Ostfriesische Stube. Winterküche im volkstümlichen Ostfriesenhaus.

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Winterküche eines ostfriesischen Bauernhauses. Stiftung Dr. James Simon.

Winterküche. Ostfriesische Stube.

Dieser Raum stellt eine Winterküche des volkstümlichen Ostfriesenhauses dar. Er diente als Hauptwohnraum, zugleich als Küche und Schlafstube. Im Sommer pflegte man in einer besonderen, kleineren Küche zu kochen. Der Fußboden ist mit Ziegelsteinen gepflastert und die Wände sind mit holländischen Fliesen, in vorwiegend blauen Mustern, belegt. Der Kochherd liegt niedrig und besteht in einem mit Fliesen bekleideten Kamin, dessen Oberteil das Bild eines Segelschiffes schmückt.

An der hölzernen Decke bemerkt man ein Gerüst zum Trocknen von Fleisch und Gartenfrüchten. Kränze von Bohnen hängen daran. Eigenartig wie der ganze Bau der Stube sind auch die Möbel-Einrichtungsstücke. Zum Schlafen dienen die vorn mit Holzverkleidung versehenen Alkoven, deren Öffnungen mit Gardinen verschlossen werden.

An der Eingangstür steht das sog. Speckschapp mit reicher Schnitzerei, an der den Fenstern gegenüberliegenden Wand die reich mit Geschirren ausgerüstete »Richtebank«, die mit Schnitzerei und bunter Bemalung verziert ist. Über dem eigentümlichen Klapp- tisch hängt eine urwüchsige kleine Tranlampe an ver- stell- und drehbarem Halter.

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Daneben in der Ecke Kindertisch und Stühlchen sowie ein mit Spielgeschirr gerüsteter Kinderschrank. Bemerkenswert sind noch die vielen Geräte, die der Erwärmung dienen. Da sind zu nennen die bei den Stühlen auf dem Fußboden stehenden »Stübchen«, die eine Glutpfanne im Innern bergen zur Erwärmung der Füße, ferner die an der Bettwand hängende Bettpfanne und der sog. Bakerkorb darunter, der ebenfalls durch eine hineingestellte Glutpfanne angewärmt wird und der Säuglingspflege dient.

In der Mitte der Bettwand befindet sich noch ein kleines, Buddelei genanntes Schränkchen zur Aufnahme besonders kostbaren Kleingerätes. Eine kleine bewegliche Treppe in der rechten Ecke führt in die einzig unterkellerte Stube im Ostfriesenhaus, die sog. Upkammer, Im Museum ist diese nicht vorhanden.

(Vgl. Amtl. Berichte a. d. Kgl. Kunstsammlungen,
Berlin XXIX 1908, 324.)

In der ostfriesischen Stube ist auch ein eigentümlicher Gegenstand, eine sog. Tunschere aus Sögel im Hümmling aufgestellt. Das ist eine volkstümliche Geschenkgabe um die Zeit der Jahreswende; ihr wesentlicher Bestandteil ist ein Holzstab, dessen Oberfläche in feinen Faden ab- geschält, aber nicht abgetrennt ist, sondern strähnenartig den Kern umgibt.

Quelle: Führer durch die Sammlung für deutsche Volkskunde. Staatliche Museen zu Berlin. Berlin, W. de Gruyter 1922.

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