Der Turban. Asiatische Kopfbedeckungen.

ASIATISCH.

KOPFBEDECKUNGEN. DER TURBAN.


PERSISCHE, AFGHANISCHE, INDISCHE, TURKOMANISCHE, ARABISCHE UND KURDISCHE TYPEN.

Zwei Tafeln.

Turban, Fez, Lammfellmütze, Püskül, Kinkab, Tarbusch
Persische, afghanische, indische, turkomanische, arabische und kurdische Kopfbedeckungen. Turban, Fez, Lammfellmütze, Püskül, Kinkab, Tarbusch.

Abbildung oben:

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Turban, Fez, Lammfellmütze, Püskül, Kinkab, Tarbusch, Auguste Racinet
Persische, afghanische, indische, turkomanische, arabische und kurdische Kopfbedeckungen. Turban, Fez, Lammfellmütze, Püskül, Kinkab, Tarbusch.

Abbildung oben:

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Die Orientalen besitzen eine grosse Virtuosität im Drapieren des Turbans. Aber obwohl eine bestimmte Vorschrift hinsichtlich des Rollens des Turbans tun den Tarbusch existiert, zeigen die hier dargestellten verschiedenen Drapierungen, dass diese Vorschrift keineswegs allgemein befolgt wird, sondern dass der Turban je nach der Tracht und den lokalen Gewohnheiten seine Physiognomie bisweilen sehr merklich ändert. Nr. 17 ist ein Beispiel für die ottomanische Art (Türkisch, Osmanisches Reich). Der Dargestellte trägt einen grünen Turban, wodurch er als direkter Nachkomme des Propheten charakterisiert wird. Es ist ein Bewohner der Stadt Jezd in Persien.

Der Turban ist gewöhnlich ein fünfzehn bis sechzehn Fuss langes, viereckiges Stück Stoff. Zwei Personen müssen ihn rollen; die eine hält mit beiden Händen das eine Ende des Stoffes, während die zweite mit einer Hand das andere Ende anfasst. Jede der beiden Personen dreht dann den Stoff nach der entgegengesetzten Seite zusammen, als ob man Wäsche auswindet. Diese Rolle wird so um die Schläfen gewunden, dass man am linken Ohr beginnt, dann die Rolle um den Hinterkopf und so weiter zwei bis drei Male um den ganzen Kopf legt, der mit dem Tarbusch (Fes oder auch Fez, Schweißkappe), einer eng anliegenden Filzkappe, bedeckt ist. Das Ende der Rolle, welches übrig bleibt, lässt man auf das linke Ohr herabfallen, nachdem man vom Anfang des Tuches etwas unter dem Tarbusch befestigt hat.

Persien (Iran).

Nr. 1, 10, 15, 16, 17, 19, 20, 21 und 25.

Nr. 1. Perser mit der Kula, einer spitzen Mütze aus Schaffellen. Die Spitze ist gewöhnlich oben etwas eingebogen.
Es ist die alte nationale Kopfbedeckung der Perser, die man bereits auf den ältesten Denkmälern findet. Jetzt trägt man meist an Stelle der hohen Kula eine kleine Mütze ans schwarzem Lammfell.
Nr. 10. Baktiani aus Lorestan. Filzkappe zum Teil von einem Stück Stoff in Turbanart umwunden. Von einem Ringe hängen Quasten aus Goldfäden herab. Dieses Arrangement dient als Agrafe. Das Turbantuch fällt malerisch auf den Hals und die Schultern herab.
Nr. 15. Arabischer Nomade tartarischen Ursprungs (Yliate).
Diese Leute sind Hirten und leben unter Zelten. Sie wechseln ihr Lager je nach den Jahreszeiten und den Bedürfnissen ihrer Herden. Die spitze Mütze ist von Filz.

