Albrecht von Wallenstein. Herzog von Friedland.

Albrecht von Wallenstein. Herzog von Friedland, Generalissimus im dreissigjährigen Krieg. Porträt. Epoche des Barock
Albrecht von Wallenstein. Herzog von Friedland, Generalissimus im dreissigjährigen Krieg. Geb. 24. Sept. 1583, gest. 25. Febr. 1634.

Generalissimus im dreissigjährigen Krieg. Geb. 24. Sept. 1583, gest. 25. Febr. 1634.

Albrecht von Wallenstein

Albrecht Wenzel Eusebius Waldstein oder, wie er allgemein genannt wird, Wallenstein wurde am 14. September a. St. (- 24. Sept. n. St.) 1583 auf dem Gut Hermanric in Böhmen aus einer der minder begüterten Familien des tschechischen Herrengeschlechts der Ralsko geboren. Nach dem frühen Tod seiner evangelischen Eltern, des Barons Wilhelm IV. Freiherr von Waldstein (aus dem Hause Horzicz-Arnau) und dessen Gemahlin Margaretha Freiin Smirziczky von Smirzicz (1555–1593), wurde der unbändige Junge, der nur Sinn für das Soldatenwesen hatte, im Alter von vierzehn Jahren von einem katholischen Oheim den Jesuiten in Olmütz zur Erziehung übergeben.

Obgleich er dort zur katholischen Kirche übergetreten war, besuchte er 1599 die lutherische Universität Altdorf bei Nürnberg, worauf er zu seiner weiteren Ausbildung eine Reise ins Ausland unternahm. Seine militärische Schule machte er im Krieg gegen die Türken durch. Nach dem Frieden heiratete er eine weit ältere Witwe, die ihm bei ihrem baldigen Ableben ansehnliche Güter in Mähren hinterliess. Zum zweiten Mal vermählte er sich mit der Gräfin Isabella Katharina von Harrach, die ihm eine Tochter schenkte, und kam durch diese, übrigens glückliche Ehe in die nächste Verwandtschaft mit sehr einflussreichen Familien. In den böhmischen Unruhen führte er als Oberst ein mährisches Regiment. Nach dem Sieg des Kaisers wurden dessen Getreue mit den konfiszierten Gütern der Gegner entschädigt: Wallenstein erhielt die reichen Besitzungen einer Base ohne weiteres Entgelt und erwarb dazu die Herrschaften Friedland und Reichenberg um einen Spottpreis. In kurzem der reichste Grundbesitzer im Land, wurde er 1623 zum Fürsten von Friedland erhoben.

Wallenstein, Dreißigjähriger Krieg, Oberbefehlshaber, Stratege, Kampfkunst, Uniform, General, Barock
Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein (Waldstein) 1583-1634. Als Oberbefehlshaber der Armeen des habsburgischen Kaisers Ferdinand II. war er eine Hauptfigur des Dreißigjährigen Krieges.

Ab 1625 Dänemark den deutschen Protestanten zu Hilfe kam, erschien Wallenstein in Wien mit dem Anerbieten, eine ganze Armee auf eigene Kosten ins Feld zu stellen, wofern ihm der unbeschränkte Oberbefehl über dieselbe übertragen werde. Der Kaiser, der auf Spaniens Unterstützung nicht mehr rechnen konnte, nahm diesen Vorschlag an und ernannte am 25. Juli Wallenstein zum Generalissimus und Feldmarschall. Dieser rückte in Niedersachsen ein und schlug in seiner geschickt gewählten Stellung an der Dessauer Elbbrücke am 25. April 1625 den ihn angreifenden Grafen von Mansfeld aufs Haupt, verfolgte ihn durch Schlesien nach Ungarn und nötigte dadurch dessen Bundesgenossen, den Fürsten Bethlen Gabor von Siebenbürgen zu einem Waffenstillstand. Im folgenden Jahr säuberte er zunächst Oberschlesien vom Feind und drang dann in raschem Siegeslauf bis Jütland vor. Der Kaiser belohnte Friedlands Erfolge durch Erhebung seines böhmischen Fürstentums zu einem erblichen Herzogtum und verlieh ihm zur Deckung von Auslagen das schlesische Herzogtum Sagan sowie die Herrschaft über Mecklenburg, dessen beide Herzoge abgesetzt wurden. Zugleich wurde Wallenstein zum General des baltischen und oceanischen Meeres ernannt, um den Krieg auch zur See wirksam führen zu können. Schnell besetzte er Pommern und bemächtigte sich mehrerer Küstenstädte, musste jedoch im Juli 1628 die Belagerung der wichtigen Festung Stralsund unter grossen Verlusten aufheben.

