Turenne, französischer Generalfeldmarschall.

Turenne, Generalfeldmarschall, Marschall, Militär, Soldat, Barock, dreissigjähriger Krieg,
Turenne, französischer Generalfeldmarschall.

Turenne, französischer Generalfeldmarschall.
Geb. 11. Sept. 1611, gest. 27. Juli 1675.

Henri de Latour d’Auvergne, vicomte de Turenne oft einfach Turenne genannt, war ein französischer Generalmarschall und das berühmteste Mitglied der Familie La Tour d’Auvergne. Seine militärischen Verdienste während seiner fünf Jahrzehnte währenden Karriere brachten ihm den Ruf ein, einer der größten Generäle der modernen Geschichte zu sein.

Turenne, wurde als zweiter Sohn des Herzogs Heinrich von Bouillon, Prinzen von Sedan, und dessen Gemahlin Elisabeth, Tochter des Prinzen Wilhelm I. von Nassau-Oranien, am 11. September 1611 zu Sedan geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1623 wurde er in Holland erzogen, wo ihn sein Oheim, der Prinz Moritz von Oranien, während des achtzigjährigen Krieges, in die Kriegskunst einführte. Im Jahre 1630 wusste ihn Richelieu für die französischen Waffen zu gewinnen und stellte ihn als Oberst an die Spitze eines Regiments. Turenne that sich in den Kämpfen am Rhein so sehr hervor, dass er bald zum Generalleutnant avancierte, in welcher Eigenschaft er unter Herzog Bernhard von Weimar 1638 Breisach eroberte. Seit 1639 diente er in Piemont und zeichnete sich auch hier bei einer Reihe von Gelegenheiten, besonders 1640 durch die Einnahme Turins, rühmlich aus.

Nach Richelieus Tod erhielt Turenne mit dem Titel eines Marschalls von Frankreich, den Oberbefehl über die französischen Truppen in Deutschland. Nachdem er 1644 mit einem kleinen Heer bei Breisach den Rhein überschritten hatte, kämpfte er mit dem Herzog von Enghien, dem nachmaligen Prinzen Condé (Louis II. de Bourbon, prince de Condé 1621-1686), glücklich gegen den bayerischen General Mercy (Franz Freiherr von Mercy 1597-1645) und eroberte in kurzem die Pfalz, das Kurfürstentum Mainz und das ganze Rheingebiet von Koblenz bis Strassburg. Eine Niederlage, die ihm Mercy am 5. Mai 1645 bei Mergentheim beibrachte, glich er am 3 August durch einen Sieg bei Nördlingen wieder aus. Im folgenden Jahr bewirkte er durch geschickte Manöver seine Vereinigung mit dem schwedischen General Wrangel, worauf beide mit solchem Erfolg gegen die Bayern operierten, dass nach der Niederlage bei Zusmarshausen 1647 der Kurfürst Maximilian einen Waffenstillstand einzugehen genötigt war. Und als nach der Trennung beider Feldherrn der Kurfürst von neuem zu den Waffen griff, besetzte Turenne rasch dessen Land und bedrohte sogar Österreich, bis der westfälische Friede seinen Eroberungen Schranken setzte.

In den bürgerlichen Unruhen der Fronde liess sich Turenne anfangs von seinem Bruder, dem Herzog von Bouillon, und später nach der Gefangennahme Condés von der Herzogin von Longueville, die er leidenschaftlich verehrte, zu einer feindseligen Haltung gegen den Hof verleiten. Um Condé zu befreien, verband er sich 1650 mit den Spaniern und drang mit dem Erzherzog Leopold siegreich in Frankreich vor, wurde jedoch am 15. Dezember bei Chamblanc vom Marschall Duplessis geschlagen. Doch söhnte er sich bald mit dem Hof wieder aus und begann nun an der Spitze des französischen Heeres den Kampf gegen den inzwischen freigelassenen Condé und die Spanier. Es gelang ihm, eine Stadt nach der andern zu unterwerfen und auch Flandern zum grössten Teil zu erobern, als endlich 1659 der Friede mit Spanien zustande kam. Beim Wiederausbruch des Krieges 1667 zum Generalmarschall der französischen Heere ernannt, errang Turenne grosse Erfolge in den Niederlanden. Als nach der Kriegserklärung an Holland 1672 Frankreich von Österreich und Brandenburg sich bedroht sah, wurde ihm der Oberbefehl am Niederrhein übertragen. Sein kühnes Vorgehen hatte zur Folge, dass der Kurfürst von Brandenburg schon 1673 einen Separatfrieden schloss. Der Feldzug des Jahres 1674 war einer seiner glänzendsten. Nachdem Turenne bei Philippsburg über den Rhein übersetzte, schlug er am 16. Juni den Herzog von Lothringen bei Sinzheim und verwüstete entsetzlich die Pfalz. Darauf wendete er sich gegen den Herzog von Bournonville und verhinderte durch dessen Besiegung bei Enzheim am 4. Oktober die Vereinigung der feindlichen Armeen. Letzterem brachte er um die Zeit der Jahreswende noch zwei empfindliche Niederlagen bei Mühlhausen und Türkheim bei, wodurch ganz Elsass in seine Gewalt geriet. Im Jahre 1675 hatte er den berühmten kaiserlichen (;eneral Montccuculi zum (;egner. Sechs Wochen lang manövrierten die beiden Feldherrn gegen einander. Endlich überschritt Turenne den Rhein, um den Gegner anzugreifen. Allein noch ehe es zur Schlacht kam, wurde er in der Nähe des Dorfes Sasbach beim Rekognoscieren des Terrains am 27. Juli von einer feindlichen Kanonenkugel getötet. Die Überreste des grossen Feldherrn, welche auf Ludwigs XIV. Befehl in der königlichen Gruft in St. Denis beigesetzt worden waren, wanderten nach der Zerstörung der Gräber in der Revolutionszeit 1793 in ein Museum, bis sie endlich 1800 Napoleon I. im Dom der Invaliden wieder zur Ruhe bringen liess.

Turenne besass nicht die Kühnheit und das Ungestüm eines Condé, er war vielmehr ein sehr vorsichtiger Stratege der nach bewährten taktischen Regeln operierte und keinen unüberlegten Schritt tat. Interessant ist das Urteil Voltaires über Turennes Bedeutung als Feldherr; derselbe schreibt: »Turenne machte keine glänzenden Eroberungen und lieferte keine grossartigen Schlachten, deren Entscheidung einem Volke bisweilen die Herrschaft über ein anderes verschafft, sondern galt dadurch, dass er seine Niederlagen immer wieder gut machte und mit wenigen Mitteln viel auszurichten verstand, für den geschicktesten Feldherrn Europas zu einer Zeit, wo die Kriegskunst gründlicher studiert ward als je«. Allein Turenne war nicht bloss ein berühmter General, er war auch ein sympathischer und edler Charakter, der sich durch Liebenswürdigkeit, Schlichtheit, Bescheidenheit und Uneigennützigkeit auszeichnete. Ursprünglich Calvinist, trat er im Jahr 1668, namentlich um einen Wunsch Königs Ludwig XIV. zu erfüllen, zum Katholizismus über.

Stich von R. Nanteuil.

Quelle: Das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges (1600-1670). Allgemeines historisches Portraitwerk. München 1895. Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft vormals Friedrich Bruckmann. Nach den besten gleichzeitigen Originalen nach Auswahl von Dr. Woldemar von Seidlitz mit biografischen Daten von Dr. H. Tillmann und Dr. H. A. Lier.

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