Nr. 16, 19, 20 und 21. Junge yliatische Frauen; die letztere trägt den Brautschmuck. (Das Ensemble dieser Frauentrachten ist auf den Tafeln Persien mit dem Zeichen der Bandschleife unter Nr. 9 und mit dem Zeichen der Katze unter Nr. 1 und 2 dargestellt.) Da die Yliaten ihre Wanderung von Turkmenistan bis zur Grenze von China ausdehnen, erklärt es sich, dass sie manche Eigentümlichkeiten der Tracht von den Völkern angenommen haben, mit denen sie in Berührung kommen) namentlich von den Turkomanen und Persern. Die Kopfbedeckung der Frauen besteht aus einem feinen Musselintuch, das vorn turbanartig arrangiert ist, aber nach hinten wie ein Schleier herabfällt. Da diese Frauen meist sehr schöne Haare haben, zeigen sie dieselben gern. Über der Stirn sind sie kurz abgeschnitten, über die Schläfe fallen sie länger herab. Die Hauptmasse des Haares wird in zwei dicken Strähnen von hinten über die Schultern genommen. Ausserdem gehen vom Hinterkopf noch zwei dicke Flechten aus, die halbmondförmig auf dem Scheitel zusammengesteckt werden und durch welche das Kopftuch hindurchgezogen wird. An diesen Flechten werden Anhänger und sonstige Schmucksachen befestigt. Das Haar wird nur mit Wasser angefeuchtet. – Die Kopfbedeckung der Braut Nr. 21 ist grösstenteils aus Goldfäden geflochten. Der obere Rand ist mit Pfauenfedern besetzt. Das Haar hängt völlig frei herab. Die Ohren sind mit goldenen, mit Perlen besetzten Ringen geschmückt.

Nr. 25. Derwisch aus dem Süden von Persien. (Das Ensemble einer Derwischtracht aus Schiras findet man auf der Tafel Persien mit der Schleife.) Viele dieser fast immer auf der Wanderschaft begriffenen islamischen Mönche tragen keine Kopfbedeckung. Andere tragen eine rote Mütze mit Erbauungssprüchen in farbiger Seidenstickerei, wieder andere eine spitze Mütze mit Sprüchen in schwarzer Stickerei und dazu den Turban. In Persien tragen die einfachen Derwische blaue Röcke. Nr. 25 trägt eine spitze Filzmütze mit Seidenstickerei und einen leichten Turban mit herabfallenden Enden, der aus Kamelhaar gewebt ist. Der Kopf ist glatt rasiert, nur vom Hinterkopf fallen lange Strähnen auf Nacken und Schultern herab.

Hindostan.

Nr. 6, 8, 22 und 24.

In Indien werden die Turbane aus Wolle, Seide oder Musselin gefertigt. Form und Grösse wechseln nach den Gegenden und werden überdies durch das Kasten- und Sektenwesen bestimmt. Ein Stoff von Gold- und Silberbrokat, ans welchem die Turbane der Reichen gefertigt werden, heisst Kinkab. Die niederen Klassen tragen weisse Turbane; aber auch diese Sitte ist nicht streng durchgeführt.
In Madras (Chennai) werden z. B. farbige Turbane getragen. Gewisse Derwische aus der Rifah Sekte (Islamische Derwisch-Sekte) tragen schwarze oder olivfarbene Turbane. Nr. 6, dessen Träger dem an Afghanistan grenzenden Teil von Hindostan angehört, ist ein solcher schwarzer um eine Filzkappe gerollter Turban.

Nr. 8 ist ein Parse, ein aus Persien stammender Feueranbeter. Die spitze Fellmütze, um welche der Musselinturban gewickelt ist, erinnert an seine Herkunft. .

Nr. 22. Indischer Thag oder Thug (Thuggee) mit Turban von weissem Musselin. Die Thags sind Räuber, die sich unterwegs den Reisenden anschliessen, dieselben hinterrücks überfallen, erwürgen und berauben.

Nr. 24. Indischer Derwisch. Die spitze Mütze ist aus Kaschmir und mit bunter Seide bestickt.

Afghanistan.

Nr. 2, 5, 9, 14, 27, 28, 29 und 30.

Die Afghanen sind teils ackerbauende, teils nomadisierende Stämme, die sich nach Unterwerfung der Eingeborenen des Lande bemächtigt haben, das heute Afghanistan heisst. Sie haben ihre frühere Organisation bewahrt und teilen sich in Stämme, deren jeder einen Häuptling hat. Um ein gemeinsames Band herzustellen, ordneten sich die Stämme einem Oberhaupt unter, unter dessen Leitung sie Kriegszüge, besonders nach Indien, unternahmen. Gegenwärtig steht Afghanistan jedoch unter einem Emir, der nach Art asiatischer Despoten regiert. In den Trachten spiegelt sich aber nach wie vor die frühere Unabhängigkeit und Willkür wieder. Nr. 14 ist der Sohn von Nr. 27. Beide tragen einen weissen Turban, aber jeder von verschiedenem Umfang und in verschiedener Anordnung. Der Turban des ersteren ist von Musselin, der des Vaters von Kaschmirwolle. Dasselbe gilt von Nr. 5, dem Vater von Nr. 29.

