Tracht eines Jungen Bauern aus Obermais bei Meran, Südtirol.

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Junger Bauer aus Obermais bei Meran, Südtirol von Franz Skarbina.

JUNGER BAUER AUS OBERMAIS BEI MERAN. SÜDTIROL.

von FRANZ SKARBINA.

Die Bewohner des paradiesischen Talkessels der Etsch und der in sie mündenden Passer sind von sehniger, kräftiger Gestalt und durchschnittlich mittelgross, doch begegnet man häufig auch hochgewachsenen, stattlichen Erscheinungen.

Breitschulterig und elastisch in den Bewegungen und von einem eigentümlich wiegenden Gang, kennzeichnen sie den echten Gebirgsbewohner, wenngleich ihnen das Scharfe, Falkenartige der Physiognomie abgeht, welches dem Oberbayern eigentümlich ist. Charakteristisch ist der spitze Kopf in seiner deutlich ausgesprochenen Birnenform. Zu dem auffallenden Eindruck dieser Erscheinung, falls dieselbe nicht auch pathologisch begründet ist, trägt viel die Haartracht bei; denn das Haupthaar wird auf dem Wirbel kurz, kaum zolllang geschoren, während es hinten um den Nacken herum frei hängt und einen Kranz von Locken bildet. Ebenso frei hängt es in die Stirn hinein, sodass also der Kopf vom Nacken aus in schräger Richtung, über die Ohren weg zur Stirn hinauf von einem Lockenkranz umschlossen wird, aus welchem der Oberkopf mit seinem kurzen Haupthaar spitz hervorragt.

Das „Feiertags-Gewandl“ des jungen Bauern besteht in einem roten, mit Messingknöpfen besetzten Leibchen über dem kurzkragigen, leinenen Hemd. Über dem Leibchen, dasselbe fast ganz bedeckend, befinden sich die grünen Tragbänder aus festem grün, gewirkten Stoff, mit eingewebten dunklen Rändern. Um den Hals schlingt sich über den Tragbändern lose ein schwarzes, gazeartiges Gewebe, dessen Enden untergesteckt sind.

Die Kniehose aus samtartigem schwarzen Wildleder lässt nicht, wie beim bayerischen »Tiroler«, das Knie frei, sondern sie geht über dasselbe hinweg, aus welchem Grund auch der untere Rand, nach der Kniekehle hinauf, etwas ausgeschnitten ist.

Die Hose ist an der Seite herunter rot passe-poilirt; in einer der zwei Seitentaschen steckt das knumme, mit kunstvoll geschnitztem Kugelgriff versehene Messer, ein unentbehrliches Instrument beim Zerschlagen der harten, flachen Brotkuchen, die der tiroler Bauer auf Monate hinaus in Vorrat bäckt.

Uni den Leib sitzt, nach unten geschoben, der breite, starke Leibgurt aus glänzend schwarzem Leder, mit reich ziselierter, mächtiger Messingschnalle versehen. Seine Ränder sind kunstvoll mit breiten, farbigen Ornamenten aus gefärbten Pfauen- Federkielen geschmückt, während die Mitte mit dem Namenszug des Eigentümers, einem Gemsbock oder auch dem kaiserlichen Adler in gleicher Arbeit verziert ist.

Franz Skarbina (24. Februar 1849 – 18. Mai 1910) war ein deutscher impressionistischer Maler, Zeichner, Radierer und Illustrator.

Im Jahr 1888 wurde er als Professor an die Preußische Akademie berufen und 1892 wurde er dort ordentliches Mitglied. 1889 nahm er an der Ausstellung zum hundertsten Jahrestag der Französischen Revolution teil. 1892 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.

Im selben Jahr trat er jedoch aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Direktor der Akademie, Anton von Werner, von seinem Lehrauftrag zurück. Das Problem entstand durch seine Teilnahme an der „Elfergruppe“, einer Vereinigung von Künstlern die er mit seinen Freunden Max Liebermann und Walter Leistikow mitbegründete, die sich der Förderung eigener Ausstellungen der damals als „radikal“ geltenden Kunst widmeten, frei vom Einfluss der Akademie. Diese Gruppe wird durch einen Skandal anlässlich einer Munch-Ausstellung und der damit ausgelösten Munch-Affäre oder Munch-Skandal, gegründet. Dieser Skandal wird als der offizielle Beginn oder als die Geburtsstunde der Modernen Kunst in Deutschland angesehen.

Im folgenden Jahr besucht Skarbina wieder den Norden Frankreichs, das französische und belgische Flandern und Holland. Dies führte schließlich (1898) zur Gründung der Berliner Sezession, zu deren Mitbegründern Skarbina gehörte.

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