Der Turm der Winde in Athen. Meteorologische Station der Antike.

Antike, Architektur, Bauwerk, Griechenland, Turm, Winde, Athen
Der Turm der Winde in Athen.

Der Turm der Winde in Athen.

Im Norden der Akropolis erhebt sich am südlichen Ende der jetzigen Äolosstrasse unter allerhand modernen Gebäuden der sogenannte Turm der Winde (Αέρηδες) oder die Uhr des Andronikus. Er gilt als die erste meteorologische Station der Welt. Die Konstruktion besteht aus einer Kombination von Sonnenuhren, einer Wasseruhr und einer Windfahne.
Es wurde angeblich um 50 v. Chr. von Andronikus aus Kyrrhos in Syrien erbaut, könnte aber anderen Quellen zufolge im 2. Jahrhundert v. Chr. (cf. Varro de re rustica Lib. III 5. und Vitruv. Lib. I, 6.) vor dem Rest des Forums errichtet worden sein.

Es ist ein achteckiges, turmähnliches Gebäude von 8,5 Meter Durchmesser und nahezu 13 Meter Höhe mit zwei Eingängen, welche durch eine von je zwei korinthischen Säulen getragene Vorhalle gebildet werden, und mit einem kleinen runden Nebengebäude an der Südseite, welch letzteres durch eine nunmehr bis auf einige Bogen zerstörte Wasserleitung mit der am Nordfuss der Akropolis entspringenden (Salz-) Quelle Klepsydra in Verbindung stand, und zu einem Wasserbehälter diente, der beständig eine hinreichende Menge Wasser lieferte, um die im Innern des Turms befindliche Wasseruhr in Gang zu halten.

Auf dem pyramidenförmigen Dach erhob sich ein eherner Triton, der durch seine Drehungen den jedesmal wehenden Wind anzeigte, indem er mit seinem Stab auf die an den Seiten des Gebäudes, die nach den Gegenden der Windrose orientiert waren, in Relief dargestellten, durch Inschriften bezeichneten Gestalten der acht Hauptwinde Boreas (Norden), Kaikias (Nordosten), Ap(h)eliotes (Osten), Euros (Südosten, Notos (Süden), Lips (Südwesten), Zephyros (Westen), Skiron (Nordwesten) hindeutete.

Unterhalb des Reliefs geben Striche die Einteilung für die Sonnenuhr an. Die Figuren der Winde sind von dem Bildhauer geflügelt dargestellt; Lips und Zephyros haben nackte Beine, die übrigen sind mit Halbstiefeln bekleidet. Das ganze Gebäude ist aus weissem Marmor aufgeführt und mehrere Schichten seines Mauerwerks sind aus Quadern von beträchtlichen Dimensionen hergestellt. Es steht jetzt gänzlich frei, so dass man es von allen Seiten bequem betrachten kann.

In frühchristlicher Zeit wurde das Gebäude als Glockenturm einer östlich-orthodoxen Kirche genutzt. Unter osmanischer Herrschaft wurde von wirbelnden Derwischen als deren Tekke (Zentrum einer Sufi-Bruderschaft) genutzt. Zu dieser Zeit war er bis zur Hälfte seiner Höhe verschüttet, und Spuren davon sind im Inneren zu sehen, wo sich türkische Inschriften an den Wänden befinden. Der Turm wurde im 19. Jahrhundert von der Archäologischen Gesellschaft von Athen vollständig ausgegraben und restauriert.

Quelle: Album des klassischen Alterthums: zur Anschauung für Jung und Alt besonders zum Gebrauch in Gelehrtenschulen von Hermann Rheinhard, Professor am K. Realgymnasium in Stuttgart. Verlegt von C.B. Griesbach Verlag, Gera 1891.

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