Tischdecke, mit Figuren und Verzierungen des 16. Jhs.

Hefner-Alteneck, Renaissance, Trachten, Kleiderschnitt, Pluderhosen, Puffärmel
Tischdecke des 16. Jahrhunderts.

Tafel 45.

Tischdecke mit Trachten der deutschen Renaissance im 16. Jahrhundert.

Tischdecke, mit Figuren und Verzierungen aus Seide, Gold und Silberfäden, auf weiße Leinwand gestickt, von vier zu zwei Meter Länge im Besitz von E. Becker und gezeichnet von J. von Hefner.

Modekunde, Arbeitsbuch, Bildbuch ,

Modekunde: Kleines Arbeits- und Bildbuch,

von Charlotte Lowack, Ruth Prof. Dr. Bleckwenn
Über 200 Zeichnungen. Ein Klassiker.

Diese aus Schleusingen *) stammende Tischdecke, dürfte sich wohl unzweifelhaft, entweder auf die im Jahre 1562 in Schleusingen gefeierte Vermählung des Grafen Popo von Henneberg mit Sophie von Braunschweig, oder noch wahrscheinlicher auf jene seines Bruders Georg Ernst 1511-1583 (Henneberg-Schleusingen), mit Elisabeth von Württemberg, im Jahre 1568 beziehen. Dieser der im Jahr 1543 die Regierung übernahm und in erster Ehe mit Elisabeth von Braunschweig vermählt war, führte die Reformation in seinem Land ein.

*) Schleusingen im Henneberger Land, ist eine Stadt im Landkreis Hildburghausen in Thüringen, Deutschland. Sie hat ihren Namen vom Fluss Schleuse, der durch ihre Stadtteile Ratscher und Rappelsdorf fließt.

Die reichen Trachten der dargestellten Figuren fallen, wie gleichzeitige Trachtenbücher 1) aufzeigen, in die Periode von 1560-80. Im Allgemeinen ist hier zu bemerken, dass die dargestellten älteren Personen, sich durch einen früheren Kleiderschnitt, wie Pluderhosen und Puffärmel auszeichnen, die jüngeren Personen dagegen einer etwas späteren Mode Folgen, die sich durch das faltenlose und besonders durch die steifen hohen Achselstücke bei den Frauen abzeichnen.

In der ersten Abteilung erblickt man den Grafen, in einem schwarzen, mit Pelz verbrämten Überwurf, mit grau seidenen Ärmeln, seiner Braut die Hand reichend. Diese trägt ein Kleid von karmesinroten Brokat und ein Mieter von gleicher Farbe.

Kostüm und Mode, das Bildhandbuch von John Peacock.

Von den frühen Hochkulturen bis zur Gegenwart. Mit weit über tausend farbigen Abbildungen bietet dieses Bildhandbuch einen einmaligen Überblick über die Mode des Abendlandes.

In der zweiten Abteilung steht in der Mitte, der Kapellmeister, ein Notenheft und einen Taktstab haltend, in ähnlicher Tracht wie der Graf. Rechts und links vier musizierende Männer und sechs Frauen, alle in bunten und reichen Trachten, mit Zinke, Harfe, Triangel, Geigen, Flöten und Lauten. Einer der musizierenden Frauen bläst die Posaune.

In der äußeren Abteilung beginnt der Tanz. Zuerst ein Trompeter und ein Pauker, darauf zwei Vortänzer. Diesen folgt das gräfliche Paar, reich mit goldenen Ketten geschmückt und mit Kränzen in den Haaren.

Der Graf mit der karmesinroten Unterkleidern und ein, mit roten, gelben und blauen Federn geschmücktes Barret in der Rechten. Die Gräfin in weißen Brokatkleid und rot gestickten Ärmeln, mit der rechten Hand ein, an einer goldenen Kette hängendes Riechfläschchen haltend. Hierauf folgen noch dreizehn Paare in den mannigfaltigsten Stellungen des Tanzes und in den reichsten und buntesten Trachten, die in ihren Verschiedenheit hier nicht näher beschrieben werden können. Ein tanzendes Paar umarmt sich küssend. In den Ecken der zweiten und dritten Abteilung sind Blumenvasen zu Verzierung und Ausfüllung der Winkel angebracht.

Der Rahmen der ersten Abteilung, worin das gräflichen Paar steht, wird durch die Noten des vier stimmigen Chorals von Luthers Lied: Eine feste Burg ist unser Gott, nach der ursprünglichen Melodie in Alt, von Martin Agricola, gebildet. Die zweite Abteilung, worin die Musikanten stehen, ist von einer vierstimmigen Tanzmusik umgeben und die dritte wird bloß, durch eine schmale blau, rote und gelbe Einfassungslinie abgeschlossen.

Die Anwendung dieses Kirchenliedes beim Tanz, scheint eine Nachahmung französischer Hof City zu sein, wohnen bis zu jener Zeit und noch bis zur Zeit Ludwigs XV., herab nach Psalmen Melodien tanzte.

1) a. Habitus praecipourum populorum, tam vrorum quam foemibarum, singulari arte depict. Trachtenbuch von Hans Weigel. Nürnberg 1577, Fol. mit 119 Holzschnitten.
b. Im Frauenzimmer wird vermedt von allerlei schönen Kleidungen und Trachten der Weiber durch Jost Amman zu Nürnberg ferissen, Frankf. 1586 4., mit 122 Holzschnitten.
c, Ausserdem: von Hefners Trachtenbuch, III Abteilung. Mannheim 1840. kl. Fol.

Quelle: Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften von frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts, nach gleichzeitigen Originalen von Dr. J. H. von Hefner-Alteneck. Verlag von Heinrich Keller. Frankfurt a. M. 1879-1889.

Illustration, Ziege, Vektorgrafik,

Ähnlich

Kommentar verfassen