An der Durchführung des Restitutionsediktes mitzuwirken lehnte er ab, da es ihm nicht sowohl um die Restauration des Katholizismus als vielmehr um Herstellung einer absoluten kaiserlichen Militärherrschaft und um Befriedigung seiner eigenen ehrgeizigen Pläne zu tun war. Die katholischen Reichsstände, voran der Kurfürst Maximilian von Bayern, konnten es ihm nicht verzeihen, dass er seine eigenen Wege ging, und wussten endlich auf dem Reichstag zu Regensburg im September 1630 die Entlassung des Oberfeldherrn durchzusetzen. Tief gekränkt zog sich dieser nach seiner Residenz Gitschin zurück. Aber Gustav Adolfs Erfolge nötigten den Kaiser bald wieder an Wallensteins Restituierung zu denken.

Nur nach langen Bitten und gegen unerhörte Zugeständnisse liess sich Friedland bereit finden, ein neues Heer zu werben. Nachdem er in kurzer Zeit die Sachsen aus Böhmen vertrieben hatte, wendete er sich nach Nürnberg, um Bayern von den Feinden zu befreien, und schlug hier einen Angriff Gustav Adolfs auf sein festes Lager am 3. September 1632 ab, dagegen wurde er selbst am 16. November von den Schweden bei Lützen besiegt, wo Gustav Adolf fiel. Wallenstein überwinterte in Prag und marschierte im Juni 1633 gegen die vereinigten Schweden, Sachsen und Brandenburger nach Schlesien, das er zum zweiten Mal für das Haus Habsburg rettete. Da er indes erkannte, dass weder der Kaiser seine Verdienste durch Übertragung eines Erblandes dem Versprechen gemäss belohnen noch seine zahlreichen Feinde ihn als Reichsfürsten neben sich dulden würden, trat er mit Frankreich in Unterhandlung und liess sich, als sein Sturz unvermeidlich schien, in Pilsen am 12. Januar 1634 von seinen Obersten die schriftliche Versicherung geben, dass sie bis zum letzten Blutstropfen getreulich beim Herzog-General ausharren wollten. Die nächste Folge dieses Schrittes war, dass er am 24. Januar durch ein geheimes Patent abgesetzt wurde. Um sich nun durch eine Verbindung mit den Schweden und Sachsen zu behaupten, begab er sich nach Eger, wurde jedoch am 25. Februar abends, als er eben zu Bette ging, in seiner Wohnung auf Veranstalten des Oberst Butler von Dragonern unter des Hauptmanns Deveroux Führung ermordet. Seine Güter wurden konfisziert und an die Urheber seines Todes verteilt.

Wallenstein war von grosser Gestalt, von blasser Gesichtsfarbe, hatte eine hohe Stirne und kleine, feurige Augen. Er lebte massig und sprach wenig; seine Launenhaftigkeit und sein zurückstossendes Wesen erschwerten den Umgang mit ihm. Fast immer litt er an Podogra (Gicht des Fußes, besonders der großen Zehe) und alterte schon frühzeitig. Bekannt ist seine Vorliebe für astrologische Berechnungen. An seinem Hofe pflegte er eine Pracht zu entfalten, mit der kaum ein Fürst wetteifern konnte. Er ist unbestreitbar einer der grössten Heerführer seines Jahrhunderts, ebenso bewunderungswürdig als militärischer Organisator wie als Taktiker.

Quelle: DAS ZEITALTER DES DREISSIGJÄHRIGEN KRIEGES (1600-1670). ALLGEMEINES HISTORISCHES PORTRAITWERK. MÜNCHEN 1895. VERLAGSANSTALT FÜR KUNST UND WISSENSCHAFT VORMALS FRIEDRICH BRUCKMANN. NACH DEN BESTEN GLEICHZEITIGEN ORIGINALEN NACH AUSWAHL VON DR. WOLDEMAR VON SEIDLITZ MIT BIOGRAPHISCHEN DATEN VON DR. H. TILLMANN UND DR. H. A. LIER.