Toile de Jouy Stoffe produziert von C. P. Oberkampf.

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Toile de Jouy von Oberkamp, Rotdruck, ⅕, ca. 1780-85. Aus Paris.

Bild oben: Toile de Jouy von Oberkamp, Rotdruck, ⅕, ca. 1780-85. Aus Paris.

Toile de Jouy bezeichnet ein dekoratives Muster zu einem szenischen, pastoralen oder floralen Thema, das normalerweise in einer Farbe auf einem hellen oder weißen Grund gedruckt wird. Es entstand im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Oft abgekürzt mit „Toile“. Diese monochromen Entwürfe wurden zur Referenz von Toile de Jouy und sind es bis heute.

Es ist wichtig zu betonen, dass „Toile de Jouy“ eine doppelte Bedeutung hat. Der Begriff erinnert nicht nur an die in der Fabrik Jouy-en-Josas hergestellten Stoffe (bukolische oder mythologische Motive, Indiennes oder von Indien inspirierte Motive mit Blumen und Früchten oder geometrischen Mustern in leuchtenden Farben), sondern auch an Stoffe mit ähnlichen monochromen Motiven, die Landschaften darstellen, die in anderen Fabriken wie denen in Nantes, Orange, Bordeaux, Bourges, Rouen und im Elsass gedruckt wurden.

Toile de Jouy‘ wurde zu einem Label, das sich auf einen Druckstil bezieht.

Christophe Philippe Oberkampf.

Christophe Philippe Oberkampf (11. Juni 1738 – 6. Oktober 1815) gilt als Vorreiter der industriellen Produktion von bedruckten Stoffen mit hoher Farbbeständigkeit. Unter den vielen Innovationen, die er einführte, war die weitreichendste die Anwendung für den maschinellen Produktionsbereich. Er wurde berühmt für die Gründung der königlichen Manufaktur von hochwertig bedruckten Leinwänden aus Jouy-en-Josas, wo die Toile de Jouy hergestellt wurde.

Oberkampf war ein französischer eingebürgerter deutscher Industrieller. Er stammte aus einer bayerischen Färberfamilie und arbeitete zunächst als Kupferstecher in Mühlhausen. Nach seinem Umzug nach Paris begann er im Oktober 1758 in einer Weberei als Kolorist zu arbeiten.

1759 schlug Oberkampf eine Partnerschaft mit den Schweizern vor, um eine Textil Manufaktur für bedruckte Baumwollstoffe zu schaffen, die mit gravierten Holzblöcken arbeitete. Der Fluss La Bièvre war bereits für seine chemischen Eigenschaften bekannt, die für das Waschen von Textilien vorteilhaft sind; deshalb entschied er sich für Jouy-en-Josas. Die ersten Stoffe wurden im Mai 1760 erfolgreich bedruckt. 1764 vergrößerte Oberkampf seine Fabrik auf eine Fläche von 18.000 m². Die Zahl der Beschäftigten wuchs rasch und erreichte 1774 900 Arbeiter.

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Rotdruck von Oberkamp, mit Darstellung des Platten- und Walzendrucks, seiner Fabrikgebäude etc. Hersgestellt um 1785, signiert: „Manufacture Royale de S. M. P. Oberkampf.“

Bild oben: Rotdruck von Oberkamp, mit Darstellung des Platten- und Walzendrucks, seiner Fabrikgebäude etc. Hersgestellt um 1785, signiert: „Manufacture Royale de S. M. P. Oberkampf.“

1770 wurde Oberkampf, der damals zehn Jahre in Frankreich gelebt hatte, zusammen mit seinem Bruder zum französischen Staatsbürger ernannt. In dieser Zeit ermöglichte eine wichtige technische Entwicklung seinem Unternehmen, seine Produktion erheblich zu steigern: Die Holzplatten wurden durch Kupferplatten ersetzt, die ebenfalls graviert, aber flexibel und auf zylindrischen Trommeln, „bastringue“ genannt, fixiert werden konnten. Diese neue Technik ermöglichte den Druck großer Muster mit sehr feinen Motiven. Das Unternehmen trat damit in die Ära der Mechanisierung ein.

