Turnierharnisch mit Augsburger Plattner- und Beschaustempel.

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Fusskampfharnisch. 1/6 der natürlichen Größe. Turnierharnisch zum Fusskampf, 1550.

TURNIERHARNISCH ZUM FUSSKAMPF.

Fusskampfharnisch. 1/6 der natürlichen Größe. Turnierharnisch zum Fusskampf mit Augsburger Plattner- und Beschaustempel. 1550.

Dieser hervorragend erhaltene Harnisch, einer der schönsten in der reichen Waffensammlung des Kaiserhauses, ist insbesondere wegen der herrlichen Behandlung des Stahles durch den kunstgeübten Plattner von besonderem Interesse.

Der Helm mit niederem Kamm besteht aus drei Stücken: dem Scheitelstück mit steifem Genick, welch‘ letzteres gleich wie bei den alten deutschen Stechzeugen mittels „Hehnzagelschraube“ am Rückenstücke haftet; aus dem Kinnstück mit steifem Hals, der mittels Häspe an der Brust befestigt ist; endlich aus dem horizontal gekehlten und gelochten Visier.

Die Achseln haben geschobene Vorder- und Hinterflüge; über jedem Vorderflug steckt ein Verstärkungsstück mit Brechrand; das vor der rechten Achsel ist geschoben, mit Federzapfen angesteckt und besitzt einen kleineren Brechrand; dagegen ist das angeschraubte Doppelstück der linken Achsel steif und die Folgen bloß nachgetrieben. Die Armbeugen sind ganz mit Folgen geschlossen und werden überdies durch die von den Mänseln ausgehenden Muscheln geschützt.

Die Hände bedecken Stahlfäustlinge, welche Finger nachbilden. An das Bruststück mit tiefem Gansbauch schliesst sich der schön geschweifte, gehobene Stahlschurz, der rund um den Leib läuft. Geschlossen ist dieser Stahlschurz, indem die Enden der rückwärtigen Reifen Federhaken besitzen, die in die Löcher der gegenüberstehenden vorderen Reifen einschnappen.

Von ausnehmend schöner Arbeit sind die getriebenen auch am Hinterschenkel geschlossenen Diechlinge *), die, der gleichzeitigen Mode entsprechend, jedes Bein verschieden gebauscht und verhauen darstellen. Die Kniekehlen sind durch Folgen geschlossen. Die Beinröhren besitzen Knöchelreifen, an welche sich die geschobenen, breiten Stumpffüsse anschliessen. Das Gewicht des ganzen Harnisch betragt 59 Wiener Pfund (1 Wiener Pfund etwa 560 Gramm)

*) Teil des Beinharnisch, Schutz von Oberschenkel und Knie.

Der einstige Besitzer dieses prachtvollen Turnierharnisch ist nicht bekannt; doch sind Zeit und Ort der Verfertigung auf demselben sichtbar, u. z. ist am Oberrand der Brust unter der Häspe und in der Mitte der untersten Folge des Stahlschurzes die Jahreszahl 1550 eingeätzt, und auf anderen Teilen wiederholt ein Kleeblatt als Plattner-, und der Augsburger „Stadtpyr“ (Zirbelnuss) als Beschaustempel eingeschlagen.

Quelle: Die Waffensammlung des österreichischen Kaiserhauses im K. K. Artillerie-Arsenal-Museum in Wien. Herausgegeben von Quirin Leitner. Wien: H. Martin, 1866-1870.

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