Persische Frauentrachten. Der Nikab, Hyader oder Tschador.

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PERSIEN. FRAUEN TRACHTEN.

PERSIEN. FRAUEN TRACHTEN.

1, 9, 2
3, 4, 6, 7, 5, 8

Nr. 1, 2. Junge Ilyatinnen aus Weramina. Die Ilyaten sind Nomaden, die in Zelten wohnen und das Land vom Tigris bis zur chinesischen Grenze durchziehen. Sie ernähren sich durch Vieh-, insbesondere Pferdezucht und geben selten das nomadisierende Leben auf, um sich dem Ackerbau zu widmen. Ihre Frauen werden nicht in Abgeschlossenheit gehalten und haben keine Schwierigkeiten, sich den Fremden unverschleiert zu zeigen.

Nr, 3. 6, 7, 8. Wenn die Perserin ausgeht, zieht sie über den faltigen Rock weite Hosen an. Jedes Bein ist einzeln gearbeitet, bildet mit dem Strumpf ein Stück und wird oben am Gürtel befestigt. Ein grosser Schleier von Musselin oder Baumwollstoff, Hyader oder Tschador genannt, welcher um den Kopf gebunden ist, auf den Rücken herabfällt und vorn auf der Brust gegen den Hals zu aufgenommen wird, verhüllt die ganze Gestalt. Das Gesicht ist ausserdem mit einem dichten Kattunschleier, Nikab, bedeckt, der nur für die Augen eine Öffnung hat. Die Perserin ist somit vom Kopf bis zu den Füssen verhüllt. Nr. 3 schiebt den Nikab bei Seite, um besser zu sehen. Nr. 7 trägt ein Hosenbein in der Hand. Nr. 8, die sich zum Ausgehen rüstet, bindet den Hyader über Kreuz zusammen. Nr. 6, eine Frau aus dem Volke, zeigt, wie der Hyader vorn zusammengenommen wird.

Nr, 4 und 5. – Frauen persischer Herkunft aus Trapezunt im Hauskleid. Der breite, um Leib und Hüften geschlungene Gürtel ist einer jener leichten Schals aus Wolle oder Seide, welche im Lande fabriziert werden.

Nr. 9 stellt eine Dame aus Teheran dar, die ihre Mahlzeit einnimmt. Man benutzt weder Tische, noch Messer und Gabeln. Auf den Fussteppich wird ein sehr feines persisches Tischtuch ausgebreitet und darauf werden die Speisen plaziert, Hände und Finger vertreten die Stelle von Löffeln und Gabeln. Ausgestreckt und aufgestützt auf eine weiche Matratze, die auf dem dicken Filzteppich liegt, fasst die Perserin mit der Hand in den Reis und das Gemüse hinein, die ihre hauptsächliche Nahrung bilden. Spiesse mit kleinen Stücken Fleisch folgen alsdann ebenso wie die Kouftehs oder Köfte von gehacktem Fleisch, dies in Weinblättern gekocht ist. Mit Daumen und Zeigefinger formt die Perserin aus jeder Speise kleine Kugeln, die sie geschickt in den Mund wirft. Gläser werden zum Trinken nicht benutzt. Man trinkt aus Tassen oder man schöpft daraus mit einem jener Löffel aus leichtem Holz, die auf dem Tischtuch liegen. Die Magd mit ihrem Fächer wedelt frische Luft zu und vertreibt die Fliegen. Nach Waschung der Hände kommt die Pfeife und der Kaffee an die Reihe.

Man nimmt zwei Mahlzeiten ein, um elf Uhr Vormittags und gegen Sonnenuntergang; die letztere ist reichlicher als die erstere. Das gewöhnlichste Nahrungsmittel ist der Reis, welchen man gewöhnlich in der Form des Pilau, d. h. wenig gekocht und etwas trocken geniesst.

Die Zubereitung dieser Speise ist bei wohlhabenden Leuten oft sehr kompliziert; man gibt Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Gewürznelken, auch Zimt, Kardamom und Fenchelsamen hinein. Bisweilen fügt man noch gestossene Mandeln, Traubenbeeren ohne Kerne, gebratene oder gekochte Erbsen und in Wasser gekochte grüne Bohnen hinzu. Man begiesst ihn mit Butter und färbt ihn endlich mit Safran, Krapp oder Berberitze, indem man mit diesen Färbemitteln verschiedene Linien ausführt, die von Reihen kleiner Bohnen oder Erbsen durchzogen werden. Man isst den Pilau oft mit Yogurt, geronnener, etwas sauer gewordener Milch oder mit Kirschen-, Maulbeeren- oder Granatensaft.

Zuckerwerk und Gebäck werden mit Essenzen aller Art parfümiert, Die Perser besitzen in der Zubereitung von Süssigkeiten und Sorbets eine grosse Fertigkeit.

Nach Mitteilungen des Obersten (Louis Emile) Duhousset.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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