1783 verpflichtete Oberkampf den bekannten Maler Jean-Baptiste Huet, der sein Chefdesigner wurde und im selben Jahr erhielt die Fabrik von König Ludwig XVI. von Frankreich den Titel „königlicher Hersteller“. 1787 verlieh ihm der König den Verdienstorden und den Titel des Squire sowie das Recht, Wappen und sein eigenes offizielles Motto „Recte et vigilanter (Aufrichtigkeit und Wachsamkeit)“ zu benutzen. Damals produzierte das Werk rund 30.000 Teile pro Jahr und beschäftigte 800 Mitarbeiter.

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1. Kissenbezug in rot bedruckter Toile de Jouy, von Oberkamp. Directoire. 2. Bettbezug in rot bedruckter Toile de Jouy, von Oberkamp. Spät Louis XVI.

Bild oben: Nr. 1. Kissenbezug in rot bedruckter Toile de Jouy, von Oberkamp. Directoire.
Nr. 2. Bettbezug in rot bedruckter Toile de Jouy, von Oberkamp. Spät Louis XVI.

1785 erfand Oberkampf die erste Maschine zum Bedrucken von Tapeten, und kurz darauf entwarf Nicolas-Louis Robert ein Verfahren zur Herstellung von Endlosrollen für Tapeten.
Am 7. Februar 1790 wurde er aufgrund der Reformen der Französischen Revolution zum Bürgermeister von Jouy-en-Josas ernannt. 1794 wurde seine Tochter Émilie geboren. Beeinflusst von den britischen Kinderschulen, wurde sie zur Pionierin des Kindergartens. Am 26. Februar des Jahres III erwarb Oberkampf den ehemaligen königlichen Hof von Bouviers in Guyancourt, um die Qualität des Wassers der Bièvre zu kontrollieren, deren Quelle sich auf dem Land dieses Hofes befindet. Er eröffnete auch eine Filiale im Dorf Essonnes, am Fluss Essonne. Die Qualität und Feinheit der Entwürfe war beispiellos, jedoch erforderten bestimmte Stücke bis zu sechs Monate Arbeit. Die meisten Kupferwalzen verschwanden in der Folgezeit durch Kriege. Heute sind nur noch 14 erhalten.

Die Fabrik blühte während der Revolution weiter auf und wurde nach der Spiegelfabrik von Saint-Gobain zum zweitgrößten Unternehmen des Königreichs. Im Jahr 1799 ging der Umsatz zurück und die Zahl der Beschäftigten die 1.600 erreicht hatte, musste reduziert werden.
1806 erreicht die Fabrik ihren Höhepunkt und galt als die bedeutendste in Europa.
Im gleichen Jahr erhielt Oberkampf auf der Industrieausstellung des Louvre eine Goldmedaille für seine herausragende Rolle bei der Herstellung von gefärbten Leinwänden. Am 20. Juni 1806, nach dem Besuch der Werkstätten, verlieh Napoleon ihm den Titel der Ehrenlegion.

Der Rückgang der Nachfrage und der Wettbewerb wurden immer eindringlicher. 1815 sank die Zahl der Mitarbeiter auf 435, und die Produktion wurde während der Invasion der gegen den Kaiser vereinten Armeen eingestellt.

Als Oberkampf 1815 in Jouy-en-Josas (heute in Yvelines) starb, übernahm sein Sohn Emile die Leitung des Unternehmens. Oberkampf wurde im Garten seines Hauses begraben, in dem sich heute die Musikakademie von Jouy-in-Josas befindet. Die Fabrik wurde 1822 von Jacques-Juste Barbet de Jouy übernommen und ging 1843 schließlich in Konkurs.

Bildquelle: Die Kunst des Zeugdrucks vom Mittelalter bis zur Empirezeit von Robert Forrer. Strassburg i. Els: Schlesier und Schweikhardt 1898.

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