Nr. 2. Turban von gestreiftem Musselin, um eine spitze Kappe gerollt und mit einem kleinen Federstutz versehen.

Nr. 5. Turban von Linnen um eine Mütze mit Ohrklappen gerollt.

Nr. 9. Turban von Baumwolle um den oberen Teil einer Filzkappe gewickelt.

Nr. 14 und 27 sind aus der Stadt Herat.

Nr. 28 hat einen Turban von Baumwolle. Nr. 30 hat eine Haartracht nach persischer Manier, d. h, der Kopf ist bis zum Nacken glatt rasiert, und nur an den Seiten fallen breite Haarmassen herab.

Asiatische Türkei.

Bagdad.

Nr. 3 ist ein katholischer Bischof von Senna, einer fünfzig Meilen von Bagdad entfernten Stadt. Der Turban ist von Musselin, einem Stoff, dessen Name von der Stadt Mossul, einem Hauptort des Vilajets von Bagdad, kommt, von wo zuerst solche Stoffe nach Europa gebracht wurden. Auch heute werden sie dort noch in grossen Massen hergestellt.

Turkmenenland.

Nr. 11. Die Turkmenen oder Turkomanen wohnen teils im Turkmenenland, welches einerseits zu dem Transkaspischen Gebiet von Russland, andrerseits zu Chiwa (Xiva Usbekistan) gehört, teils in Turkistan, Afghanistan, in der asiatischen Türkei und in Persien. Ihre Kleidung ist sehr einfach. Die schwarze Lammfellmütze, welche Nr. 11 trägt, erinnert in ihrer Form an den Pilaus der Alten.

Dagestan.

Nr. 18 und 23. Dagestan oder Gouvernement Derbent ist eine russische Provinz, die im Osten vom Kaspischen Meer, im Süden und Westen von den Gouvernements Baku und Tiflis begrenzt wird. Das Land wird von etwa dreissig verschiedenen Stämmen und Nationalitäten bewohnt, unter denen die Lesghier (Lesginen oder auch Küriner) die Majorität bilden. Dazu kommen Araber und Juden. Nr. 18 ist aus Derbent im Süden des Kaspischen Meeres. Nr. 23 ist ein Lesghier.

Kurdistan.

Nr. 7, 12, 13 und 26.

Die Hauptmasse der Kurden bewohnt gegenwärtig das Land, welches sich im Osten des Tigris und im Süden des Van-und Urmiasees erstreckt. Es ist das Gebiet, welches die alten Geographen und Geschichtsschreiber als den Wohnsitz der Karduchen, Kyrtier oder Gordyäer bezeichnen, für deren Nachkommen das tapfere Gebirgsvolk der Kurden gehalten wird. Kurdistan gehört politisch halb zur Türkei, halb zu Persien.

Nr. 7. Kurde in Fez mit Püskül (Büschel), um welchen ein leichter Turban von indischem Seidenzeug (Foulard) geschlungen ist.

Nr. 12 und 13. Kurden in altertümlicher Kriegsrüstung.
Die metallene Kappe ist damasciert, oben mit einer Spitze versehen und mit drei Pfauenfedern geschmückt. Sie bedeckt die Kaputze aus Eisenringen, die mit dem Panzerhemd nicht zusammenhängt und vorn auseinandergeht um die Bewegungen des Kämpfers nicht zu hindern. Der Helm hat einen Nasenschutz, welcher an einem Scharnier auf und nieder geklappt werden kann.

Nr. 26, Kurde von Urmia, dessen Turban aus Baumwolle und indischer Seide besteht.

(Diese für anthropologische Zwecke aufgenommenen Volkstypen befinden sich im naturhistorischen Museum in Paris. Sie sind vom Obersten Em. Duhousset gesammelt worden.)

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

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