Mode unter Louis XIV. Weibliche Kostüme Ende des 17. Jh.

Mode unter Louis XIV. Weibliche Kostüme Ende des 17. Jh.
Weibliche Kostüme unter Louis XIV.

FRANKREICH XVII. JAHRHUNDERT. WEIBLICHE COSTUME.

Mode unter Louis XIV. Ende des 17. Jh.

Abbildungen oben: 5, 7, 6
Abbildungen unten: 4, 2, 1, 3

Die hier dargestellten Kostüme gehören der zweiten Hälfte der Regierung Ludwig XIV. und dem Ende des XVII. Jahrhunderts an. Nr. 1 kann als typisch für das letzte Viertel des Jahrhunderts gelten. Zunächst ist der grosse, nach der Maitresse des Königs Fontange genannte Kopfputz charakteristisch, welcher von 1680 – 1701 die Herrschaft behauptete. Er bestand aus einem, bisweilen bis zu der lächerlichen Höhe von zwei und drei Fuss emporsteigenden Aufsatz von gesteiftem Leinen, das wie die Orgelpfeifen zusammengerollt und mit Schleifen, gesticktem und buntem Musselin, mit Federn, Blumen und Perlen verziert war. Ein Gestell von Eisendraht diente dazu, um diese Konstruktion aufrechtzuerhalten. Lange Barben (Bindebänder) fielen auf den Rücken herab. Die beiden Locken, welche von der Frisur auf die Stirn herab hängen, nannte man ,cruches‘ (Krüge). Hinten war das Haar gewöhnlich in einen Knoten (paquet) zusammengesteckt. Die Taille ist steif, eng geschnürt und nach unten spitz zulaufend. Die Ärmel sind kurz und mit Aufschlägen versehen, im Innern mit Spitzen von Alençon oder Valenciennes eingefasst. Ein eng anliegendes Perlenhalsband, eine Cravatte, Squinquerque genannt, und lange Handschuhe vervollständigen diesen Teil der Toilette.

Der obere Rock ist vorne weit geöffnet, nach hinten zusammengeschlagen und endigt in eine Schleppe, Die Verzierung des unteren Rockes besteht in den sogenannten Falbalas, rüschenförmig zusammengefalteten Querstreifen, die anfangs nur unten getragen wurden, sich später aber über den ganzen Rock ausdehnten, und den Préttintailles, einfachen Borten, die senkrecht auf das Kleid aufgesetzt wurden. Spitze Schuhe mit hohen Hacken kamen noch hinzu, um den Eindruck des Schlanken und Schmächtigen, den das ganze Kostüm hervorruft, noch zu verstärken.

Darstellung Nr. 2 und 3 unterscheiden sich von diesem allgemeinen Typus nur in Einzelheiten.
Nr. 2 zeichnet sich durch einen reicheren Besatz des Rockes mit horizontalen und vertikalen Streifen aus. Das Leibchen von Nr. 3 ist mit einer Reihe von Schleifen verziert, die nach ihrer Anordnung échelle (Leiter) genannt wurden. Der mit Silber durchwirkte Rock ist mit horizontalen Streifen besetzt.

Nr. 4 ist ein Ballkostüm von höchstem Luxus. Das Haar ist ähnlich wie die männliche Staatsperücke arrangiert, Auf Hals und Brust fallen zwei Locken herab. Der feine weisse Ärmel ist mit einem Band geschmückt, welches von einem Diamanten gehalten wird. An der rechten Seite hängt ein kleiner Muff herab, mit roter, goldbefranzter Schleife. Der mit Hermelin gefütterte Mantel ist an der Schulter befestigt. Auf Nr. 5, 6, 7 sieht man, wie der obere, hinten zusammengeraffte Rock beim Sitzen behandelt wurde.

Die Figuren Nr. 1, 2, 3, 5, 6 sind nach einem bemalten Ofenschirm kopiert, die Figuren Nr. 4 und 7 nach Stichen von Robert Bonnart.

Quelle: Geschichte des Kostüms in chronologischer Entwicklung von Auguste Racinet. Bearbeitet von Adolf Rosenberg. Berlin 1888.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheit - Frage *