man mit in die Grabkammer legte.
Das Hauptstück des Kostüms der griechischen Frau ist der Chiton, eine Art langen Hemdes, bald mit kurzen Ärmeln, bald in der Höhe der Schultern geschlitzt und durch Agraffen gehalten.
Der Gürtel wird bald um die Hüften, bald unterhalb des Busens getragen. Ausserhalb des Hauses trug die Frau das Himation, bald als Peplos, bald als Calyptra bezeichnet. Die letztere scheint kleiner und leichter gewesen zu sein, wahrscheinlich aus Leinenstoff.
Das Himation ist stets ein viereckiges Textilstück, in Theben fast immer weiss, in Tanagra meist rosa mit gelbem, Purpurnem oder schwarzem Rand.
Bei warmem Wetter liess die griechische Dame die Calyptra in der Höhe der Taille, nur durch die Arme gehalten, hinten frei flattern oder warf das eine Ende über die linke Schulter. Bei kaltem Wetter zog sie den oberen Rand der Calyptra über den Kopf und bedeckte mit demselben das Haar, die Stirn oder auch den grösseren Teil des Gesichtes, so dass nur Nase und Augen frei blieben. Das letztere Arrangement war hauptsächlich bei den Thebanerinnen Mode.

*) Eine Frisur für Männer und Frauen, die in der späten archaischen und frühklassischen Zeit beliebt war, bei der die Haare an der Halsbasis zusammengefasst, verdreht und unter der Rückseite der Taenie oder des Haarbandes gebunden wurden.

Nr. 2. – Tanagräerin in rosa Himation, in der linken Hand einen Fächer in Form eines Lotusblattes.

Nr. 3. – Junges Mädchen von Tanagra mit Fächer. – Der rosenfarbene Peplos mit breitem blauem Rande lässt den rechten Arm frei und bedeckt den linken, der auf der Hüfte ruht. Haar rot gemalt und in einen Knoten geschlungen.

Nr. 4. – Junges Mädchen von Tanagra. – Die Hände unter dem weiten Himation, Gelbe Schuhe mit roter Sohle.

Das Himation ist schleierartig über den Kopf gezogen und von einem Hut mit breiten Rändern bedeckt. Der letztere ist die thessalische Causia, der Heliosteres bei Sophokles, eine Art Reisehut.

Nr. 5. – Junges Mädchen, in der linken Hand eine offene, rot bemalte Spiegelkapsel. Ihr Peplos bildet einen Schleier und legt sich bindenartig um die Stirn.

Nr. 6. – Junge Tanagräerin, deren rotes Haar mit Epheuranken durchwunden ist. – Die rechte Hand hält den Fächer. Lichtblauer Mantel, den Körper bis zur Brust einhüllend. Gelbe Schuhe mit roten Sohlen.

Nr.7. – Junges Mädchen von Tanagra mit Diadem. – Chiton und Himation. Die Lippen rot. Die Haare braun.

Nr. 8. – Gruppe zweier junger Mädchen in Umarmung. – Die Figur links, mit dem rosenfarbenen Himation Kopf und Gesicht einhüllend, blickt auf ihre Gefährtin; die Figur rechts, den Körper bis zur Brust mit dem blauen Himation bedeckt, hält einen Ball in der linken Hand. Ihre Haare sind geflochten und kranzartig um den Knoten gelegt. Die Lippen rot bemalt.

Nr. 9. – Junges Mädchen auf einem Lehnsessel mit blauem Kissen. – Die Arme, unter dem Himation verborgen, ruhen auf dem Kissen, der rechte Fuss auf einem kleinen Tabouret, der linke auf der Verbindungsleiste der Stuhlfüsse. Haar und Lippen rot.

Nr. 10. – Junges Mädchen mit einem Häubchen, in das Himation gehüllt; der eine Arm hängt herab, der andere hält die Draperie unterhalb der Brust. Gelbe Schuhe mit roten Sohlen. Haare rot.

Nr. 11. – Cypriotische Göttin mit grossem Diadem. – Das durchbrochen gearbeitete Diadem besteht aus 4 Reihen von Blättern, runden Scheiben und Perlen, mit Früchten untermischt. Die gewehten Haare scheinen gebrannt; die Ohren sind durchbohrt. Der Chiton wird auf der Schulter durch eine Agraffe, unter der Brust durch einen Gürtel gehalten. Das Fragment scheint eine Puppe zu sein, der die beweglieben Arme fehlen.

Nr. 12. – Junges Mädchen auf einem Felsen. – Die Brust ist nackt; Blumen- und Fruchtkranz; die rechte Hand hält auf dem Knie ruhend einen Beutel mit Spielzeug. Das rosenfarbene Himation bedeckt die Beine und geht über die linke Schulter und den linken Arm. Haar braun.

Nr. 13. – Junges Mädchen aus Boeotien. – Ärmelloser Chiton, rosenfarbenes Himation, den unteren Teil des Körpers einhüllend.
Die Augen sind schwarz und weiss gemalt; das Haar braun.

Die antiken Tonfigürchen sind nach den von Camille Lécuyer publizierten Photographieen reproduziert und in der Farbe restauriert.

Vgl. L. Heuzey, Recherches sur les figures de femmes voilées dans l’art grec. – Terres cuites de Tanagra et d’Asie mineure, catalogue de collection de M. Camille Lécuyer, Paris, 1883.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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